SGS weist Vorwürfe zurück Ehepaar bemängelt Angebote im Wohnareal „Villa Bürgerpark“ Haselünne

Von Carola Alge


Haselünne. Martin Oldenburg und seine Frau Fayme Petra sind enttäuscht. Sie haben einen Bungalow im neuen Wohnareal „Villa Bürgerpark“ in Haselünne gemietet. Von der Infrastruktur, mit der ihrer Auffassung nach geworben wurde, „ist nur ein Teil Realität geworden“, beklagt das Ehepaar.

Das Wohnareal wurde Ende August 2017 eingeweiht. Die Anfänge gehen zurück in das Jahr 2013, als der SGS Immobilien GmbH & Co KG (Haselünne) die ehemalige Familienvilla der Unternehmerfamilie Holt mitsamt einem etwa 10000 Quadratmeter großen Grundstück angeboten wurde. Im Juni 2014 erfolgte der erste Spatenstich für das Mehrgenerationen-Projekt. Ihm liegt ein modernes Wohnkonzept für Senioren zugrunde, die auch im Alter ein selbstbestimmtes Leben in der eigenen Wohnung führen möchten. In der ehemaligen Holt-Villa befinden sich acht Wohnungen, die zwischen 50 und 100 Quadratmeter groß sind.

Bungalows um Villa

Rund um die Villa wurden mehrere Bungalows errichtet, die von den Eigentümern selbst bewohnt werden oder zum Teil vermietet sind. In einem von ihnen lebt das Ehepaar Oldenburg. 100 Quadratmeter Wohnfläche hat das Haus, das die Wahl-Haselünner zum 1. September 2017 „auf Vermittlung der SGS von privat gemietet haben“. Das Paar zog von Hannover hierher. „Wir haben uns für dieses Haus nach fünfmonatiger Recherche im nordwestdeutschen Raum im Juli 2017 aus den in der Ausschreibung ersichtlichen Gründen entschieden.“ Inhalt dieser „für uns eindeutigen“ Objektbeschreibung und Realität klafften leider auseinander, sagt der ehemalige Beamte der niedersächsischen Justiz. Der 69-Jährige deutet auf eine Objektbeschreibung, die ihnen im Mai 2017 von der SGS Immobilien GmbH & Co KG zugegangen sei.

Verweis auf Objektbeschreibung

Ausschlaggebend für die Wahl einer Immobilie im Bereich des Wohnareals „Villa Bürgerpark“ seien für das Ehepaar „neben einer seniorengerechten Konzeption und Ausstattung die avisierten Serviceeinrichtungen und sich in unmittelbarer Nähe befindlichen Behandlungs- und Trainingsmöglichkeiten gewesen“. Bis heute gebe es weder Bewegungsräume mit Fitnessgeräten noch im zu den Oldenburgs angrenzenden Bereich einen Backshop. Dieses Angebot habe das Ehepaar nach Studium der Objektbeschreibung erwartet. „Statt Bäckerei mit Terrasse gucken wir auf eine Rohbauwand.“

Mehrere diesbezügliche Nachfragen im Haupthaus seien negativ verlaufen. „Wir sind enttäuscht“, sagt das Ehepaar Oldenburg. Der 69-Jährige verweist auf diverse Schreiben, die er der SGS schickte. Auf einen Brief vom 17. Oktober 2017 habe die SGS am 7. November 2017 geantwortet und ein Gespräch angeboten. „Das fand aber nie statt, auch nicht, nachdem ich am 27. November 2017 noch einmal dorthin geschrieben habe“, so der Pensionär.

„Jederzeit gesprächsbereit“

Seine Frau und er hätten „sogar Verständnis, wenn der Backshop nicht kommt, weil er sich vielleicht nicht lohnt. Damit könnten wir leben. Der versprochene Fitnessbereich ist uns aber wichtig“, betont Oldenburg. Er sei jederzeit gesprächsbereit.

Auf Anfrage unserer Redaktion wies der geschäftsführende Gesellschafter der SGS Immobilien GmbH & Co KG, Matthias Siemer, die Vorwürfe zurück. Die Eheleute Oldenburg hätten einen Bungalow von einem privaten Eigentümer angemietet. Es bestehe somit weder ein Mietverhältnis mit der Villa Bürgerpark Haselünne Vermietungsgesellschaft GbR (Eigentümer der Villa und der Kluse samt Zuwegungen) noch mit der SGS Immobilien GmbH & Co. KG als Ersteller des gesamten Bürgerparks.

Alte Objektbeschreibung

Von wem genau die Familie Oldenburg die Objektbeschreibung am 17. Mai 2017 erhalten habe, sei ihm leider nicht bekannt. Es handele sich dabei um eine alte Objektbeschreibung aus Anfang 2016, die über das Portal der SGS Immobilien GmbH & Co. KG im Internet gestanden habe. Sie sei nicht als Grundlage der Sanierung der alten Villa Holt zur Villa Bürgerpark genutzt worden. Die „Villa Bürgerpark“ sei ein eigenständiges Gebäude mit Grundstück – genau wie jeder einzelne Bungalow ein eigenständiges Gebäude mit Grundstück sei.

Auch in der alten Objektbeschreibung stehe nichts anderes drin. Nur wer Hilfe brauche, könne sich diese jederzeit anbieten lassen. Ein Mieter der Bungalows miete keine Rechte im Haupthaus (also der Villa) an. „Wer also etwas nutzen möchte, kann dieses hier buchen“, so Siemer.

Pflegedienst und ein Notrufsystem

Der ambulante Pflegedienst und ein Notrufsystem würden durch das DRK angeboten. Erste Bewohner hätten bereits einen Notrufsender bezogen. Ab dem 10. Februar 2018 ziehe eine Mitarbeiterin des DRK in das Objekt ein und sei unter anderem für den nächtlichen Notruf im Haus zuständig.

Die Naturheilpraxis sei bereits seit August in vollem Betrieb. Zusätzlich befinde sich im Haus eine Logopädie-Praxis. Der Bewegungsraum mit angrenzenden Multifunktionsräumen sei ebenfalls seit 2017 fertig. Hier seien die Eigentümer auf der Suche nach einer Physiotherapiepraxis als Betreiber, da sonst keine Geräte für die öffentliche Nutzung freigegeben werden dürften. Leider sei die Nachfrage im Park zurzeit noch nicht gegeben, und die Wohnungen der Villa gingen jetzt erst in die intensive Vermietung. Der neue Betreiber des Backshops werde erst im Mai/Juni 2018 anfangen können. Vorher werde man zwar mit dem Rohbau beginnen, der Ausbau liege aber beim Betreiber.

„Wir, die SGS Immobilien GmbH & Co. KG, finden es sehr unangenehm, dass sich die Familie Oldenburg getäuscht oder falsch behandelt fühlt, sehen aber kein Verschulden bei uns“, sagte Siemer. Es seien in der Öffentlichkeit „nie falsche oder nicht einzuhaltende Versprechungen gemacht worden“.