Öffentliches Erhaltungsinteresse Kapelle am Krankenhaus Haselünne soll denkmalgeschützt werden

Von Carola Alge


Haselünne. Die Krankenhauskapelle des St.-Vinzenz-Hospitals Haselünne soll unter Denkmalschutz gestellt werden. Geplant ist die Ausweisung als Einzelbaudenkmal.

Walter Borker, Verwaltungsdirektor des Haselünner Krankenhauses, ist über diese Pläne sehr dankbar. „Wenn die Kapelle jetzt unter Denkmalschutz gestellt wird, macht uns das ganz besonders stolz. Insbesondere freue ich mich für unsere Ordensschwestern im Konvent, die sich mit ganz viel Liebe um die Kapelle kümmern“, sagte er im Gespräch mit unserer Redaktion.

Rückzugsmöglichkeit

Neben einer guten medizinischen Versorgung sei es dem St.-Vinzenz-Hospital „auch ganz wichtig, dass unsere Patienten sich insgesamt in unserem Hause wohlfühlen“. Dazu gehörten unter anderem eine Rückzugsmöglichkeit oder Räumlichkeiten, in denen Patienten Ruhe und Kraft schöpfen könnten. Die Krankenhaus-Kapelle stehe aber nicht nur für unser Patienten und Ordensschwestern und Seelsorgern zur Verfügung. Auch Mitarbeiter und Bürger der Stadt Haselünne nutzten sie als Ort der Stille. „Zudem freuen wir uns über jeden Gottesdienst, der hier in der Kapelle zelebriert wird, da wir gern als ‚offenes Haus‘ zur Verfügung stehen.“

Satteldach mit Dachreiter

Die 1938 erbaute Krankenhauskapelle besteht aus Mauerwerk im Flämischen Verband und verfügt über ein Satteldach mit Dachreiter sowie gekoppelte Bogenfenster. An der Außenfassade befindet sich eine kleine Treppe mit Zugang zur Kapelle. Die Kapelle steht jedoch nicht frei, sondern wurde in den Hospitalkomplex integriert und schließt direkt an jenen an.

Im Grundriss rechteckige Form

Der Innenraum der Kapelle besitzt eine im Grundriss rechteckige Form. Die vier doppelten sowie ein dreifaches Bogenfenster bestehen aus Buntglas und geben dem Raum ein besonderes Lichtspiel. Die große zweiteilige Eingangstür besteht aus Holz und Glas. Über der Eingangstür befindet sich die Empore mit 13 engmaschigen Bögen.

Das Gestühl sowie die Einbaumöbel und die Türbeschläge in der Sakristei befinden sich noch im bauzeitlichen Zustand. Rechts vom Altar befinden sich sechs kleine trapezförmige Öffnungen, hinter denen sich höchstwahrscheinlich der Nonnenchor befand.

Gründung durch den Bischöflichen Stuhl

Das Krankenhaus wurde bei seiner Gründung durch den Bischöflichen Stuhl 1862 provisorisch in einem Wohnhaus untergebracht. Im Jahre 1865 erfolgte ein Kapellenneubau an ungefähr jener Stelle, an der der heutige Kapellenflügel steht. 1911 entstand ein repräsentativer dreigeschossiger Hospitalneubau mit einer ausgebauten Dachgeschosszone auf amorphem Grundriss. Der Altbau wurde zum Altenheim umfunktioniert.

In den Jahren 1936 bis 1938 wurde die Kapelle von 1865 abgerissen und unter der Leitung des Architekten Dominikus Böhm neu errichtet. Er war ein deutscher Architekt, Kirchenbauer und Hochschullehrer.

Neubau des Kapellenflügels

Außerdem erfolgte ein Neubau des Kapellenflügels als rechtwinklige Verbindungsachse zwischen dem Alt- und Neubau von 1911. 1943 verlor die Hospitalkapelle ihre Glocke. In den Jahren 1964, 1967, 1975 und 1988 erfolgten noch weitere Modernisierungen und Umbauten an der Hospitalanlage. Im Jahr 2010 fand eine Sanierung der Kapelle statt. Heute ist die Kapelle in den Hospitalkomplex integriert.

