Unheimliche Begegnung der spannenden Art Haselünner Theater-AG entführt in dunkle Welt des Grauens

Von Daniel Lösker


Haselünne. Das Beste kommt zum Schluss, sagt eine bekannte Weisheit. Diese haben sich Regisseur Holger Seidel und die Seinen zu Herzen genommen und im voll besetzten Forum des Haselünner Kreisgymnasiums eine beeindruckende Schauspielfassung von Edgar Allan Poes Gedicht „Der Rabe“ inszeniert. Sie bildete den Abschluss des Programms „Theater des Grauens“.

Lars Knese als namenloser Protagonist übernimmt dabei die Rolle des Verzweifelten, dessen Geliebte gestorben ist, und der nun zuerst den mysteriösen Besuch eines Raben willkommen heißt, dann aber – ob des starren und stetig wiederholten „Nimmermehr“ des Vogels – allmählich dem Wahnsinn näherkommt. Knese spielt seine Rolle mit großer Intensität und erstaunlich erwachsen. Begleitet wird er dabei vom erzählenden Paul Steinkamp, der das Poem mit klug gewählter Betonung in die richtige Bahn lenkt.

„Theater des Grauens“ nennen die Macher der AG ihr neues Programm. Eine Reihe von bekannten und selbstverfassten Geschichten rund um subtile Suspense und angsteinflößendes Grausen. Neben Poe gehört selbstverständlich H.P. Lovecrafts „Der böse Geistliche“ mit seinem okkulten Grundgestus dazu.

„Apokalypse in drei Bildern“

Drei Stücke dieser unheimlichen Begegnung der spannungsvollen Art stammen aus der Feder von Mitgliedern der Theater-AG selbst. Besonders erwähnenswert ist dabei „Apokalypse in drei Bildern“. Fünf jugendliche Protagonisten kämpfen in einer Zeit, als die Menschheit durch einen sich schnell verbreitenden Virus dahingerafft zu werden scheint, ums nackte Überleben. Hunger, Durst, Krankheit und namentlich die „Anderen“ sind ihnen dabei im Weg. In Anlehnung an Wolfgang Borcherts „Draußen vor der Tür“ nennen Seidel und seine Co-Autoren die Unbekannten vor oder hinter dem Schutzbunker so und erzeugen damit jene unheilvolle Ahnung, dass die bedrohlichen Wesen lediglich ein Spiegelbild des eigenen Ichs sind.

Durchaus bemerkenswert ist, wie die jungen Darsteller mit nachdrücklichem Spiel dem Thema große Brisanz und Aktualität verleihen. Bemerkenswert deshalb, sagt man doch gerade dieser Generation oft Oberflächigkeit nach und betrachtet sie lediglich als geniale Smartphone-Zombies, um im Thema zu bleiben.

Aus Not wird Tugend

Seidel hat aus der Not, nach dem Abgang der letztjährigen Abiturienten mit einer gänzlich unerfahrenen Schauspielertruppe dazustehen, eine Tugend gemacht. Geschickt und einfallsreich kommt modernste Audio- und Videotechnik zum Einsatz. Es entsteht eine bisher in Haselünne nicht da gewesene Vermengung von Schauspiel, klassischer Vortrags- und technischer Bildkunst, die beeindruckt.

Dazu kommen sorgfältig ausgewählte Musiktitel, die den Charakter der einzelnen Stücke unterstreichen. Dass aber die finnischen Metal-Cellisten von Apokalyptica wie selbstverständlich dem bereits erwähnten Stück „Apokalypse in drei Bildern“ unterlegt sind, ist dabei lediglich eine kleine Anekdote am Rande.

Stürmischer Applaus

Am Ende kommt das Beste, wie schon festgestellt. Diesmal ist es der stürmische und rhythmische Applaus des begeisterten Publikums, welcher jäh durch einen vermeintlichen Ton- und Lichtausfall unterbrochen wird, nur um dann die auf der Bühne Versammelten in einer großartigen Reminiszenz an das geniale Musikvideo „Thriller“ von Michael Jackson noch einmal ins „Theater des Grauens“ zurückzuholen.