Serie Familienfreundliche Betriebe Krankenschwester nimmt berufliche Auszeit für Pflege der Mutter

Von Konstantin Stumpe

Um ihre Mutter zu pflegen, hat Christa Deters ein Vierteljahr unbezahlten Urlaub genommen. Foto: Konstantin StumpeUm ihre Mutter zu pflegen, hat Christa Deters ein Vierteljahr unbezahlten Urlaub genommen. Foto: Konstantin Stumpe

Haselünne. Weil ihre Mutter nach einer Operation nicht mehr richtig fit geworden ist, hat Christa Deters, Krankenschwester im St.-Vinzenz-Hospital Haselünne Pflegezeit beantragt. Das würde sie jedes mal wieder so machen, sagt die 61-Jährige im Gespräch mit unserer Redaktion.

Das Krankenhaus im Verbund der Niels-Stensen-Kliniken legt großen Wert auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Es ist nicht nur Mitglied bei „Vereinbar e.V.“ sondern ist auch mit dem emsländischen Gütesiegel für familienfreundliche Betriebe zertifiziert. Jeder neue Mitarbeiter erhält ein Serviceheft mit den Angeboten des Krankenhauses zu Gesundheit, Familie und Soziales. Außerdem stehen den Mitarbeitern mit Personalchef Marco Ostermann und Pflegedirektor Helmut Hermes zwei ausgebildete Pflegelotsen zur Seite. Sie geben den Mitarbeitern schnell und unkompliziert Auskunft über Möglichkeiten bei der Pflege von Angehörigen.

Unbürokratische Soforthilfe

So ging es sehr schnell, als Christa Deters aus Lorup den Entschluss fasste, einen Antrag auf Pflegezeit zu stellen. Das ist eine unbezahlte Freistellung von der Arbeit von bis zu sechs Monaten. „Von einem auf dem anderen Tag konnte ich zuhause bleiben“, erinnert sich die Krankenschwester. Gesetzlich vorgeschrieben ist ein schriftlicher Antrag mit zehn Arbeitstagen Vorlaufzeit. „Aber oft wird die freie Zeit sofort benötigt. Deshalb genehmigen wir die Pflegezeit in der Regel direkt“, sagt Personalleiter Ostermann. Ohne flexible Kollegen sei das aber nicht zu schaffen. „Wir fragen dann andere Teilzeitkräfte auf der Station, ob sie übergangsweise mehr Stunden arbeiten wollen“, ergänzt Verwaltungsdirektor Walter Borker. Später können die Stunden dann wieder abgebaut werden. „Ich bin meinen Kollegen unendlich dankbar. Sie haben ein Vierteljahr für mich mitgearbeitet“, bedankt sich Deters. Heute arbeitet sie wieder auf ihrer alten Station.

Pflege rund um die Uhr

Im Herbst vergangenes Jahres ging es ihrer 91-jährigen Mutter nach einer Operation immer schlechter. Der Pflegedienst, den sich Deters schon vorher geleistet hatte, konnte die gestiegenen Anforderungen nicht mehr komplett erfüllen. Eine stationäre Pflege kam aber auch nicht in Frage. „Ich konnte meine Mutter nicht mehr alleine lassen“, sagt die Krankenschwester. Einen Monat vor Ende der beantragten Pflegezeit verstarb die 91-Jährige dann. Deters beantragte, trotzdem weiterhin zuhause bleiben zu können. „Die Zeit brauchte ich zur Erholung“, erinnert sich die 61-Jährige. Auch hier kam ihr der Arbeitgeber unbürokratisch entgegen.

Versicherungsfrage

Einen Behördenkrieg habe Deters aber mit der Krankenversicherung führen müssen. Denn die kostenlose Weiterversicherung in der Kranken- und Pflegeversicherung während der Pflegezeit endet nach einem Monat. Deters musste sich also um eine Familien-Versicherungsmöglichkeit kümmern, ohne in dieser Zeit ein Gehalt zu beziehen. Einem Pflegenden steht nur ein Pflegeunterstützungsgeld für den Ausfall der Arbeitszeit von zwei Wochen zu. Arbeitslosen- und Rentenversicherung übernimmt die Pflegekasse des Angehörigen. „Trotzdem würde ich das so jederzeit wieder machen“, sagt die 61-Jährige.