Ersten Frauen-Stammtisch etabliert Hasberger Gleichstellungsbeauftragte verabschiedet sich


Hasbergen. Stephanie Funke will Ende des Jahres als Hasberger Gleichstellungsbeauftragte aufhören und erläutert, was nach nur einem Jahr in dieser Aufgabe zu diesem Entschluss geführt hat, was sie bewegen konnte und was sie sich von ihrer Nachfolgerin wünscht.

Frau Funke, völlig überraschend scheiden Sie nach nur einem Jahr als Gleichstellungsbeauftragte in Hasbergen aus. Wie kam es zu diesem Entschluss?

Ich bin ohnehin nur befristet vorerst bis März kommenden Jahres eingestellt, da ich die Vertretung von Marita Tolksdorf-Krüwel bin, solange sie die Flüchtlingssozialarbeit macht. Hinzu kommt, dass eigentlich nur Gemeinden mit mehr als 20.000 Einwohnern dazu verpflichtet sind, eine Gleichstellungsbeauftragte hauptberuflich einzustellen, Pflicht ist ehrenamtlich. Und nun müssen Verwaltung und Politik wieder besprechen, wie die Flüchtlingssozialarbeit sowie die Stelle der Gleichstellungsbeauftragten weiter geführt werden soll. Daher war die Situation für mich unsicher, ob es auch nach März 2018 noch weitergeht. Dennoch habe ich natürlich gerne hier gearbeitet, aber dann habe ich ein lukrativeres Angebot vom „Hexenhaus - Hilfe für Menschen in Krisensituationen e. V.“ aus dem westfälischen Espelkamp bekommen, wo ich unbefristet und mit einem größeren wöchentlichen Stundenumfang arbeiten kann. Dort hatte ich schon früher in der Frauenberatungsstelle gearbeitet, und nun wurde mir die Leitung der Frauenberatungsstelle sowie die Leitung des Kompetenzzentrums gegen häusliche Gewalt angeboten, was ich nicht ausschlagen konnte.

Ihre erste Amtshandlung war das Hissen der Flagge zum internationalen Gedenktag gegen Gewalt an Frauen am 25. November 2016. Das Thema häusliche Gewalt sollte in Hasbergen einer ihrer Arbeitsschwerpunkte werden. Was haben Sie in diesem Punkt erreicht?

Ich konnte in der Gemeinde die Information bekannt machen, was gegen Gewalt hilft. Das waren Plakat-Aktionen wie auch digitale Informationen zum Thema an prominenter Stelle auf der Homepage der Gemeinde Hasbergen. Zudem habe ich Kontakt zur Polizei aufgenommen und dort meine Hilfe angeboten. So wurde sie informiert, dass ich nach häuslicher Gewalt Menschen vor Ort beraten kann. Die Beamten haben diese Information weitergetragen, sodass ich mit den Betroffenen in zwei Fällen sprechen konnte. Es ging etwa um einen langjährigen schwelenden Familienkonflikt mit einem Familienangehörigen, der psychisch sehr schwierig und unberechenbar war. Es kam eine Mutter mit ihrem Sohn, und ich habe mit ihnen erarbeitet, wie sie sich selbst schützen, in dem sie ein klares Nein setzen und sich nicht selbst Schuldgefühle einreden lassen. So konnte ich mit ihnen einen Fahrplan entwickeln, wie sie frühzeitig eine Grenze setzen, damit der Streit nicht zur Eskalation kommen kann.

Ein weiterer Schwerpunkt war das Thema Trennung und Scheidung. Wie konnten Sie in diesem Bereich weiterhelfen?

Ich habe informiert und in zwei Fällen beraten, wie es weitergehen kann. Es geht dann darum, wie man gerade zu Beginn einer Trennung trotzdem noch Regelungen finden und seinen Frust bewältigen kann. Auch bei Themen wie der Vermögensregelung, dem Unterhalt und Umgangsregelungen mit den Kindern konnte ich weiterhelfen. Zudem weise ich auf Stellen hin, wo man Wohngeld und Kinderzuschlag beantragen kann.

