Instrument zurück beim Besitzer Ehrlicher Haselünner findet Harfe in der Hase

Von Martin Reinholz

Meine Nachrichten

Um das Thema Haselünne Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Der ehrliche Finder Franz Felschen (zweiter von links) konnte Markus Böhme (zweiter von rechts) seine „Veeh-Harfe“ wiedergeben. Gemeinsam mit Markus Böhme freuten sich sein Zwillingsbruder Matthias (links) und Norburga Felschen.  Foto: Martin ReinholzDer ehrliche Finder Franz Felschen (zweiter von links) konnte Markus Böhme (zweiter von rechts) seine „Veeh-Harfe“ wiedergeben. Gemeinsam mit Markus Böhme freuten sich sein Zwillingsbruder Matthias (links) und Norburga Felschen. Foto: Martin Reinholz

Haselünne. Es gibt sie noch: die ehrlichen Finder, die das, was sie irgendwo gefunden haben, dem rechtmäßigen Besitzer zurückgeben. Einer davon ist Franz Felschen aus Haselünne. Er entdeckte eine Harfe in der Hase.

Er fand in einer Böschung am Rande der Hase in Haselünne eine rote Tasche, in der sich eine „Veeh-Harfe“ befand. Nach vier Wochen konnte Felschen dem Eigentümer Markus Böhme aus Vechta die Harfe wieder zurückgeben.

Lange Spaziergänge

Jeden Mittag macht sich Franz Felschen zu einem etwa einstündigen Spaziergang auf den Weg. Oft ist der Bereich rund um den Haselünner See das Ziel. Die Hase führte Hochwasser, sodass angrenzende Bereiche am Haseufer unter Wasser standen. An einem Gebüsch sah Franz Felschen „etwas rotes“, was sich an einem Gebüsch verfangen hatte, erzählte er bei einem Treffen mit der Familie Böhme aus Vechta in Haselünne. Mit Hilfe eines Stockes „fischte“ Felschen den Gegenstand aus dem Wasser, der sich als „eine Art Tasche“ entpuppte. In der Tasche entdeckte er ein Zupfinstrument, gleich einer Zitter oder Harfe.

Seltsames Fundstück

Die Tasche ließ Felschen zunächst liegen. Zu Hause angekommen berichtete er seiner Frau Notburga von dem seltsamen Fund und fragte: „Willst du eine Harfe haben?“. Schließlich machte sich Franz Felschen noch einmal auf den Weg zur Hase und holte das „Fundstück“ nach Hause. Dort packte es seine Frau aus der Tasche und legte das vollkommen durchnässte Instrument zum Trocknen in den Heizungskeller.

Aufkleber mit Telefonnummer

Beim näheren Betrachten der Tasche entdeckte sie eine Telefonnummer auf einen Aufkleber. Kurzerhand rief sie die Familie Böhme in Vechta an, die schon seit Wochen das Musikinstrument vermisste.

Seltene Veeh-Harfe

Bei einem Treffen von Notburga und Franz Felschen, den Zwillingsbrüdern Markus und Matthias Böhme sowie deren Eltern Gisela und Jürgen Böhme in Haselünne, konnte schließlich einiges aufgeklärt werden. Bei dem gefundenen Gegenstand handelt es sich um eine sogenannte „Veeh-Harfe“, erklärte Gisela Böhme. Ende der 1980er Jahre entwickelte der in Hemmersheim bei Würzburg (Mittelfranken) lebende Landwirt Hermann Veeh aus einer Akkordzitter die „Veeh-Harfe“ und eine entsprechende Notenschrift für seinen mit dem Down-Syndrom geborenen Sohn Andreas. Für Menschen mit Handicap bietet diese besondere Harfe einen unkomplizierten Zugang zur Musik.

Besondere Konstruktion

Die Zwillingssöhne Markus und Matthias Böhme leiden seit ihrer Geburt an einer ganz seltenen Krankheit, erzählte Gisela Böhme weiter. Der heute 45-jährige Sohn Markus spielt schon seit etwa 17 Jahren die instrumentenkundlich als „Kastenzither“ eingestufte „Veeh-Harfe“. Das Schallloch der Harfe befindet sich bewusst im Boden des Instruments, so das auf der planen Decke ein Notenblatt unter die Saiten geschoben werden kann. Der Verlauf von Melodien und Begleitstimmen ist so notiert, dass die Notenköpfe der einzelnen Stimmen direkt unter den zu zupfenden Saiten stehen. Auf diese Weise kann auch ein musikalisch nicht so versierter Nutzer unmittelbar ein Musikstück spielen, indem er die untereinander verbundenen Noten in der vorgegeben Reihenfolge zupft.

Rätsel ungelöst

Markus Böhme berichtete, dass er nach dem Musikunterricht seine Harfe „kurz abgestellt“ hatte, um noch etwas zu erledigen. Als er zum Abstellort zurückkam, war die Tasche samt Harfe schließlich verschwunden. Es wird wohl ein Rätsel bleiben, ob jemand die Harfe bewusst entwendet oder als „Fundstück“ mitgenommen hat. Ebenso wird der genaue Weg, den die Tasche schließlich in die Hase gefunden hat, im Dunkeln bleiben.

Bei der Polizei in Vechta hatte Markus Böhme zunächst den Verlust seines Musikinstruments gemeldet.

Große Freude

Umso größer war die Freude bei der Familie Böhme in Vechta, als der Anruf der Felschen`s aus Haselünne kam. Sofort wurde ein Treffen in Haselünne vereinbart, um das Instrument abzuholen. Mit großer Freude nahm Markus Böhme in Haselünne seine „Veeh-Harfe“ in Empfang. Für die Eheleute Felschen hatte er einen Blumenstrauß als Dankeschön dabei. Wie Gisela Böhme später berichtete, kann das Instrument nach intensiver Trocknung und einer neuen Stimmung weiter genutzt werden und Markus weiter damit musizieren.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN