Grabung in Hüggel-Steinbruch Geologen hoffen Saurier in Hasbergen zu finden

Von Ulrich Eckseler


Hasbergen. In einem Steinbruch am Hüggel in Hasbergen wollen Experten im September wieder nach Fossilien graben, bevor die Stelle als Holzlagerplatz dient. Die Verantwortlichen vom Geozentrum hoffen, fossile Überreste von Tieren und Pflanzen aus der Zeit vor 250 Millionen Jahren zu finden. Konkrete Hinweise gibt es, allerdings fehlt das Geld.

„In Hasbergen müssen wir zum Fischefangen auf den Berg gehen, denn wir waren schon mal im Meer“, erläutert Johannes Haunert, technischer Verantwortlicher der Grabungen, über die geologische Besonderheit des Hüggels mit einem Lächeln. Vor 252 Millionen Jahren, habe im Osnabrücker Land subtropisches Klima geherrscht und die Region sei von einem flachen Meer überflutet gewesen, ergänzt Fabian Müller, Geologe und wissenschaftlicher Leiter. Entsprechend habe es eine ausgeprägte Fischvielfalt gegeben. Auf der geologischen Zeitskala entspräche die Epoche dem Perm, konkreter dem unteren Zechstein als weitere Unterteilung des Perms, führt der 31-Jährige aus. Das nach Süden vordringende Wasser riss zunächst Sandsteine mit sich. Im Lauf von mehreren Jahrtausenden lagerten sich weitere Sedimentgesteine ab und es bildete sich eine etwa 40 Zentimeter dicke Kalksteinschicht. Durch anhaltende Erosion folgte daraufhin eine 80 Zentimeter starke Tonsteinschicht, der sogenannte Kupferschiefer. Es lagerten sich weitere Gesteinsschichten ab und konservierten Pflanzen und Tiere. Währenddessen hoben starke Kräfte aus dem Erdinneren die Landschaft an und schufen den rund fünf Kilometer langen und einen Kilometer breiten Höhenzug, der seine Umgebung um etwa 100 Meter überragt. Im Geozentrum Hüggel im Naturpark Terravita , so der offizielle Name, wird diese Entwicklung verdeutlicht.

Die Vorfahren der Dinosaurier

Im Fokus der Ausgrabung soll im September diese Kupferschieferschicht stehen. Zuvor müssen an der Stelle in dem Steinbruch jedoch erst zweieinhalb Meter Erdreich abgetragen werden. Müller und Haunert hoffen in dem Gestein weitere Tier- und Pflanzenfossilien zu finden. Es gebe bereits Funde, die darauf hinweisen. Denn vor rund fünf Jahren wurde der Mediziner und Hobbypaläontologe Dr. Silvio Brandt aus Halle an der Saale durch zahlreiche Publikationen auf die Geologie am Hüggel aufmerksam. Er stellte vor Ort Untersuchungen an und entdeckte das fossile Knochenstück eines Protorosaurus speneri. Dabei handelt es sich um ein echsenartiges Reptil, das Müller als einen der „Großväter der Dinosaurier“ bezeichnete. Zudem stieß Brandt auf große gerundete Kiesel, die die Tiere verschluckten, damit sie im Magen die Nahrung zerkleinerten. Bei Ibbenbüren wurde bereits ein solcher Protorosaurus speneri gefunden. Ein Abguss sowie ein Modell sind heute in Hasbergen zu sehen. Mit Glück könne aber im September ein eigenes Original ausgestellt werden.

Fehlende Finanzen

Am 18. September sollen die Arbeiten beginnen und am 1. Oktober abgeschlossen sein. Es handelt sich um eine Notgrabung, da der Landwirt, dem das Gelände gehört, den betroffenen Steinbruch künftig als Holzlagerstätte nutzen möchte. Für die Finanzierung benötigen Müller und Haunert rund 4000 Euro. Da das Geozentrum diese Summe nicht stemmen kann, suchen beide nach Sponsoren. Gleichzeitig können sich auch interessierte Menschen melden, falls sie ehrenamtlich bei der Grabung selbst helfen möchten. Und auch Besucher seien immer willkommen. Weiter Informationen gibt es unter www.geozentrum-hueggel.de.