Ein Artikel der Redaktion Neue Osnabrücker ZeitungLogo Neue Osnabrücker Zeitung

Bauarbeiten an der L89 Hasbergen: Anlieger der Osnabrücker Straße fluchen

Von Michael Pohl | 04.07.2014, 17:35 Uhr

Seit dem 5. Mai ist die Osnabrücker Straße (L89) in Höhe des Bahnübergangs Wulfskotten voll gesperrt. Weil Schilder die Erreichbarkeit der Gewerbebetriebe sicherstellen, nutzen viele Autofahrer die Strecke durch das Wohngebiet „Roter Berg“als inoffizielle Umleitung. Das sorgt trotz Akzeptanz für die Sperrung für Unmut bei den Anwohnern.

Es komme ihm so vor, als wenn er an einer Autobahn wohnen würde, schildert Wolfgang Bartz seine Eindrücke. Seit die Sperrung eingerichtet wurde, herrsche ein Verkehr, der oft die Grenze des Zumutbaren überschreite. Dass der Hinweis auf die Betriebe notwendig sei, sehe er ein, so Bartz weiter. Schließlich handele es sich bei der L89 um die Landesstraße in Hasbergen, die am stärksten befahren werde, und die Geschäfte seien auf die Kunden angewiesen. Allerdings scheint nach seiner Ansicht den Autofahrern nicht klar zu sein, dass auf dieser Strecke Tempo 30 gelte. „30 fahren hier die wenigsten“, führt Bartz fort.

Besonders fühlen sich die Anwohner von der Verwaltung hinsichtlich Informationen über den Verlauf der Maßnahme vernachlässigt. Außer einer Informationsveranstaltung, die nicht alle Betroffenen besuchen konnten und einer Mitteilung in der „Hasberger Rundschau“ sei nichts weiter passiert, so eine Anwohnerin weiter. Auf die fehlenden Informationen angesprochen, wies Bürgermeister Frank Stiller auf die Darstellung der Entwicklung auf der Homepage der Gemeinde hin. Im Übrigen habe sich laut Stiller an der aktuellen Sachlage nichts geändert.

Einbußen beklagt

Auch die anliegenden Gewerbebetriebe beklagen zum Teil massive Einbußen. So hat etwa das Feinkostgeschäft „Casa“ bereits sogenannte „Baustellenöffnungszeiten“ eingeführt. Von Gästen, die wegen der umständlichen Anfahrt auf den gewohnten Besuch seines Freizeitlands verzichten, berichtet Andreas Schwarberg. Er weist zudem auf den ungewöhnlichen Umstand hin, dass die Apotheke und das Ärztehaus in der Nähe des Bahnübergangs nur über den Hof des Freizeitlandes erreichbar seien.

Anna Triller wohnt an der Kreuzung Sandstraße, Wulfskotten. Seit der Umleitung sei die Geräuschkulisse beträchtlich. Besonders weil die Straße „Wulfskotten“ als Ausweichstrecke benutzt wird, komme es regelmäßig zu gefährlichen Situationen. „Oft haben wir wegen der quietschenden Reifen gedacht, jetzt knallt es“, beschreibt Triller die Situation. Ein bisschen Entspannung habe die erneute Inbetriebnahme der Ampel an der Kreuzung L89/Holzhauser Straße gebracht. „Hier ist Pause, wann da rot ist“, bringt Triller den Effekt auf den Punkt.

Den Beobachtungen von Bartz und Triller pflichten weitere Anwohner bei. Besonders zu verkehrsarmen Zeiten würden die Anliegerstraßen zu einer Rennstrecke. Was aber am schwersten wiege, sei die Sicherheit der Kinder. Dort wo der Verkehr der Empfehlung zu den Geschäften folgt, verläuft auch die Route, die Schüler und Kindergartenkinder zu ihren jeweiligen Einrichtungen zurücklegen müssen. Weil für einige Autofahrer der Bürgersteig wohl als „Fahrbahnerweiterung“ diene, können die Kinder ihren Weg nicht gefahrlos zurücklegen, meint einer. „Zu den Stoßzeiten konnte ich mich manchmal nur durch einen Sprung retten“, berichtete eine andere Anwohnerin.

Auf Nachfrage wies Cord Lüesse, von der für den Straßenbau zuständigen Landesbehörde darauf hin, dass die offizielle Umleitung von der L89 über die Holzhauser Straße und im weiteren Verlauf von Holzhausen bis nach Hagen führe. Der zu beobachtende Ausweichverkehr durch das Wohngebiet Roter Berg sei ein Phänomen, welches bei Sperrungen im Zusammenhang mit Ortsdurchfahrten häufig zu beobachten sei.

Blitzer gefordert

Mit ihren Befürchtungen stehen die Bürger nicht alleine. Wie die Vorsitzende der CDU, Susanne Breiwe, in einer Pressemitteilung erklärte, erreichten sie einige Beschwerden. Um die Sicherheit insbesondere an der Kreuzung Kolpingstraße/Am Steinbrink zu erhöhen, sei auf Anregung von Breiwe ein zusätzliches Verkehrszeichen auf der Straße angebracht worden. Auch Bürgermeister Stiller räumt die derzeitige starke Belastung der Anwohner ein. Allerdings hält er die häufig geforderten Maßnahmen zur Geschwindigkeitsüberwachung nur für eine zeitlich begrenzte Lösung. „Wenn die Blitzer abgebaut werden, ist der Effekt wieder vorbei.“ Zudem verwies er in diesem Zusammenhang auf die Zuständigkeit des Landkreises. Derzeit führt ein Geschwindigkeitsdisplay den Autofahrern ihre Geschwindigkeit vor Augen, ohne weitere Konsequenzen. Gespräche über die Möglichkeiten weiterer Maßnahmen, seien bereits geführt worden. Ein Ergebnis liege jedoch nicht vor.

Hinsichtlich des weiteren Verlaufs, äußerten Stiller und Lüesse sich einmütig, dass die aktuelle Maßnahme voraussichtlich bis Mitte August andauern werde. Als nächster Abschnitt sei dann der Bereich zwischen Sandstraße und Berliner Straße geplant. Die Dauer der dann notwendigen weiteren Vollsperrung terminierte Lüesse auf das Jahresende. Da alle Arbeiten laut Auskunft von Stiller im Plan liegen, könnte voraussichtlich das geplante Ende der Beeinträchtigungen für die Anlieger der Osnabrücker Straße und den angrenzenden Wohnlagen, Mitte 2015, eingehalten werden.