„Dat Hörrohr“ sorgt für Beifallsstürme Kolpingtheater Haselünne erntet Lachsalven in Lingen

Von Johannes Franke

Opa Meiners (Andreas Josefus) hört nicht Stereo: Mit dem neuen Hörrohr versteht er jedes Wort und weiß bald um die Intrigen, die um ihn gesponnen werden – der Wendepunkt in der Geschichte „Dat Hörrohr“. Foto: Johannes FrankeOpa Meiners (Andreas Josefus) hört nicht Stereo: Mit dem neuen Hörrohr versteht er jedes Wort und weiß bald um die Intrigen, die um ihn gesponnen werden – der Wendepunkt in der Geschichte „Dat Hörrohr“. Foto: Johannes Franke

Haselünne. Wenn im voll besetzten Lingener Theater die Zuschauer auch nach drei Stunden immer wieder herzhaft lachen, dann ist das der beste Dank an die Theater-Familie aus Haselünne für ihre witzige, niveauvolle und herzerfrischende Aufführung der Komödie „Dat Hörrohr“.

„Wi holt fast an Mouders Sproake, dat is för us ’ne Ehrensoake“, meinen die Haselünner. Und das ist gut so, denn so lassen sich Menschenschicksal, Komödianterie und letztlich Lebensgüte klug und geschickt ineinanderfließend inszenieren. Für das Kolping-Theater Haselünne unter der Spielleitung von Willi Jansen,war es auf und vor der Bühne für alle ein großartiger Spaß.

Der Klassiker von Karl Bunje vom schwerhörigen Opa Meiners bietet gleich mehrere bühnenwirksame Paraderollen. Opa Meiners (Andreas Josefus) ist ein „Egenkopp“, hört nicht mehr gut und kriegt so manches vom Leben um ihn herum auf seinem Hof nicht mehr ganz richtig mit. Das weckt hinterlistige, nahezu kriminelle Gedanken bei seiner habgierigen Schwiegertochter Berta (Monika Baldauf). Denn mit der Hofüberschreibung will sie einen ordentlichen Reibach machen.

Falsche Freundlichkeiten

Gemeinsam mit ihrem Jugendfreund, dem windigen, coolen Dandy und Kiez-Kneipenwirt Hogeback (Dietmar Peters), spinnt sie eine Intrige: „Lü mit Geld moust du di int Hus holen. An den annern kannste nix verdeinen.“ Ihre laut ins Hörrohr gerufenen Nettigkeiten „Goude Pfläge häv hi bi mi“ sind nur falsche Freundlichkeiten.

Opas Sohn Jochen, Bertas Ehemann (Herbert Firlus), sagt als Pantoffelheld zu allem nur: „As du meenst, Berta.“ Opas Enkelin „Dochterwicht“ Elke (Heike Wübben) und ihr Freund Bernd, Knecht auf dem Hof (Klaus Hopster), durchschauen das Spiel und vereiteln die finsteren Pläne.

Mit dem neuen Hörrohr wird Opa „hellhörig“, und es öffnet ihm auch seine Augen und sein Herz. Gewarnt holt Opa zum Gegenschlag aus und stellt sorgfältig (Mause-) Fallen auf, die schmerzhaft zur rechten Zeit zuschlagen und für (Schaden-)Freude im Publikum sorgen. Opa Meiners fängt den bereits bestellten Advokaten Fesenfeld (Kaplan Detlef Perk) ab, sorgt dafür, dass Berta einen Denkzettel bekommt, und dreht den Spieß um. Das alles geschieht auf höchst amüsante Weise, und das Schicksal neigt sich schnell wieder zur richtigen Seite.

Andreas Josefus bringt mit seiner Stimme, Mimik und Gestik die Zuschauer immer wieder zum herzhaften Lachen. „Du süst di noch wunnern, du olle Schwiegerdochter. Dor boben, dor geiht mi ne Lampe up“, feixt Opa. „Sabbel di doch dot, du olle Nötenknacker“, verachtet Berta ihn, ohne dass beide von einander etwas hören.

Monika Baldauf verkörpert Berta als scheinbar gutmütige Schwiegertochter großartig. Ehemann Jochen und Landbräifträger Tob– i– as, wie ihn seine Frau Lieschen (die quirlige Sandra Rohe) ruft, mutieren nach dem Kömgelage mit Opa zu mutigen Männern, die ihre überzeugend gespielten Rollen als naive, dümmliche, nachbetende Pantoffelhelden ablegen und jetzt ihre „Kerlssache“ durchziehen.

Überzeugend

Seriös, ehrenhaft und überzeugend spielt Detlef Perk den Notar Felsenfeld und sorgt mit dafür, dass nach Opas Willen das Liebespaar Elke und Bernd den Hof übernehmen und heiraten. Im Hürhus wohnen jetzt Berta und Jochen, und aus ist es mit: „As du meenst Berta“. Herrlich, großartig:Beifallsstürme zu Recht als Dank.