Export kommt teils zum Erliegen Türkei-Krise alarmiert Firmen in Region Osnabrück

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Der IHK-Hauptgeschäftsführer Marco Graf warnt, dass jedes vierte in der Türkei aktive Unternehmen aus der Region unter der Krise am Bosporus leidet. Symbolfoto: dpaDer IHK-Hauptgeschäftsführer Marco Graf warnt, dass jedes vierte in der Türkei aktive Unternehmen aus der Region unter der Krise am Bosporus leidet. Symbolfoto: dpa

Osnabrück. Der IHK-Hauptgeschäftsführer Marco Graf warnt, dass jedes vierte in der Türkei aktive Unternehmen aus der Region unter der Krise am Bosporus leidet. Das Exportgeschäft der Bramscher Tapetenfabrik Rasch in die Türkei ist sogar komplett zum Erliegen gekommen.

In der Türkei sind mit 170 Firmen fast genauso viele Unternehmen aus dem IHK-Bezirk Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim aktiv wie in Russland. Davon sind 140 im Export und etwa 50 im Import aktiv. IHK-Hauptgeschäftsführer Marco Graf beschreibt die Ergebnisse einer IHK-Bltzumfrage: „Die Ergebnisse zeigen, dass die Unternehmen zum Teil bereits Auswirkungen auf ihre Geschäfte spüren und die künftigen Geschäftsbeziehungen mit der Türkei in der Tendenz negativ einschätzen.“ Ein Viertel der in der Türkei aktiven Unternehmen gibt an, dass die aktuell angespannte politische Lage in der Türkei sich auf das Geschäft ihres Unternehmens auswirkt. Drei Viertel der betroffenen Unternehmen erkennen demnach eine deutliche Zurückhaltung bei den türkischen Geschäftspartnern. Etwa ein Fünftel stellt Verzögerungen bei der Zollabwicklung fest und mehr als ein Viertel verzeichnet Umsatzrückgänge. Außerdem nehmen die Unternehmen eine Zurückhaltung der Banken bei Risikoübernahmen wahr.

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Export stärker als Import betroffen

Dabei ist der Export deutlich stärker betroffen als der Import, wie die Beispiele des Wallenhorster Zulieferanten im Anlagenbau, RST Rabe-System-Technik, und von der Tapetenfabrik Rasch aus Bramsche zeigen.

Einfuhrzölle bringen türkisches Exportgeschäft von Rasch zum Erliegen

Der Rasch-Betriebsleiter Thorsten Voß berichtet: „Unser Türkeigeschäft ist komplett zum Erliegen gekommen, weil die türkische Regierung vor knapp einem Jahr einen Einfuhrzoll von fünf Dollar pro Kilogramm erhoben hat.“ Voß vermutet, dass sich türkische Tapetenhersteller an die Regierung gewandt und um die Handelsbarriere gebeten haben, um die einheimische Industrie zu schützen. „Dieser Einfuhrzoll macht Geschäfte für uns in der Türkei unmöglich, weil die Tapeten dadurch viel zu teuer werden.“ Die Bramscher Tapetenfabrik müsse dadurch Umsatzeinbußen in Höhe von mehreren Hunderttausend Euro hinnehmen. Schade sei diese Handelsbarriere aber vor allem, weil Rasch im türkischen Markt gute Wachstumschancen gesehen habe. Auch der Zugang zum Iran, zu Turkmenistan oder Kurdistan sei über die in der Türkei vorhandenen Vertriebsstrukturen viel einfacher gewesen. Jetzt müsse Rasch eigene Strukturen aufbauen, um nach dem Ende der Iran-Sanktionen den großen Nachholbedarf zu decken. Allerdings brauche auch das Wachstum dort noch Zeit, denn die Leute vor Ort hätten noch nicht so viel Geld.

Türkei profitiert von Handelsabkommen zwischen der EU und der Türkei

Wenig Grund zu klagen hat der Prokurist von RST Rabe-System-Technik, Oliver Kalmey. Das Wallenhorster Unternehmen lässt elektrotechnisches Zubehör bereits seit mehr als 20 Jahren bei einem Großunternehmen in Istanbul herstellen. Gründe dafür seien bei einem technologisch hohen Produktionsniveau etwa die niedrigeren Beschaffungsnebenkosten und geringe Personalkosten. Kalmey lobt: „Durch ein Abkommen zwischen der EU und der Türkei sind die Waren sehr günstig einzuführen. Die im Vergleich zu einer Produktion in China kurzen Transportwege und geringen Zölle bieten der Türkei Kostenvorteile.“

Importgeschäft von Wallenhorster Firma Rabe-System-Technik nicht betroffen

Er erklärt: „Wirtschaftliche Auswirkungen der politischen Spannungen spüren wir nicht. Das liegt sicherlich daran, dass wir aus der Türkei nur importieren und nicht in die Türkei exportieren. Die Abwertung der türkischen Landeswährung hat für uns somit keine negativen Folgen.“


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