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Wie das Öffnen einer Schatztruhe Theologe Friedrich Fischer bietet Führungen durch Hasberger Kirchen an

Von Horst Troiza | 07.09.2011, 15:02 Uhr

Die Architektur und die Symbolik der Kirchenräume hat Dr. Friedrich Fischer zu seinem Forschungsschwerpunkt gemacht. Der Dozent des Instituts für katholische Theologie an der Uni Osnabrück gibt seine Kenntnisse über die beiden Hasberger Kirchen während Führungen durch die Gotteshäuser weiter.

Das Treffen mit dem Religionspädagogen beginnt mit einem Rätsel. Die Profilbogen an den Wänden der Nord- und der Ostseite der evangelischen Kirche enden in zwei Frauen- und zwei Männergesichtern. „Von mittelalterlichen Kirchen sind an diesen Stellen Fabelwesen oder Tiergesichter bekannt. Aber wer sollte hier verewigt werden und warum?“, fragt sich der Wissenschaftler. Vor allem: Die Christuskirche ist 1901 geweiht worden, damals waren solche Darstellungen schon längst aus der Mode gekommen.

Bisher hat er keine Antwort dazu gefunden. Jetzt hat sich Fischer an das Archiv für Bau- und Kunstpflege der Landeskirche in Hannover gewandt. Möglich, dass dort in den Aufzeichnungen die Lösung für dieses Rätsel vorhanden ist.

Das ist aber auch die einzige Frage, bei der Fischer eine Antwort schuldig bleibt. Seine Führung durch die Kirche ist wie das Öffnen einer Schatztruhe. „Das geht doch allen so: Das Vertraute wird nicht mehr richtig wahrgenommen, und man stumpft ab“. Wer sich aber mit ihm zu einer der beiden Kirchen bewegt, dem gehen die Augen wieder auf. Schon die Außengestaltung der im neugotischen Stil erbauten evangelischen Kirche bringt den belesenen Führer auf Touren. Er berichtet von einem früher vorhandenen Portal, das leider abgerissen wurde, erläutert den Baustil und seinen mittelalterlichen Vorgänger und berichtet von der Lichtwirkung der Giebelfenster und der großen Fensterrosette.

Als er zusammen mit Kirchenvorstand Egon Driemeyer den Kirchenraum betritt, wird die Lichtgestaltung des Architekten sichtbar. Kein Ausstattungsgegenstand erscheint dumpf oder verliert sich im Dunkel, alles erscheint im besten Licht.

Fischer lehrt an der Uni Osnabrück das Fach Kirchenraumpädagogik und weiß zu jedem Thema etwas zu sagen. Da ist das über 400 Jahre alte Kruzifix über dem Altar, das über Umwege hierher fand. Oder die Bilder der Evangelisten an der Kanzel, die eigenhändig von der Frau des ersten Pastors der Kirche in Holzbrenntechnik angefertigt wurden. Von ihr stammt auch die Kopie des „Abendmahls“ von Leonardo da Vinci im Altarraum. Eine Kopie ist auch das Lauenbrunner Fensterbild, das den nach der Vertreibung 1945 nach Hasbergen gekommenen Schlesiern gewidmet ist. Eine Geschichte für sich sind die Davidsterne in der Fensterrosette: Wie kam es, dass sie der Vernichtungswut der Nazis während deren Regime entkommen sind? „Die beiden Kirchen sind gleichsam das Langzeitgedächtnis unserer Orts-, Kultur- und kirchlichen Entwicklungsgeschichte“, sagt Fischer. Für ihre Wertschätzung ist ein Verstehen ihrer Symbolsprache unerlässlich.