Die Krankenhauskapelle in Haselünne stellt zusammen mit einer Schulerweiterung in Börger wichtige Werke des Architekten in der Zeit des Nationalsozialismus dar. Als im Jahre 1933 der Vorsitzende des Blocks Kölner Baukünstler verkündete, dass seine Mitglieder geschlossen der NSDAP beitreten würden, widersprach Böhm diesem Beschluss. Um nicht völlig in Ungnade beim zukünftigen Regime zu fallen, trat Böhm dem Kampfbund für deutsche Kultur sowie der Reichskammer der bildenden Künste bei. Jedoch beschränkten sich seine weiteren Annäherungen an die Nationalsozialisten auf ein Minimum.

Bereits in den Vorjahren hatte sich Böhms finanzielle Situation dadurch verschlechtert, dass er wenige Aufträge bekam, da der moderne Kirchenbau kritisiert wurde und auch die Nationalsozialisten seine Bauwerke öffentlich diffamierten und als „entartet“ darstellten. Der einzige Folgeauftrag für Kirchenbauten seit 1931 war im Jahr 1935 die Kirche St. Engelbert in Essen.

Wiederaufbau

1939, kurz vor Kriegsbeginn, lies Böhm im heimischen Jettingen für sich und seine Familie auf dem Land ein Haus bauen, in das sich die Familie zurückzog, um dem Bombenkrieg in Köln entgehen zu können. In den Nachkriegsjahren kehrte er in das zerstörte Köln zurück und arbeitete ab 1947 erneut als Professor an den wiedergegründeten Kölner Werkschulen. Bis 1955 leitete Böhm – unterstützt durch seinen Sohn – den Wiederaufbau und Neubau zahlreicher Kirchen, darunter acht in Köln.

Die Krankenhauskapelle in Haselünne hat eine besondere geschichtliche Bedeutung für die Kirchen-, Orts- und Regionalgeschichte aufgrund des Zeitraumes der Erbauung 1936. Außerdem besitzt die im Jahr 1936–1938 neu errichtete Kapelle eine besonders wichtige Bedeutung, da sie von dem berühmten deutschen Architekten Dominikus Böhm erbaut wurde.

Zudem stellt die Innenraumausstattung, die in Teilen noch bauzeitlich ist, ein wichtiges Zeugnis der modernen Sachlichkeit bzgl. des Kirchenbaus im 20. Jh. dar.

Öffentliches Erhaltungsinteresse

Das öffentliche Erhaltungsinteresse begründe sich, so das niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege, Bau- und Kunstdenkmalpflege, im Hinblick auf die bau- und kunstgeschichtliche Bedeutung der Kapelle, aufgrund ihres berühmten Erbauers Dominikus Böhm sowie auch bzgl. der Orts- und Regionalgeschichte. Zudem stelle die noch in Teilen vorhandene bauzeitliche Innenraumausstattung ein wichtiges handwerkliches Zeugnis dar, das auf jeden Fall erhalten werden sollte und somit das öffentliche Interesse zur Erhaltung bestärke.

Nach mehr als einjähriger Bauzeit entstand neben dem alten Krankenhaus in Haselünne von 1864, das ab da als Altersheim dienen sollte, das neue St.-Vinzenz-Hospital. An der damals schönsten Stelle Haselünnes wurde der Bau mit Terrassen und Balkonen und Dachreiter als Zierde errichtet. Das Krankenhaus wurde schnell zu klein. Vor allen die Kapelle bot nicht mehr genügend Platz. Schon 1910 lag ein Plan für einen Neubau vor, entworfen von Architekt Dittmann aus Düsseldorf.

Beschluss für Neubau

Zur Ausführung kam er wegen des Weltkrieges aber nicht. Erst im Oktober 1935 fasste das Kuratorium den Beschluss, die Kapelle neu zu bauen. Mit der Ausführung wurde ein Jahr später Architekt Dominikus Böhm aus Köln beauftragt. Sein Entwurf sah nicht nur die neue Kapelle vor, die das Altersheim mit dem neuen Krankenhaus verband, sondern unter anderem auch weitere Krankenzimmer, Büro- und Wirtschaftsräume. Die Umsetzung begann 1937.

Heute verfügt das Haselünner Krankenhaus mit den drei chefärztlich geleiteten Kliniken Innere Medizin, Psychiatrie und Psychotherapie und Psychosomatische Medizin sowie Psychotherapie über 150 vollstationäre Betten und 29 Plätze in den zwei psychiatrischen Tageskliniken. Versorgt werden die Patienten von annähernd 350 Mitarbeitern. Damit zählt das St.-Vinzenz-Hospital, das seit 1. Januar 2018 zum Verbund der Niels-Stensen-Kliniken gehört, zu den größten Arbeitgebern im Raum Haselünne.