Die Beratung von Alleinerziehenden war für Sie ein wichtiger Punkt. Wie sah Ihr Hilfsangebot in diesem Bereich aus?

Es ging einerseits darum, Mut zu machen oder in der Kommunikation mit der Maßarbeit als Jobcenter des Landkreises zu unterstützen, sich in die Gesetzeslage einzuarbeiten und Wege aufzuzeigen, wie alleinerziehende Mütter die rechtlichen Möglichkeiten in ihrem individuellen Fall ausschöpfen können.

Der letzte große Schwerpunkt war der Wiedereinstieg in den Beruf nach der Elternzeit. Wie konnten Sie persönlich helfen, Mütter oder auch Väter nach einer langen Erziehungszeit wieder den Weg in den Beruf zu ebnen?

Zunächst habe ich mit der Koordinierungsstelle Frau & Betrieb wieder ein Beratungsangebot organisiert. Und Ich konnte durch die Einführung eines neuen Frauenkalenders für Hasbergen helfen. Mir ging es neben den vielfältigen Freizeit- und Kontaktangeboten darum, jungen Unternehmerinnen und Freiberuflerinnen ein Forum zu geben. Oft steigen Mütter nach einer langen Elternzeit mit einer Selbstständigkeit wieder in den Job ein. Mit dem Hasberger Frauenkalender machte ich ihr Unternehmen bekannt. Zudem hat sich aus diesem Projekt heraus der erste Hasberger Frauen-Stammtisch entwickelt. Dabei ging es darum, Kontakte und ein Netzwerk zu knüpfen. Zudem habe ich Kontakt zur IHK aufgenommen, damit die BUS GMBH „Women in Business“ darüber informiert, wie Frau sich erfolgreich selbstständig machen kann. Dieses Thema Frau und Familie und Beruf wollte ich im kommenden Jahr eigentlich noch stärker in den Fokus nehmen. Dazu waren Vorträge geplant - etwa zu dem Thema, wie Frauen selbstbewusster bei Gehaltsverhandlungen oder wie Freiberuflerinnen bei der Preisfindung unterstützt werden können. Ein weiteres interessantes Projekt ist „flexible Kinderbetreuung“, etwa für Alleinerziehende im Schichtdienst. Das ist wichtig, um Alleinerziehende aus der Armut rauszubringen. Dieses Modellprojekt hatte der VAMV Bundesverband in ein paar Städten erfolgreich durchgeführt. Daran hatte das Osnabrücker Familienbündnis Interesse, woran ich nun leider nicht stärker mitwirken kann. Auch die FDP Hasbergen hatte an diesem Modellprojekt großes Interesse. An all diesen Ideen mit geplanten Vorträgen und Workshops könnte natürlich eine Nachfolgerin anknüpfen. Zudem ist im kommenden Jahr das Jubiläum zu 100 Jahren Frauenwahlrecht. Auch dazu gab es verschiedene Projektideen, die wir bereits im Frauenstammtisch besprochen haben.

Was wünschen Sie Ihrer Nachfolgerin?

Ich würde mich freuen, wenn sie zusammen mit den Hasbergerinnen und Hasbergern entwickelt, was benötigt wird. Nur durch den direkten Kontakt entstehen auch viele gemeinsame kreative Ideen.

Wie werden Sie sich verabschieden?

Mir ist es ganz wichtig, Danke zu sagen, weil mir die Arbeit mit den Menschen hier sehr viel Spaß gemacht hat. Deshalb möchte ich am 23. November um 16 Uhr vor dem Rathaus erst die Flagge gegen Gewalt an Frauen und Mädchen hissen. Danach lade ich zum Kaffee mit einem kleinen Buffet im Sitzungssaal ein und lade dazu alle Hasbergerinnen und Hasberger ein. Die offizielle Verabschiedung erfolgt dann in der letzten Ratssitzung des Jahres am 18. Dezember.


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