„Niemand etwas weggenommen“ Gericht bestätigt Forderung des Ex-Leiters der Fußballabteilung an Haselünner SV

Von Carola Alge

Laut Gerichtsbeschluss muss der Haselünner SV seinem ehemaligen Leiter der Fußballabteilung das Privatdarlehn zurückerstatten. Archivfoto: Doris LeißingLaut Gerichtsbeschluss muss der Haselünner SV seinem ehemaligen Leiter der Fußballabteilung das Privatdarlehn zurückerstatten. Archivfoto: Doris Leißing

Haselünne. Nach einem Vergleichsurteil des Landgerichts Osnabrück darf der Haselünner SV nicht länger behaupten, der ehemalige Leiter der Fußballabteilung habe dem Verein erheblichen Schaden zugefügt bzw. mit Spielern Zusatzvereinbarungen geschlossen.

Wie mehrfach berichtet, steht der Verdacht der Hinterziehung von Steuer- und Sozialabgaben durch mehrere Vereinsverantwortliche im Raum. Allein Schuldige sieht der Vereinsvorstand im ehemaligen stellvertretenden Vorsitzenden und eben dem ehemaligen Leiter der Fußballabteilung. Die dem Vereinsvorstand vorliegenden Unterlagen belegten eindeutig, dass beide ohne jegliches Wissen und Ermächtigung durch den Vorstand mit ihren Unterschriften Rechtsgeschäfte getätigt hätten, zu denen sie zu keinem Zeitpunkt berechtigt oder autorisiert gewesen seien, hieß es in einer Presseerklärung des Vereins vom Frühjahr 2015.

„Keine Fehler gemacht“

Der Haselünner SV leitete Vereinsausschlussverfahren gegen die beiden ein. „Dieses Verfahren und das Gerede in der Öffentlichkeit betrüben mich. Ich war mehr als 40 Jahre für den HSV ehrenamtlich tätig, habe keine Fehler gemacht und niemandem etwas weggenommen. Ich habe das Ehrenamt ausgeübt, um zu helfen“, so der ehemalige Leiter der Fußballabteilung im Gespräch mit unserer Redaktion.

Dies hätten auch die Gerichte bestätigt. Er verweist dabei eben auf das Vergleichsurteil der 1. Zivilkammer des Landgerichts Osnabrück in der Klage des Haselünners gegen den HSV vom 10. April 2017 und den Beschluss des Oberlandesgerichts (OLG) Oldenburg.

Berufungsinstanz

Das entschied mit Eingang vom 12. Januar 2018 im Rechtsstreit des ehemaligen Leiters der Fußballabteilung gegen den HSV als Berufungsinstanz, der Verein habe der Fußballabteilung vierteljährlich Abschlagszahlungen zur Verfügung gestellt. Die seien im zweiten Quartal 2014 ausgeblieben. Daraufhin habe der Kläger am 2. April 2014 auf dieses Konto 7500 Euro als Privatdarlehn eingezahlt.

Wie das Gericht ausführt, habe das Finanzamt Lingen vom HSV mit Haftungs- und Nachforderungsbescheid über Lohnsteuer und sonstige Lohnsteuerabzugsbeträge für die Zeit von Januar 2009 bis Dezember 2014 vom 4. Januar 2016 insgesamt die Zahlung von 94320 Euro, die Deutsche Rentenversicherung für den gleichen Zeitraum Nachzahlungen auf die Sozialversicherung in Höhe von 105217 Euro gefordert. Der Beklagte habe die Aufzeichnungspflicht nach Ansicht der Richter nicht ordnungsgemäß erfüllt. Hintergrund dieser Forderungen seien Zusatzvereinbarungen mit Spielern gewesen.

Zahlungsengpass

In dem Verfahren vor dem Oberlandesgericht Oldenburg hatte der ehemalige Leiter der Fußballabteilung beantragt, die Berufung des HSV auch deshalb zurückzuweisen, weil die Ausführungen des HSV zu verschiedenen Zahlungen nicht stimmten. Fakt sei, so auch das Gericht in seinem Beschluss: Es sei infolge fehlender ausreichender Abschlagszahlungen des HSV an die Fußballabteilung zum Zahlungsengpass gekommen. Es seien Zahlungen an die Spieler aus durch den Vorstand genehmigten und unterschriebenen Vereinbarungenfällig gewesen. Der Vorstand sei hierüber informiert worden.

Gegenüber unserer Redaktion betonte der Kläger, er habe bereits im Jahr 2013 Kontakt zu einem Lingener Steuerberater hergestellt, um Fragen zur Versteuerung der Sozialabgaben der Aufwandsentschädigungen für den Trainer und die Spieler zu klären. Bei den Gesprächen seien der Vorsitzende des s HSV und weitere Mitglieder anwesend gewesen. Auch darauf verweist das Gericht.

Verheerende Folgen

Ohne die Leistungen des ehemaligen Leiters der Fußballabteilung wären die Folgen des Zahlungsausfalls verheerend gewesen. Mit dem Vorstand sei vereinbart worden, dass seine Forderung in monatlichen Raten von 500 Euro zurückgezahlt werde. Zur Umsetzung dieser getroffenen Vereinbarung sei es nicht mehr gekommen. Dem Kläger stehe, so das OLG, eine Rückzahlung der dem HSV zur Verfügung gestellten 7500 Euro zu.