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Fischexperte referiert über Schutzmaßnahmen Artenschwund in der Hase

Von Carolin Hlawatsch | 11.02.2017, 17:48 Uhr

Eingeladen vom Verein zur Revitalisierung der Haseauen referierte Fischereibiologie Jens Salva im Gasthaus Thies in Hasbergen über Entwicklungen der Fischwelt in der Hase und über den Nutzen von Renaturierungsmaßnahmen.

Große Teile der niedersächsischen Bäche und Flüsse, darunter auch die Hase, weisen heute zu wenig natürliche Strukturen auf und bieten der Tierwelt in und am Wasser kaum mehr Nahrung, Verstecke und Fortpflanzungsmöglichkeiten. Um der Hase und ihren Nebengewässern wieder eine größere Naturnähe zurückzugeben, hat sich 1997 der Verein zur Revitalisierung der Haseauen gegründet.

Zahlreichen Projekte

In zahlreichen Projekten entlang des 170 Kilometer langen Hase-Verlaufs, von der Hasequelle bei Melle/Wellingholzhausen bis hin zur Mündung in die Ems in Meppen setzen sich die Vereinsmitglieder und ihre Kooperationspartner für den Naturschutz ein. „Wichtig ist uns dabei der Dialog zwischen unterschiedlichen Interessengruppen aus Naturschutz, Wasserwirtschaft, Tourismus und Landwirtschaft“, erklärte der Vereinsvorsitzende Ludger Pott. Er begrüßte die Gäste, darunter zahlreiche Angler, im Vortragssaal und betonte, dass Angel- und Fischereiverbände am selben Strang ziehen wie der Verein zur Revitalisierung der Haseauen. Sie alle setzen sich für einen gesunden, artenreichen Fischbestand ein.

Doch wie steht es derzeit tatsächlich um die Fischwelt in der Hase? Jens Salva vom Landesfischereiverband Weser-Ems klärte auf: „Der Artenreichtum schwindet. Fische mit höheren Lebensraumansprüchen, wie Groppen, Bachneunaugen oder Elritzen sterben aus. Nur die weniger anspruchsvollen Arten wie Schmerlen oder Schlammpeitzger können sich halten“. Eintönigkeit in der Fischwelt beeinflusse das gesamte Ökosystem der Hase negativ.

Negativtrend aufhalten

Um den Negativtrend aufzuhalten, seien gut durchdachte Renaturierungsmaßnahmen unentbehrlich. Durch Anpflanzung von Gehölzen an Gewässerrandstreifen biete man Flüssen und Bächen Schutz vor der Sonne. So würden zu hohe Wassertemperaturen vermieden, das Wasser bleibt sauerstoffreich und unerwünschtes Pflanzenwachstum im Wasser wird verhindert. Weiterhin könne man gerade gezogenen Bächen durch naturgerechtes Einengen des Profils ihre Strömungsgeschwindigkeit zurückgeben. Pufferzonen neben dem Bachlauf lassen bei hochwasserbedingten Überflutungen ein neues Biotop entstehen. Landwirte sollten auf fachgerechte Silagelagerung achten, denn undichte Behälter führen zu Abwasserpilzen in angrenzenden Gewässern. 

Verrohrte Wasserläufe wieder freilegen

Nur wenn man den Fischen Strukturen wie Kiesbänke zurückgibt, in denen Arten wie die Elritze ihre Eier legen können und nur wenn verrohrte Wasserläufe wieder freigelegt und renaturiert werden, hat Artenreichtum laut Experte Salva eine Chance. Auch Querbauwerke wie Schleusen die vor allem wandernden Fischen den Weg versperren, müssten rückgebaut werden. Angelegte Fischtreppen auf denen die Tiere Barrieren umwandern sollen, seien keine gut funktionierende Alternative, erfuhr das Publikum beim Vortrag und staunte über den Rückblick ins 19. Jahrhundert. Damals lebten fünf bis sechs Meter lange Störe und dicke Lachse in den Flüssen Niedersachsens. 

Informationen zu den einzelnen Projekten des Vereins zur Revitalisierung der Haseauen gibt es auf www.haseauenverein.de .