Tag des offenen Denkmals 2016 Landesweiter Start in Gedenkstätte Augustaschacht

Von Frank Muscheid

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Das Leid der Opfer in Bildern: Videokünstler Theo van Delft hat unter anderem am Augustaschacht gedreht. Foto: Frank MuscheidDas Leid der Opfer in Bildern: Videokünstler Theo van Delft hat unter anderem am Augustaschacht gedreht. Foto: Frank Muscheid

Hasbergen. Der Tag des offenen Denkmals 2016 hat am Sonntag für Niedersachsen in der NS-Gedenkstätte Augustaschacht begonnen. Dort eröffnete ihn die niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur, Gabriele Heinen-Kljajić unter dem europaweiten Motto „Gemeinsam Denkmale erhalten“.

Eingeladen hatten Michael Gander, Geschäftsführer des Trägervereins Gestapokeller und Augustaschacht, sowie Stefan Winghart, Präsident des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege, das viele der rund 120 Gäste aus Hannover mitbrachte. Filme des Videokünstlers Theo van Delft verdeutlichten an Theater- und Dokumentarsequenzen von Einzelschicksalen den Schrecken des Nationalsozialismus. Gedenkstätten zu NS-Verbrechen wie Augustaschacht und Gestapokeller seien aus bürgerschaftlicher Verantwortung für die „Spuren der eigenen Geschichte“ entstanden. Dass sie „verstörend“ seien, rege dazu an, sich für ein „demokratisches Selbstverständnis“ mit „gewaltbelasteter Geschichte“ auseinanderzusetzen, so Vereinsvorsitzender Georg Hörnschemeyer.

Denkmalschutz gesellschaftlicher Konsens

Das Motto treffe „den Geist von Denkmalschutz und Denkmalpflege“, so Heinen-Kljajić. Beide mündeten noch immer in Debatten um Eigentümerkosten oder Bauherrenwünsche. Alle Akteure seien gefragt, am gesellschaftlichen Konsens zu arbeiten, wo der erodiere. Orte wie der Augustaschacht sollten jungen Menschen Geschichte nahe bringen, denn Demokratie und offene Gesellschaft müssten „immer wieder aufs Neue gelernt werden“. Der niederländische Konsul Hans van den Heuvel lobte die Gedenkstätte als „wertvollen Raum“, um das Andenken an die mehr als 2000 Inhaftierten, darunter viele Niederländer, zu erhalten und weiterzugeben. Nicht zu vergessen und darüber nachzudenken, „wie wir jetzt und zukünftig miteinander umgehen wollen“. Ohne Zeitzeugen müssten „möglichst konkrete Erzählungen“ über Generationen weitergegeben werden.

Bürgerschaftliche NS-Forschung

Bürgermeister Holger Elixmann erzählte, dass der Augustaschacht von der Schulkinder-Generation nach dem Krieg nur als „Bahnhaltestelle“ bekannt gewesen und lange so auch weitergegeben worden sei. Große Anerkennung gelte daher allen, „die diese Geschichte wieder hergestellt haben“. Viele Partner sorgten heute dafür, „dass dieses Denkmal erhalten bleibt.“ Stefan Winghart erklärte, das Arbeitserziehungslager Ohrbeck stehe als Beispiel für den „omnipräsenten Terror der nationalsozialistischen Herrschaft. Es war nahezu unmöglich, nichts davon zu wissen“. Wesentlich für die Aufarbeitung sei das Engagement vieler Bürger in den 80er und 90er-Jahren gewesen, die die NS-Geschichte vor Ort „aus dem gesellschaftlichen Vergessen herausholten“. Die Vergangenheit beginne so „immer lauter und deutlicher zu reden“.

Denkmale aus der Zeit

Die Arbeit für die Gedenkstätte Augustaschacht sei „denkmalpflegerisch und gedenkstättendidaktisch einfach nur großartig“, lobte Jens-Christian Wagner, Geschäftsführer der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten. Seit etwa 25 Jahren würden Relikte als wichtige „Denkmale aus der Zeit“ behandelt, es sei aber nötig, über sie Besuchern ohne Vorwissen „aktiv zu helfen, ihre Botschaft zu entschlüsseln“ – ohne sie zu entmündigen, ohne „politisch-moralischer Botschaft, die ihnen aufgedrückt wird“.


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