Haus direkt an der Straße Anwohner der E 233 in Eltern: „Baut die Autobahn vernünftig aus“

Von Carola Alge


Haselünne. Wumm, wumm. Teilweise im Sekundentakt sind am Haus von Hans-Georg Egbers vorbeifahrende Lkw in dessen Büro zu hören. Der Innenarchitekt wohnt in der Georg-Berndt-Straße in Haselünne-Eltern direkt an der E 233 (B 213). Einen Ausbau der Strecke sieht er nicht als Lösung. Er fordert vielmehr: „Baut die Bielefeld-Autobahn zukunftsgerichtet vernünftig aus.“

Seit er auf der Welt ist, lebt Egbers in dem Gebäude. Es ist das Elternhaus des 70-Jährigen. Das vor dem Krieg gebaute Gebäude auf dem weitläufigen Grundstück wurde im Laufe der Jahrzehnte mehrfach umgebaut. Eine der jüngsten und aufwendigen Maßnahmen: der Einsatz von Schallschutzverglasung in allen Fenstern. Sind sie geschlossen und nicht wie während unseres Gesprächs eins leicht auf Kipp gestellt, sind die Lkw-Geräusche kaum wahrnehmbar. Dafür im Garten und vor allem im hinteren Bereich des Areals, in dem Egbers ein Grundstück dazu kaufte. Eine Betonmauer umgibt es von zwei Seiten als Lärmschutz. Sicht- und hörbar sind vorbei fahrende Lkw dennoch.

3700 Lkw täglich

Das sind täglich eine Menge. Laut Statistik der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr pro Tag 10 400 Pkw und 3700 Lkw. Diese Zahlen wurden bei Verkehrszählungen 2015 erhoben. Die Verkehrszählungen finden alle fünf Jahre statt.

Besonders intensiv erlebt Egbers den Lkw-Lärm spätabends, wenn er noch im Büro sitzt. „Viele ausländische Lkw drehen direkt vor unserem Haus, weil sie gegenüber bei der Tankstelle keinen Platz haben, fahren rückwärts oder vorwärts in unsere Straße und dann zurück. Das geht Schlag auf Schlag. Auch freitags und samstags ist das so.“ Unzählige Viehtransporter beförderten „aus allen Richtungen Tiere in die Schlachtereien und mit Kühltransportern in Hülle und Fülle zum Verbraucher.“

Besonders belästigend

Sehr belästigend empfindet der 70-Jährige niederländische Lkw, die insbesondere abends mit erhöhter Geschwindigkeit und „umgangenem“ Schalldämpfer fahren. „Es knattert und donnert pausenlos. Auch an die Geschwindigkeitsbegrenzung hielten sich viele Fahrer nicht. „Gerade hier bei uns am Haus haben wir einen potenziellen Gefahrenpunkt“, beklagt der Haselünner. Er verweist auf zahlreiche Verkehrsunfälle in der Vergangenheit. Manche kosteten Menschenleben. Auch das seiner Mutter. Die habe vor Jahren vom Haus auf die gegenüberliegende Straßenseite gehen wollen. „Die erste Spur schaffte sie, dann wurde sie von rechts von einem Pkw erfasst.“

Maut als Sofortmaßnahme?

Dass in diesem Bereich etwas passieren muss, steht für Egbers außer Zweifel. Als Sofortmaßnahme würde seiner Ansicht nach eine Maut helfen. „Etwa zehn Prozent des Verkehrsaufkommens könnte man damit vielleicht eliminieren.“ Den in der jetzigen Form angedachten vierspurigen Ausbau der E 233 hält er für nicht zielführend. „Man muss in die Zukunft planen“, findet der Haselünner. Er plädiert deshalb mit Nachdruck für „eine großräumige Verkehrsumleitung insbesondere des niederländischen Verkehrs über die Autobahn von Arnheim über Bielefeld Richtung Bremen“. Diese Strecke müsste seiner Ansicht nach sechsspurig geführt werden, „um wirklich zu entlasten“. Ein solcher Ausbau sei ja bereits geplant gewesen. Ein sechsspuriger Ausbau dieses Hauptverkehrsweges wäre nach Auffassung des Innenarchitekten „billiger und einfacher zu realisieren“. Zudem könnte die jetzige Strecke der E233 auf drei Spuren erweitert werden.

Wald betroffen

Nichts abgewinnen kann Egbers zudem der zurzeit geplanten Streckenführung einer ausgebauten E233. Ab Abzweigung Haselünne Richtung Herzlake/Löningen würde sie in einem bestimmten Streckenbereich sechsspurig verlaufen und hinter der neuen Siedlung in Eltern mitten durch ein Waldstück führen. „Das darf nicht sein“, sagt der Haselünner mit Nachdruck. Der Wald, in dem er quasi mit groß geworden ist, werde durch eine solche Trasse erheblich beeinträchtigt.

Für Egbers ist klar: „Mit einer ausgebauten E233 wird man das ganze Verkehrsaufkommen nicht in den Griff bekommen. Das unter anderem auch, weil viel Verkehr schon jetzt über Seitenstrecken rollt und dann hier wieder einmündet.“ Eine vorausschauende Planung sei das nicht. Die aber fordert er und schließt sein Bürofenster, Das „Wumm“ der Lkw ist jetzt deutlich leiser.


Trasse kreuzt Sportgelände Eltern

Der dritte Planungsabschnitt der E 233 befindet sich mit einer Länge von etwa 12,8 Kilometern zwischen Haselünne-West (Sautmannshausen) und der Kreisgrenze Emsland/Cloppenburg östlich von Herzlake (B 213). Für die Planung ist der Landkreis Emsland zuständig.

Mit der Straßenplanung und der Erstellung des landschaftspflegerischen Begleitplans wurde im April 2011 begonnen.

Die Feinplanung sieht vor, dass die Trasse ab Stadtmark (Höhe Gartencenter Lüske) nach Norden Richtung Eltern verschwenkt. An der Lähdener Straße entsteht ein neuer Knoten, der die E 233 und die B 213/402 für den Verkehr Richtung Lingen/Nordhorn/Osnabrück anbindet. Da das wertvolle Biotop „Eckelpool“ östlich der Lähdener Straße nicht übermäßig beeinträchtigt werden darf, verschwenkt sich die Trasse etwas nach Süden.

Im weiteren Verlauf kreuzt sie das Sportgelände Eltern. Hier wird eine Verlegung der Sportanlagen und des Vereinsheims erforderlich. Im Bereich der Feldstraße sind die Schienen der emsländischen Bahnen mit einem Brückenbauwerk zu queren. An der Zuwegung der Mülldeponie wird die Trasse unmittelbar südlich der heutigen B 402 Richtung Flechum geführt.

Die alte Straße dient der Erschließung der anliegenden Flächen und ermöglicht eine Verkehrsbeziehung zwischen Flechum (für das es keine Anschlussstelle geben wird) und Eltern bis nach Haselünne als örtliche Verkehrsstraße. Zur Erschließung der Ortslage Höven wird die E 233 mit einem Brückenbauwerk gekreuzt. Eine weitere Anbindung des örtlichen Verkehrs erfolgt durch das Industriegebiet Flechum und die K 267 Richtung Holte-Lastrup. cw