Appell der Flüchtlingsbeauftragten Mehr Unterstützung für Flüchtlinge in Hasbergen dringend gesucht

Meine Nachrichten

Um das Thema Hasbergen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Hasbergen. Die Hasberger Flüchtlingssozialarbeiterin Marita Tolksdorf-Krüwel appelliert im Interview, Wohnungen an Flüchtlinge in Hasbergen zu vermieten und betont: „Das würde stark zur Integration beitragen.“ Aktuell suchen fünf Familien und zwölf junge Männer eine Wohnung in Hasbergen.

Was hat sich in ihren ersten anderthalb Jahren als Flüchtlingsbeauftragte verändert?

Die Zeit, in der ich das Gefühl hatte, in einer Feuerwehrfunktion zu sein, ist vorbei. Ich besuche nicht mehr täglich die Flüchtlingsunterkünfte. Meine Arbeit ist jetzt planbarer, auch weil die Geflüchteten selbstständiger geworden sind. Sie kommen von sich aus in mein Büro, wenn sie Hilfe brauchen oder erledigen Behörden- oder Arztgänge alleine oder mit einem der beiden syrischen Bufdis (Bundesfreiwilligendienstleistende) unserer Gemeinde. Die Sprachbarriere ist längst nicht mehr so groß wie zu Beginn meiner Tätigkeit im April 2016. Die Ehrenamtlichen aus dem Flüchtlingsforum übernehmen auch viele Tätigkeiten und ich arbeite eng mit ihnen zusammen.

Ist Ihre Arbeit einfacher geworden?

Ich habe fast alle Handynummern der Geflüchteten und bin über mein Diensthandy mit ihnen in verschiedenen WhatsApp-Gruppen. Das erleichtert viele Dinge, denn sie verstehen mittlerweile auch, was ich ihnen per WhatsApp mitteile.

Was sehen Sie aktuell als größtes Integrationshemmnis?

Ein großes Problem ist, dass die vielen anerkannten Geflüchteten immer noch keine Wohnung gefunden haben. Die Unterstützung des Flüchtlingsforums hat dazu beigetragen, dass inzwischen 13 Wohnungen in Hasbergen von Familien und jungen Männern bezogen werden konnten. Zudem haben 19 Flüchtlinge Wohnungen in Osnabrück gefunden. Mein Wunsch ist aber, dass noch mehr Vermieter die Bereitschaft zeigen, an geflüchtete junge Männer und Familien in Hasbergen zu vermieten. Das würde stark zur Integration beitragen. Aktuell suchen 5 Familien und 12 junge Männer eine Wohnung in Hasbergen. Zurzeit sind sie noch in von der Gemeinde angemietetem Wohnraum untergebracht, weil sie hier bislang keine reguläre Mietwohnung gefunden haben.

Wie viele Flüchtlinge gibt es insgesamt?

Seit dem Jahr 2015 sind 118 Geflüchtete nach Hasbergen gekommen. Dadurch, dass aber mittlerweile auch Verwandte von ihnen hinzugekommen sind, leben insgesamt bereits mehr als 130 geflüchtete Personen in Hasbergen.

In der Region Osnabrück läuft die Arbeitsmarktintegration der Flüchtlinge nur sehr schleppend. Wie ist die Situation in Hasbergen?

Es gibt drei junge Männer, die einen Ausbildungsplatz als Friseur, in der Systemgastronomie und im Hotelfach gefunden haben. Mehrere andere konnten im Rahmen von Projekten Praktika durchführen, und eine Frau hat einen 450-Euro-Job bekommen. Es ist insgesamt also noch sehr wenig. Das A und O bleibt die Sprache. Daher müssen sich zunächst die Sprachkenntnisse weiter verbessern, bevor wir die Flüchtlinge flächendeckend in den Arbeitsmarkt integrieren können.

Warum haben sich die Sprachkenntnisse nicht schneller verbessert?

2015 fing es viel zu schleppend mit den Sprachkursen an. Es gab bei uns zwar von Beginn an die ehrenamtlichen Sprachkurse, die auch sehr gut besucht waren. Allerdings mussten viele Geflüchtete anderthalb Jahre warten, bis sie einen Integrationskurs besuchen konnten. Das hat viele frustriert und natürlich nicht zur Motivation beigetragen. Mittlerweile ist der überwiegende Teil in Integrationskursen, sodass die Sprachkenntnisse sukzessive besser werden.

Wie engagieren Sie sich persönlich, damit die Flüchtlinge sich schneller in den Arbeitsmarkt integrieren?

Ich spreche mit den Arbeitgebern und frage, ob sie nicht zumindest ein Praktikum machen können. Natürlich muss man die geflüchteten Menschen dafür kennen, um einzuschätzen zu können, ob das passt.

Bis wann glauben Sie, dass der Großteil der Flüchtlinge eine Ausbildung beginnen kann?

Da muss man sich noch ein bisschen gedulden. Das kann in ein bis zwei Jahren gelingen. Aber nicht für alle ist eine Ausbildung sinnvoll. Die Vermittlung in Arbeit ist genauso wichtig. Hier arbeite ich auch mit dem Jobcenter zusammen. Zuvor muss meiner Einschätzung nach noch viel Spracharbeit geleistet werden, und zunächst müssen noch Praktika im Vordergrund stehen. Wir müssen dafür sorgen, dass die Flüchtlinge regelmäßig zu den Integrationskursen gehen und ihre Motivation erhalten bleibt. Die Geflüchteten, auch die bereits in den Integrationskursen sind, sollten weiterhin die von Ehrenamtlichen angebotenen Sprachkurse in Anspruch nehmen. Zudem würde ich mir wünschen, dass sich noch mehr Hasberger Bürger und Bürgerinnen ehrenamtlich engagieren, damit wir weitere Sprachkurse für Eltern oder Hausaufgabenbetreuung für Flüchtlingskinder anbieten könnten. Die Kinder haben starke Probleme, ihre Hausaufgaben zu erledigen.

Wie hat sich die Zahl der Ehrenamtlichen in Hasbergen entwickelt?

Es ist ein bundesweiter Trend, dass die Zahl der Ehrenamtlichen und leider auch die Spendenbereitschaft für Flüchtlinge überall zurückgeht. Man hat sich an die Situation gewöhnt, dass Geflüchtete da sind. Was die Spendenbereitschaft angeht, trifft dies auch auf Hasbergen zu, die Zahl der Ehrenamtlichen Helfer und Helferinnen ist jedoch nach wie vor hoch. Es sind circa 40 Menschen, die sich unterschiedlich stark in den verschiedensten Bereichen wie Wohnungssuche, Umzugshilfe, Sprachkurse, „Café International“, Familienpaten, Gesundheit/Prävention, Fahrradwerkstatt und Tafelfahrten/allgemeine Fahrten aktiv betätigen. Wir benötigen aber dringend weitere Unterstützung bei den Familien und in der Hausaufgabenbetreuung sowie bei den Sprachkursen und bei der Wohnungssuche. Hier appelliere ich an die Hasberger Bürger und Bürgerinnen, sich zu engagieren. Wer Interesse hat, sollte sich bei mir im Rathaus melden. Für ein informatives Gespräch stehe ich gerne zur Verfügung. Ich bin unter der Telefonnummer 05405 502211 erreichbar.

( Weiterlesen: Viele Flüchtlinge drohen in der Region Osnabrück zu scheitern)


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN