Hasberger besonders friedlich? Neue Schiedsmänner mussten noch nicht tätig werden

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Noch haben die beiden Hasberger Schiedsmänner Wilhelm Rühl (links) und Gerhard Johann to Büren nicht tätig werden müssen. Vorbereitet sind sie auf alle Fälle.Foto: Horst TroizaNoch haben die beiden Hasberger Schiedsmänner Wilhelm Rühl (links) und Gerhard Johann to Büren nicht tätig werden müssen. Vorbereitet sind sie auf alle Fälle.Foto: Horst Troiza

Hasbergen. Nicht richten, sondern Streit schlichten – so definiert sich die Aufgabe von Schiedspersonen. Ihr Tätigkeitsfeld erstreckt sich hauptsächlich im Bereich von Streitigkeiten in der Nachbarschaft. In Hasbergen nehmen Wilhelm Rühl und Gerhard Johann to Büren dieses Amt wahr.

Sicherlich erinnern sich einige noch an Stefan Raabs Ulk-Hit vom „Maschendrahtzaun“, der einen Zwist zweier benachbarter Grundstücksbesitzer parodierte. Was den Hörern in der Republik damals die Lachtränen in die Augen trieb, ist oft leider bittere Realität. Ehemals gute nachbarschaftliche Beziehungen werden zu manchmal grotesk geführten Grabenkämpfen, wenn der Baum des einen dem anderen die Sonne wegnimmt oder ein Strauch über die Grundstücksgrenze wächst. Es wird viel geschimpft, auch im beleidigenden Ton. Ohne eine Lösung kann solch ein Nachbarschaftskrieg das Klima auf Jahre hin vergiften.

Wenn es dabei bleibt und keine körperlichen Auseinandersetzungen den Streit zu einem Fall für die Gerichte macht, ist der Gang zum Schiedsmann oder der Schiedsfrau eine Option, eine Lösung für den Konflikt zu finden. Grundsätzlich ist es sogar so, dass in bestimmten Fällen erst ein Schiedsverfahren stattgefunden haben muss, bevor Klage bei Gericht eingereicht werden kann.

Schiedspersonen sind eine vorgerichtliche Schlichtungsstelle, die in jeder Kommune eingerichtet ist. An sie kann sich jeder wenden, der Nachbarschaftsstreitigkeiten beilegen will, zivilrechtliche Forderungen geltend macht oder bedroht, beleidigt oder diskriminiert worden ist. Die Kontaktaufnahme läuft über die Schiedspersonen selbst oder kann über die Gemeindeverwaltung hergestellt werden.

In Hasbergen übernehmen Wilhelm Rühl und sein Stellvertreter Gerhard Johann to Büren dieses Amt. Sie wurden Anfang des Jahres als Nachfolger von Elisabeth Vallo und Johanna Gehring vom Amtsgerichtspräsidenten in Osnabrück vereidigt, nachdem sie zuvor ausgebildet worden waren. Einmal jährlich in der fünfjährigen Amtsperiode müssen sie beim Amtsgericht die Protokolle ihrer Tätigkeit vorlegen.

Bisher haben Rühl und Johann to Büren noch in keinem Fall schlichten müssen. „Angesprochen wurden wir schon vier Mal. Möglich, dass sich die Parteien selbst geeinigt haben. Ebenso kann es sein, dass die Personen noch an uns herantreten werden“, sagt Rühl, 67 Jahre alt und Vater der Landtagsabgeordneten Kathrin Wahlmann. Sein Stellvertreter Johann to Büren ist ein Jahr älter und war eine Legislaturperiode lang Ratsmitglied der CDU in Hasbergen.

Was sie veranlasst hat, nach dem Beruf jetzt im Ruhestand so ein Ehrenamt zu übernehmen? „Ich war Realschullehrer an der Schule am Roten Berg, wo ich die Arbeit der Schüler-Konfliktlotsen kennengelernt habe. Das empfand ich als sehr gutes Prinzip, Spannungen und Streitigkeiten zu lösen. Das habe ich dann auch machen wollen, aber auf anderer Ebene“, sagt Johann to Büren.

Rühl hat ähnliche Erfahrungen gemacht. Auch er war als Lehrer tätig, am Wirtschaftgymnasium in Ibbenbüren. „In der Schule war nicht immer überall Frieden. In jeder Klasse gibt es mal Streitigkeiten, Mobbing“. Da müsse jemand her, der schlichten kann.

Dass sie bisher nicht tätig werden mussten, ist für die beiden eher beruhigend, denn scheinbar vertragen sich ja alle in Hasbergen. Aber dass sie sich irgendwann mit zwei streitenden Parteien an einen Tisch setzen müssen, ist ihnen auch klar. Ihre Vorgängerinnen hatten ihnen verraten, dass sie pro Monat zwei bis vier Anfragen hatten.


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