Pinselstriche mit der Kamera Michael Rateike zeigt Fotografien in Hasbergen

Von Frank Muscheid

Michael Rateike kommt aus der Malerei und hat viele ihrer Ausdrucksformen in die Fotografie übertragen. Foto: Frank MuscheidMichael Rateike kommt aus der Malerei und hat viele ihrer Ausdrucksformen in die Fotografie übertragen. Foto: Frank Muscheid

Hasbergen. Fotografien von Michael Rateike sind seit Mittwoch auf Einladung des Kultur- und Verkehrsvereins Hasbergen im Haus am Berg, Café Gute Stube, zu sehen. Der Künstler eröffnete einen beeindruckenden Querschnitt durch seine Arbeit.

Bis auf Tonwertkorrekturen oder das Retuschieren von Staubkörnern auf dem Fotosensor vermeidet Michael Rateike die Nachbearbeitung. Die Farben kommen so in der Natur vor. Sind herausgeschält. Manchmal, wie beim Island-Mohn und beim kalifornischen Mohn, durch einen intensiv blauen Hintergrund. Das Foto sitzt in dem Moment, in dem der 1959 in Lippstadt geborene Diplom-Designer und ehemalige Kunststudent es festhält. Einige Arbeiten aus der Reihe „Panta rhei“, altgriechisch für „Alles fließt“, zeigen die dynamische Struktur von Wasser. Rateikes „Pinselstriche“ sind dabei leichte Bewegungen der Kamera. In der Serie „Waldzauber“ schafft er so auf Spaziergängen durch den Teutoburger Wald impressionistische Momente. Nadelbäume im Abendlicht und bei Schnee am Jägerberg werden zu Gemälden. Auch Fotos der Reihen „Seascapes“ und „Augenweiden“ wissen mit eindrucksvoller Natur zu begeistern.

In „Wasserballet“ hält er die Eleganz eines Frosches im Wasser fest. Wasser – das ist auch Rateikes eigenes Element. Und immer wieder kehrt er zur Kastanie im Schollbruch zurück. Auf Facebook zeigt er dazu eine beeindruckende Serie. Zweiter Vereinsvorsitzender Gordian Niehenke dankte dem Haus am Berg und Geschäftsführer Heiko Langheim, „dass die Ausstellung möglich ist“. Der Verein habe hier schon einige heimische Künstler zeigen können. Anlass zur Ausstellung mit Michael Rateike war die Frage: „Wieso haben wir in Hasbergen noch keine Ausstellung über seine Arbeiten?“ Andernorts stelle er schließlich sehr viel aus.

Fotograf alter Schule

„Ich betreibe das mit Leib und Seele, mit Leidenschaft“, so Rateike zum eigenen Schaffen. „Mit zunehmenden Alter bemerke ich, wie schön unsere Natur ist und welch großes Glück, das bewusst sehen und erleben zu können – jedes Jahr aufs Neue.“ So säe er jedes Jahr Goldmohn und kalifornischen Mohn im eigenen Garten, „weil ich mich wieder auf das Orange ab Mai freue.“ Er stehe auch schon mal zwei Stunden bis zum Bauchnabel im Wasser, „um so einen Augenblick zu erhaschen, dass sich zwei gebänderte Prachtlibellen so schön hinsetzen.“ Beeindruckend, dieses schillernde Farbenspiel. Er sei ein „Fotograf alter Schule“, habe bis 2007 analog fotografiert, nutzt immer noch mehr als 30 Jahre alte Objektive, die er manuell fokusiere, „um die Schärfe genau auf den Punkt zu legen, wo ich sie haben will“. Beim Island-Mohn etwa liegt die Schärfe auf der feinen Blütenblatt-Kante, „Empfindsamer Augenblick“ hat Rateike das Foto betitelt, das wie hingetupft wirkt, „fast wie ein Aquarell“. Er kommt aus der Malerei, wende aber heute viele dieser Ausdrucksformen über die Fotografie an: „Fotografieren ist Malen mit Licht“, umfasst er daher seine Arbeit.

Auf das Sonnenufer zu

Er schreibt auch, spielt Klavier. Als 24-jähriger Surfer erreichte er von Fehmarn aus beinahe nicht vor Einbruch der Nacht das dänische Ufer – der Wind ließ ihn im Stich. Immer das Ingeborg Bachmann-Gedicht „Ausfahrt“ vor Augen, das er sich auf das Brett geschrieben hatte: „Der ungangbaren Wasser nicht zu achten, und das Schiff über die Wellen zu heben, auf das immerwiederkehrende Sonnenufer zu“, heißt es da. Davon erzählte er am Mittwoch in einer seiner Geschichten. Und stimmte mit Gitarrist Martin Lutze sein Lied über das freie Leben an. Die Fotos im Café Gute Stube sind dort etwa ein halbes Jahr zu sehen und käuflich zu erwerben.