Ein Artikel der Redaktion

Unterversorgt in Hasbergen-Ohrbeck Langsames Internet: Hasberger fühlen sich abgehängt

Von Jean-Charles Fays | 17.07.2016, 18:58 Uhr

Wenn Frank Pfeifer Vorlagen für Sitzungen aus dem Internet hochladen oder E-Mails mit Bildern verschicken will, braucht er viel Zeit und greift er erst einmal zur gedruckten Zeitung. So langsam ist das Internet bei ihm in der Randlage von Hasbergen-Ohrbeck.

E-Mails mit einem Fotoanhang dauern schon mal 20 Minuten, Vorlagen für Hasberger Rats- und Ausschusssitzungen können den Fraktionschef der Grünen je nach Datenmenge auch noch länger auf die Geduldsprobe stellen. Dabei greift er dann immer zur „Neuen Osnabrücker Zeitung“ oder zum Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ und erklärt: „Man lernt, mit dem Mangel zu leben.“

„Wir sind abgehängt“

Immer wenn es in der Hasberger Gemeindepolitik um den Ausbau des schnellen Internets geht, dann wandern die mitleidigen Blicke gen Pfeifer, der schon von so vielen Leidensgeschichten berichtet hat. „Die letzten drei Jahre waren einzige Katastrophe“, sagt der 65-Jährige. „Seitdem wir eine vermeintlich schnelle DSL-Leitung haben, sind wir abgehängt.“

Seine Verbindung sei manchmal etwas schneller, dafür sei sie dann auch unzuverlässiger und er fliege öfter aus dem Internet raus. Pfeifer war bis 2010 Vorsitzender der niedersächsischen Schachjugend und spielt Schach auch gerne online. „Das Problem ist, dass der Gegner bei einem Spielabbruch wegen unterbrochener Internetverbindung die Möglichkeit hat, das Spiel für sich werten zu lassen. Deshalb gingen so viele Spiele verloren, dass ich bei der Spielstärke auf Kleinkindniveau geführt werde.“

Generell würde er auch gerne mehr Sachen bei Ebay-Kleinanzeigen verkaufen, aber bei den langen Ladezeiten, die er nur zum Aufrufen der Startseite benötigt, vergeht ihm oft die Lust dazu.

Vier W-Lan-Router gingen kaputt

Hinzu kommt, dass in drei Jahren bereits vier W-Lan-Router kaputt gegangen seien. „Osnatel hat das immer damit begründet, dass die Spannung bei Gewitter dazu führt, dass der Router durchknallt.“ Daher hätte sein Anbieter ihm geraten, den Router vom Netz zu nehmen, wenn ein Gewitter sich anbahne.

Fristlose Kündigung bei Osnatel

Als Pfeifer am 7. Juni der vierte Router durchknallte und er erneut 200 Euro für einen neuen hätte bezahlen müssen, platzte ihm der Knoten und er kündigte fristlos, indem er den Kündigungsbrief persönlich in der Osnatel-Geschäftsstelle abgab. Der pensionierte Lehrer resümiert: „Mein Anbieter war nie in der Lage, die Leistung zu bieten, die er versprochen hatte.“ Wenige Tage danach hat er einen Vertrag bei der Telekom unterschrieben. Schneller sei seine Leitung dadurch allerdings auch noch nicht geworden. Allerdings betont er, dass sein Router seither immerhin funktioniere und auch bei Gewitter noch nicht ausgetauscht werden musste.

Brief im Namen der Straße an den Landkreis

Seine Lebensgefährtin Christa Lüß, die mit ihm seit 1983 in dem Fachwerkhaus am Ende der Straße Zur Hüggelschlucht lebt, hat nun genug von diesen Zuständen. In einem Brief fordert sie den Landkreis auf, ihre Straße in das Programm zur Breitbandförderung in unterversorgten Gebieten aufzunehmen. Dem Brief hat sie die Unterschriften der Anwohner der Straße beigefügt. Darunter unter anderen Michael Gander für die Gedenkstätte Augustaschacht, Udo Schallenberg für den Forstbetrieb Schallenberg und Georg Schirmbeck als Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrats.

15 Millionen Euro für Breitbandausbau im Kreis Osnabrück

Der Kreistag sprach sich in seiner letzten Sitzung vor der Kommunalwahl am 11. September dafür aus, bis 2018 15,4 Millionen Euro in die Breitbandförderung in unterversorgte Gebiete im Landkreis zu investieren, um flächendeckendes schnelles Internet mit mindestens 50 Megabit pro Sekunde zu garantieren. Auch der Hasberger Rat hat in seiner Sitzung Ende Juni den entsprechenden Beschluss gefasst, mit dem Landkreis beim Breitbandausbau verbindlich zu kooperieren.

( Weiterlesen: Ein guter Tag fürs schnelle Internet im Kreis Osnabrück )

90 Prozent der Hasberger surfen bis Ende 2016 mit Highspeed-Internet

Zudem hat die Telekom in Hasbergen bereits mit dem Highspeed-Internet-Ausbau in Hasbergen begonnen. Mehr als 90 Prozent der Hasberger sollen nach dem Versprechen des Telekommunikationsunternehmens bis Ende des Jahres eine Geschwindigkeit von bis zu 100 Megabit pro Sekunde erreichen können. Pfeifer macht sich keine Illusionen, dass er dazu gehören könnte: „Ich rechne auch in der nächsten Ratsperiode noch mit Problemen beim Herunterladen der Verwaltungsvorlagen.“ Er hofft aber darauf, dass sich das Problem im Zuge des kreisweiten Breitbandausbaus in unterversorgten Gebieten bis spätestens 2018 lösen wird.