Aufruhr auf dem Bauernhof Gut 40 Hasberger proben inklusives Musical

Von Danica Pieper


Hasbergen. Wenn am 18. September die zweite Auflage des Hasberger Straßenfests Kirchbergzauber stattfindet, erwartet die Besucher auch wieder ein inklusives Musical. Derzeit proben gut 40 Darsteller das Stück „Was dann…?! Knisternde Spannung über dem Butterfasshof“.

„Fürchterlich!“ „Entsetzlich!“ „Grauenhaft!“ Wer diese Rufe hört, könnte meinen, dass eine schreckliche Katastrophe über das evangelische Gemeindezentrum hereingebrochen ist. Tatsächlich könnte die Stimmung vor Ort kaum besser sein, denn die Klagen sind Teil der Proben für das inklusive Musical „Was dann…?! Knisternde Spannung über dem Butterfasshof“. Über 40 hochmotivierte Darsteller üben derzeit einmal wöchentlich für ihren großen Auftritt auf dem Hasberger Kirchbergzauber .

Zusammenarbeit mit Theaterpädagogin

Bereits auf der Premiere des Straßenfests vor zwei Jahren hatten Laiendarsteller unter der Leitung von Maria Beisel, Pastorin der Christuskirchengemeinde, die Besucher mit dem inklusiven Musical „Mathilda und der alte Brummbär“ verzaubert. „Das war der Ankommer“, erinnert sich Beisel. „Es war so rührend, so erfrischend, so schön, dass wir das zu diesem Fest gerne noch einmal machen.“ Unterstützung erhält Beisel bei der Regieführung von Liane Kirchhoff von der theaterpädagogischen Werkstatt. „Ich habe ‚Mathilda‘ damals gesehen und Maria Beisel gefragt, ob wir nicht was zusammen machen wollen“, erklärt Kirchhoff. Gesagt, getan.

Kinderbuch in Musical verwandelt

Die Geschichte von „Was dann…?!“ basiert auf einem Kinderbuch, das die beiden Frauen zusammen mit Maren Mittelberg, Inklusionsbeauftragte des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Osnabrück, und Musiker Hanno Eulefeld, der sämtliche Songs komponiert hat, in ein Musical verwandelten. Das Besondere dabei: Passend zum inklusiven und integrativen Charakter des Kirchbergzaubers sind unter den Darstellern Menschen mit und ohne Behinderung sowie mit und ohne Migrationshintergrund. Auch sämtliche Altersklassen sind vertreten: Die jüngste Teilnehmerin ist fünf, die älteste in den Achtzigern. „Das ist eine phänomenale Mischung an Menschen, die so in der Gesellschaft nicht mehr üblich ist. Es tut gut, diese Mischung zu erleben“, meint Eulefeld.

Aufruf der Kirchengemeinde gefolgt

Viele Darsteller sind über einen Aufruf der Kirchengemeinde zu dem Projekt gestoßen, bei anderen handelt es sich um Bewohner des Seniorenheims „Haus am Berg“ oder des Wohnheims „Haus Hasbergen“ der Heilpädagogischen Hilfe Osnabrück (HHO). Gefördert wird das Projekt mit 5000 Euro von der Förderstiftung HHO, die mit ihrem Programm „Lebendige Nachbarschaft“ inklusive Gemeinschaftsprojekte unterstützt, wie Jacqueline Rompf von der Förderstiftung erklärt.

Angst vor Känguru

Auf der Probe üben die Darsteller nach dem Aufwärmen zunächst Tierstimmen: „Mäh“, „Kikeriki“ und „Wuff“ schallt es durch den Raum. Die Tiere des Butterfasshofs sind in heller Aufregung, denn ihr Bauer hat ein Känguru aus Australien mitgebracht. Den Bewohnern macht das neue Tier Angst, denn sie haben noch nie eins gesehen. Was ist, wenn es besser krähen kann als der Hahn? Oder mehr Milch gibt als die Kuh? „Das wäre ja fürchterlich! Entsetzlich! Grauenhaft!“, rufen und singen die Teilnehmer.

Zwei Aufführungen

Mit dem Stück greifen Beisel und Kirchhoff Ausländerfeindlichkeit thematisch auf und regen dazu an, Vorurteile zu hinterfragen. Wie die Tiere des Bauernhofs das Känguru dann tatsächlich erleben, das erfahren Besucher auf dem Kirchbergzauber. Das Stück wird während des Gottesdienstes um 10 Uhr sowie noch einmal um 16 Uhr in der Christuskirche aufgeführt.


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