Imker-AG der Bödiker Oberschule Kinder in Haselünne kümmern sich um 120 000 Bienen

Von Carola Alge


Haselünne. Es duftet nach Bienenwachs im modernen Werkraum der Bödiker Oberschule Haselünne. Ein ungewöhnlicher Geruch für diesen Bereich, in dem sonst mit Holz und Metall gearbeitet wird. Der Grund: Jeden Donnerstag trifft sich hier die Imker-AG.

  • Jeden Donnerstag trifft sich die Imker-AG der Bödiker Oberschule Haselünne
  • Das umfangreiche Angebot mischt Theorie und Praxis
  • Ein Lehrbienenstand wird nahe des Krankenhauses betreut
  • Die Jungen und Mädchen pflegen 120 000 Bienen
  • Kerzen und Honig werden selbst hergestellt

Seit fünf Jahren gibt es die Gruppe. Alle Mitglieder sind mit Begeisterung bei der Sache. Nikolas Köbbermann zum Beispiel macht mit, „weil es Spaß macht, die Lebensweise der Bienen kennenzulernen. Wir können viele Dinge praktisch erfahren.“ Der Oberschüler schmunzelt, während er mit zwei anderen eine selbst gefertigte Wabe aus einem großen Bienenstock mitten im Raum holt. „Der eigene Honig schmeckt viel besser als der gekaufte.“

Brutentwicklung

Sienna Lake und Dennis Essert nicken. „Ich finde es schön, mit den Bienen zu arbeiten, und erfahre, wie sie leben.“ Wichtige Informationen vermittelt unter anderem ein riesiges Poster auf einem der Tische in der Mitte es Raums. „Das Leben der Honigbiene“ ist es überschrieben und erläutert anhand von Grafiken und Bildern alles von der Brutentwicklung bis hin zur Lebensweise der Insekten. „Das ist alles voll spannend“, findet Mouaed El-Ahmad.

Theorie und Praxis

Antonius Derda hört das gern. Der Lehrer der Schule, selbst Mitglied des Imkervereins Haselünne, hat die AG ins Leben gerufen. Er ist überzeugt davon, dass einige Schüler später der Imkerei treu bleiben werden. In den Imkerverein, dem er angehört, seien vor Kurzem ehemalige Schüler eingetreten. „Sie bedauerten es, dass sie das nicht schon eher getan haben.“

Er bietet den Fünft- bis Zehntklässlern ein umfangreiches Angebot, das Theorie und Praxis mischt. In der Schulimkerei können maximal zwölf Schüler mitwirken. „Indem wir die unteren Jahrgänge einbeziehen, ist sichergestellt, dass Schüler auch über mehrere Jahre in dieser AG aktiv mitwirken können.“

Bienenstände

Das findet der Pädagoge wichtig. Gerade auch mit Blick auf begonnene Projekte. Dazu gehören Bienenstände. Für sie haben die Haselünner Oberschüler Teile angefertigt und beim Aufbau hinter dem St.-Vinzenz-Hospital geholfen.

Der Imkerverein hat hinter dem Krankenhaus im „ Garten der Sinne “ einen Lehrbienenstand, mit einer Grundfläche von zwölf Quadratmetern. Der Bienenstand ist von der Schule 700 Meter entfernt, sodass die Schüler den Lehrbienenstand schnell erreichen können.

Drei Bienenvölker

Drei Völker können die Jungen und Mädchen dort unterstellen. In der Nähe eines alten Obstgartens mitten in der Natur aktiv zu sein gefällt den Schülern. „Man lernt viel. Das ist eine imkerliche Grundausbildung, und man hat Kontakt zur Natur“, sagt Fiona Wolterstädt. Diesen außerschulischen Lernort aufsuchen zu dürfen begeistert sie und die anderen. 15 000 Bienen pflegen die Kinder zurzeit.

Langfristig sollen weitere Bienenstöcke auf dem Gelände aufgestellt werden. Die werkeln die Schüler natürlich ebenfalls selbst. „Es ist immer sinnvoll, wenn sie viele Teile selbst anfertigen können. Dadurch bekommen sie eine bessere Beziehung zu dem Aufgabengebiet“, sagt Derda.

Doch nicht nur um das Handwerkliche geht es dabei. Die Bienenstöcke und ihr Innenleben müssen intensiv gepflegt werden. Dazu gehört auch die Bekämpfung der Varroamilbe. Sie entwickelt und vermehrt sich in der verdeckelten Brut im Bienenstock und ist eine große Gefahr für die Bienen.

Wichtig für die Natur

Die wollen die Oberschüler schützen. Sie wissen, wie wichtig Bienen für die Natur sind. Und wie viel Taschengeld Bienenprodukte bringen können. Schon nach dem ersten Jahr konnten sie durch den Honigertrag aus eigenen Mitteln einige Kosten selbst finanzieren. Sie stellen zum Beispiel aus klumpigen Wachsresten, die sie einschmelzen, Platten her und formen daraus Kerzen.

Die verkaufen sie jetzt unter anderem beim Staudentag auf dem Schulhof im Rahmen des „Tags der offenen Tür“ am 14. April von 14 bis 17 Uhr. Eigner Honig wird dort ebenfalls angeboten. „Den esse ich richtig gern“, sagen alle AG-Mitglieder.

Keine Angst vor Bienenvolk

Hatten sie denn Angst vor der ersten Begegnung mit einem Bienenvolk? „Nein“, kommt es unisono. „Wir haben ja Schutzanzüge. Außerdem stechen Bienen nur, wenn sie bedroht werden“, erklärt Nurda Osmann. Sie findet es faszinierend zu erleben, wie sich die Bienenvölker entwickeln und vermehren. Kleine Rückschläge ändern daran nichts. „Wer mit der Imkerei begonnen hat, weiß, dass mehrere Jahre vergehen müssen, bis man ein erfolgreicher Imker ist“, ruft Derda seinen Schülern von Zeit zu Zeit in Erinnerung. In erster Linie gehe es in der AG darum, „einen besseren Bezug zu dieser Thematik zu finden und durch eigene Erfahrung Freude und Verantwortungsbewusstsein für die Natur und deren Zusammenhänge zu erfahren.“