Freizeitbetreuung im Haus am Berg Koffereisenbahn bringt Hasberger Senioren ins Gespräch

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Die Koffereisenbahn im Haus am Berg fördert die Kommunikation zwischen den Bewohnern. Vorn sitzend von links: Helmut Vartmann, Aloysius Preut und Frank Konietzka, hinten stehend Josef Koczula und Betreuerin Sabrina Zeiler. Foto: Horst TroizaDie Koffereisenbahn im Haus am Berg fördert die Kommunikation zwischen den Bewohnern. Vorn sitzend von links: Helmut Vartmann, Aloysius Preut und Frank Konietzka, hinten stehend Josef Koczula und Betreuerin Sabrina Zeiler. Foto: Horst Troiza

Hasbergen. Im Haus am Berg in Hasbergen macht seit Kurzem eine Modelleisenbahn in den Wohngruppen Station.  Die Mini-Lok im Koffer begeistert nicht nur die männlichen Bewohner, auch Seniorinnen lieben das technische Spielzeug. Hauptsächlich dient die Anlage der Förderung der Kommunikation.

Die Miniaturlandschaft ist nicht einmal einen Quadratmeter groß. Kleine Häuschen stehen zwischen künstlichen Bäumen, es gibt ein Bächlein, das in einen Teich mündet. Auf der Schienenstrecke fährt eine Bahn, Spurweite Z, dreht endlos ihre Runden vor dem aufgeklappten Deckel, der mit dem Foto eines Alpenpanoramas ausgefüttert ist.

Bahn-Biografien

Im Moment steht die Koffereisenbahn aber nicht im Zentrum des Interesses der umsitzenden Männer. Die reden munter drauflos. Denn Helmut Vartmann und Aloysius Preut, Bewohner zweier Wohngruppen im Haus am Berg, haben eben herausgefunden, dass sie beide ihr Berufsleben bei der Deutschen Bahn verbracht haben. „Ich war 46 Jahre lang dabei. Ich war für die Dienstpläne verantwortlich, das konnte manchmal ganz schön kompliziert werden“, berichtet Vartmann. Sein Sitznachbar hat es gar auf 50 Jahre Dienst „bei der Bahn“ gebracht. Aloysius Preut war Zugführer, hat EC, IC und ICE gefahren. „Ich bin in ganz Deutschland unterwegs gewesen, es war eine herrliche Zeit“, schwärmt er.

Die Koffereisenbahn hat sich im Haus zu einer Kontaktbörse entwickelt. „Sie ist ein Türöffner. Die Bewohner reden miteinander, tauschen Erinnerungen aus. Manche fachsimpeln miteinander und andere kommen wie die beiden Eisenbahner über ihr Arbeitsleben ins Gespräch“, sagt Ansgar Hiller, Geschäftsführer und Eigentümer. Sein Geschäftsführerkollege Heiko Langheim ist ebenfalls begeistert. Seine Söhne, beide Modelleisenbahner, hatten ihn auf die Idee gebracht, und so wurde die Kofferbahn kurzerhand auf einer Plattform im Internet für wenig Geld ersteigert.

Mehr Angebote für Männer

„Die gestiegene Lebenserwartung führt immer mehr ältere Männer in die Seniorenwohnheime“, erklärt er. Darauf müssen die Betreuungsangebote angepasst werden, die vorher eher frauenspezifisch ausgerichtet waren. Die jetzige Generation Ü75 ist nicht wie Jüngere in deren Maß vom Computer-Virus befallen, steht aber anderen technischen Dingen durchaus offen gegenüber.

„Auch viele Frauen hier im Haus mögen die Modellbahn. Sie erinnert sie an die eigene Kindheit, denn früher waren sie in vielen Familien verbreitet“, sagt Sabrina Zeiler, die in der Zusatzbetreuung im Haus am Berg arbeitet. Annette Nehl-Pampel, zuständig für die Zusatzbetreuung, spricht von einer neuen Stufe der Kommunikation. „Wenn wir mit dem Koffer in einer Wohngruppe sind, kommen Bewohner anderer Gruppen mit. Durch die gruppenübergreifende Arbeit kommen die Senioren miteinander in Kontakt, was sonst nicht unbedingt der Fall wäre“.

So geschehen bei den früheren Eisenbahnern. Die beiden sitzen noch immer nebeneinander und reden über die alten Zeiten, als „die Bahn immer kam, sogar pünktlich“ und alles vielleicht ein wenig besser war.


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