Vertreter für gehobenen Blödsinn Kabarettist Matthias Brodowy begeistert Haselünner Publikum

Von Adelheid Schmitz


Haselünne. Von Handywahn und Weight-Watchers-Punkten bis zu Kindheitserinnerungen und Politiker-Albträumen: Kabarettist Matthias Brodowy hat das Haselünner Publikum mit seinem Programm „Gesellschaft mit beschränkter Haltung“ im Kulturkino Hasetor begeistert.

Im fast voll besetzten Kinosaal hat der 46-jährige Autor, Pianist, Komponist und Sänger eine Mischung aus Musik und Kabarett geboten. Den Themen der heutigen Zeit näherte er sich mit Witz und gesundem Menschenverstand.

Der aus Hannover stammende ausgebildete Kirchenmusiker studierte Deutsch, Geschichte und katholische Religion auf Lehramt, bevor er sich für das Kabarett entschied. Er selbst bezeichnet sich als Vertreter für gehobenen Blödsinn. 1999 erhielt Brodowy den Kabarettpreis „das schwarze Schaf“, später den „Prix Pantheon“ und den „deutschen Kleinkunstpreis“.

Wortspiele

Er berichtete von sich, als traumatisierten Hotelgast, Staudenselleriehasser und Rosinenverächter. Eine verirrte Rosine, in einem blauen Schlumpf-Eis, führte zu einer spannenden Begegnung im Institut für angewandte Gegenwartsbewältigung.

Er sprach über Seitenbacher Müsli und Dolomiti-Stieleis aus den 70ern und die Gefahren von zwei-in-eins Symbiosen, wie Duschgel mit integrierter Körperlotion. Den französischen Käse Epoisses und Hornhauthobel verquirlte er zu Wortspielen.

Verzaubert nur als Kind

Auch Träume, in denen Ex-Fifa-Chef Joseph Blatter ein Buch über Ethik schreibt, deutete Brodowy: „Das ist ungefähr das Gleiche, als wenn die Frau des Papstes Gleichstellungsbeauftragte bei den Taliban wird.“ Er kritisierte, regte an zum Schmunzeln und Nachdenken. Zu der beliebten Phrase „Früher war alles besser“, sagte er: „Das ist die Sehnsucht nach der Verzauberung, die man oft nur in der Kindheit erlebt, nach dem, was mal war.“

Plattdeutsche Lieder

Brodowy, der ausdrücklich den besonderen Charme des alten Kinos in Haselünne lobte, sang sogar auf Plattdeutsch und rief dazu auf, mehr Blödsinn zu wagen.

Nachdem er zum Gespräch mit ihm eingeladen hatte, mischte sich der Künstler in der Pause unter das Publikum und signierte Bücher.