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Das Hüggeleck in Hasbergen Normalität wird im Alltag großgeschrieben

Von Michael Pohl, Michael Pohl | 12.02.2017, 13:01 Uhr

Das bekannte Gebäude „Hüggeleck“ an der Osnabrücker Straße in Hasbergen ist seit Sommer 2016 fertiggestellt. Neben dem Unternehmen Humanika zogen auch die ersten Bewohner ein. Der Erfolg des Zusammenlebens wurde am Mittwoch in einem Pressegespräch vorgestellt.

„Hasbergen überaltert nicht!“ Mit diesem Statement trat Bürgermeister Holger Elixmann Befürchtungen von Bürgern entgegen, die durch die Ansiedlung des Pflegedienstes Humanika in Hasbergen weiteren Zuzug von älteren Menschen befürchten. Tatsächlich sei es laut Elixmann so, dass die Statistik für die Hüggelgemeinde bis in Jahr 2035 einen gleichbleibenden Altersdurchschnitt prognostiziere.

Wohnen und leben in jedem Alter

Entstanden ist der Wohnkomplex aus der Idee des Allgemeinmediziners Christian Albrecht, eine Wohnform zu finden, die es Menschen aller Altersgruppen ermöglicht, unabhängig von ihrer aktuellen körperlichen Verfassung Vorsorge für bestimmte Lebenssituationen zu gewährleisten. Realisiert wurde das Gebäude durch den Immobilienunternehmer Wolfgang Streich.

Dass im „Hüggeleck“ nur alte Menschen wohnten, sei ein falscher Eindruck, führte Albrecht aus. Stellvertretend für Streich erläuterte der Mediziner, dass nur die Penthousewohnungen noch nicht verkauft seien. Im Übrigen sei es nicht so, dass mit dem Erwerb der Wohnungen automatisch ein Vertrag mit dem Pflegedienst Humanika eingegangen würde. Dazu sagte der Hasberger Leiter Eldin Dülberg: „Wir helfen gerne, wenn wir gebraucht werden.“

Bei Bedarf Hilfe zu buchbar

Eben diese optionale Möglichkeit sei der Grundgedanke dieses Wohnkonzepts gewesen, so Albrecht. Im „Hüggeleck“ lebten derzeit Menschen im Alter von 25 bis über 80 Jahren. Darunter 13 Senioren in der Pflegeeinrichtung der Humanika. Bei diesen Bewohnern, um die sich der Pflegedienst kümmert, handelt es sich um Patienten mit einer Demenzerkrankung in unterschiedlichen Stadien. Diese werden laut Dülberg von einem 13-köpfigen Team betreut.

Dabei ist es dem Leiter des Dienstes wichtig, dass die Menschen ihren Alltag so weit wie möglich selbst gestalten. „Die Bewohner kaufen die Zutaten für ihr Essen mithilfe der Pfleger in den umliegenden Geschäften ein.“ Ebenfalls ermögliche der gute Personalschlüssel, dass sich die Mitarbeiter Zeit für die Patienten nehmen könnten. „20 Minuten für ein Gespräch sind manchmal für jemanden die Welt“, betonte Dülberg. Um diesen Standard halten zu können, benötige die Humanika in Zukunft weiteres Personal.

Patienten als Mieter

Die Tatsache, dass Patienten normale Mietverträge für ihr Zimmer erhielten, ermögliche es Angehörigen, jederzeit ihre Familienmitglieder besuchen zu können. Gleichzeitig können Wohnungseigentümer im übrigen Gebäude bei Bedarf die Hilfe der Pfleger in Anspruch nehmen. Ebenso sei ein Nachbarschaftsbesuch, auch von jüngeren Menschen, ausdrücklich erwünscht, sagte Dülberg . Nicht nur die mit rustikalen Möbeln ausgestatteten Räume der Humanika, sondern auch der große Garten laden zu einem geselligen Miteinander ein. Deshalb wünschten sich alle Beteiligten viele Begegnungen über alle Generationen.

Albrecht erklärte, dass nach seiner Kenntnis derzeit gekaufte Wohnungen, die noch nicht bezogen wurden, zum Teil durch die neuen Eigentümer für zwischenzeitliche Mieter jeden Alters zur Verfügung stünden. Mit einem solch offenen Wohnprojekt habe Hasbergen ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal resümierte Elixmann.