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Schwierige Bedingungen in Russland Sühnezeichen in Hasbergen

Von Christoph Beyer | 23.11.2018, 18:55 Uhr

Über die Arbeit von „Aktion Sühnezeichen Friedensdienste“ (ASF) in Russland referierte Ute Weinmann in der Gedenkstätte Augustaschacht. Dabei kam die Länderbeauftragte des Vereins auch auf aktuelle gesellschaftspolitische Entwicklungen zu sprechen.

Mit internationalen Freiwilligenprogrammen und Sommerlagern engagiert sich der 1958 gegründete Verein in vielen Ländern für den Frieden. Vor allem die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und seiner Verbrechen spielt dabei eine zentrale Rolle. Seit Langem bestehe auch mit der Gedenkstätte Augustaschacht eine enge Zusammenarbeit, wie Michael Gander, Geschäftsführer der Gedenkstätten Gestapo-Keller und Augustaschacht in seiner Einleitung betonte.

Hürden schrecken Freiwillige ab

Die Länderbeauftragte der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) für Russland, Ute Weinmann, betreut die dort jeweils für ein Jahr arbeitenden Freiwilligen des Vereins. Zudem koordiniert sie auch die Sommerlager, von denen es, seit 1991, bereits 50 gegeben habe. Die Tätigkeitsbereiche der Freiwilligen in Russland seien recht breit gefächert und umfassten etwa Gemeindearbeit sowie offene Altenarbeit mit Überlebenden der stalinistischen Repression und des Holocaust, berichtete Weinmann. Auch das Thema „historische Bildung“ spiele eine wichtige Rolle, etwa in der Zusammenarbeit mit der russischen Menschenrechtsorganisation „Memorial“. Neben Moskau und St. Petersburg seien ASF-Freiwillige auch bei Kooperationspartnern in Wolgograd und bis vor Kurzem auch in Perm im Ural tätig. Acht Freiwilligenstellen gebe es aktuell, was im Vergleich zu anderen Ländern, in denen der Verein tätig ist, eher wenig sei, so Weinmann. Die Gründe dafür lägen einerseits in einem, im Vergleich zu den 1990er Jahren, zurückgehenden Interesse von Freiwilligen an einem Aufenthalt in Russland. Zudem spielten auch strukturelle Defizite eine Rolle, die sprachliche Hürden ebenso umfassten, wie hohe Anforderungen an die Selbstorganisationsfähigkeit der zumeist jungen Freiwilligen.

Erinnerungspolitische Arbeit

Als extrem schwierig bezeichnete die ASF-Länderbeauftragte zudem die politischen Rahmenbedingungen. So würden einige der russischen Partnerorganisationen des Vereins mittlerweile, von staatlichen Seite aus, als „ausländische Agenten“ betrachtet. Diese Bewertung gehe mit erheblichen Einschränkungen der täglichen Arbeit dieser Organisationen einher und stelle auch den ASF zunehmend vor große Herausforderungen. Eine Prognose über die zukünftige Entwicklung sei schwierig, so Weinmann. Einig war sie sich mit den anwesenden Zuhörern aber darin, dass der Verein eine wichtige, erinnerungspolitische Arbeit in Russland leistet, die es zu erhalten und weiterzuentwickeln gelte.