Außenminister auch in GMHütte Steinmeier besucht Hasberger Gedenkstätte Augustaschacht

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Hasbergen/Georgsmarienhütte. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat am Dienstag die Gedenkstätte Augustaschacht in Hasbergen besucht. Dort wie auch bei seinem anschließenden Besuch des SPD-Kreis-Sommerfests im Georgsmarienhütter Stadtteil Kloster Oesede ging er auf das derzeit kriselnde Verhältnis der Nato und Deutschlands zu Russland ein.

Der Außenminister ist überpünktlich. Um 15.45 Uhr erreicht der für 16 Uhr erwartete Tross aus Polizei- und Dienstwagen die Gedenkstätte. Die Organisatoren atmen erleichtert auf, denn sie wissen: Steinmeiers Zeitplan ist straff – um 16.50 Uhr muss er weiter nach Georgsmarienhütte. Fotografen und Kameraleute bringen sich in Position, und bevor es interessant wird, folgt das übliche Prozedere: Begrüßung, Aufstellung mit lächelnden Stadt- und Landkreispolitikern, Pressefoto.

Geschichte der Zwangsarbeiter

Michael Gander, Geschäftsführer der Gedenkstätten Gestapokeller in Osnabrück und Augustaschacht, nutzt die gewonnene Viertelstunde, um Steinmeier über die Geschichte des Orts zu informieren. Der Außenminister hört zu, blinzelt gegen die Sonne, nickt, lässt sich vom etwas zu spät eintreffenden Osnabrücker Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (CDU) die Hand schütteln, hört Gander weiter zu, stellt Nachfragen.

Negatives in Positives wenden

Die im früheren sogenannten Arbeitserziehungslager Ohrbeck Inhaftierten seien in demselben Alter gewesen wie die Jugendlichen, die neben dem Augustaschacht zurzeit bei den Grabungen helfen, erläutert Gander. 2000 Menschen aus 17 Ländern wurden an diesem Ort zwischen 1944 und 1945 seelisch und körperlich gebrochen. „Über welchen Zeitraum?“, will Steinmeier wissen. „15 Monate“, sagt Gander. „Wir wollen dieses Beispiel negativer europäischer Integration nutzen als Ausgangspunkt, Menschen zusammenzubringen.“

„Wie im Zoo“

15 junge Leute aus sieben Ländern – einige davon aus Weißrussland und Russland – unterbrechen für den Besuch des Außenministers ihre Grabungsarbeiten, wofür er sich entschuldigt. Einige nehmen lachend Selfies mit Steinmeier im Rücken auf – auf dem Grabungsfeld befinden sich in etwa so viele Fotografen und Kameraleute wie junge Grabungshelfer. „Die Armen. Das ist ja wie im Zoo“, kommentiert ein Zaungast. Die 16- bis 25-Jährigen nehmen derzeit Teil am internationalen Sommerlager des Vereins Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) und suchen unter Leitung der Stadt- und Kreisarchäologie nach Spuren des ehemaligen KZ.

Teilnehmer aus Russland

Das Gespräch mit ihnen, das schließlich in der Gedenkstätte geführt wird, ist der trotz des Ernstes der Umgebung lockere Teil von Steinmeiers Besuch. Eigentlich war geplant, dass die Jugendlichen den Außenminister interviewen – doch der dreht den Spieß erst um und will wissen, warum sie überhaupt an dem Sommercamp teilnehmen. Sie wolle Menschen aus anderen Ländern kennenlernen und mehr über die Vergangenheit lernen, sagt eine. „Ich finde das Thema Zwangsarbeit sehr wichtig“, ein anderer. Er heißt Stanislaw und kommt aus Jekaterinburg am Ural. „In meinem Heimatland habe ich fast nichts davon gehört. Und hier besteht auch die Gelegenheit, mit Zeitzeugen zu sprechen.“

Verhältnis zu Russland

Stanislaw ist es auch, der Steinmeier im Gegenzug die erste Frage stellt: „Wie sehen Sie die Zukunft der Beziehungen zwischen Deutschland und Russland?“ Steinmeier: „Ich arbeite daran, dass sie wieder besser werden.“ Es sei „kein Geheimnis“, dass das Verhältnis „im Moment belastet“ sei durch die Situation in der Ukraine und die Annexion der Krim. „Wir müssen daran arbeiten, dass wir eine politische Lösung hinkriegen.“ (Weiterlesen: Außenminister Steinmeier im Interview: Wir wollen keinen neuen Kalten Krieg)

„Voller Respekt“

„Wie fühlen Sie sich an diesem Ort?“, will eine Teilnehmerin von Steinmeier wissen. Er habe viele Orte wie diesen besucht, gibt dieser zurück. „Ich bin voller Respekt für Ihre Generation, die hier daran arbeitet, die Erinnerung für die nächste Generation zu bewahren“, sagt der Außenminister.

Weiter nach Kloster Oesede

Nach 20 Minuten und weiteren Fotos setzt Frank-Walter Steinmeier seine Tour fort. Es geht zur Basis nach Kloster Oesede, zu den „lieben Genossinnen und Genossen“, die sich für die Kommunalwahl am 11. September in Stellung bringen. „Wer in diesen Zeiten den Außenminister einlädt, muss die gute Laune selber mitbringen“, sagt Steinmeier. Er sei zurzeit fast nur in Krisengebieten unterwegs. „Ich bin häufiger in Georgien als in Georgsmarienhütte“ – dieses Wortspiel lässt Steinmeier nicht aus. Die Anwesenden lachen. Er spannt den Bogen von seinen Sorgen um den inneren und äußeren Frieden („Das Ungeheuer Nationalismus nährt sich nur aus Angst“) über die Kommunalwahl („Wir brauchen keine AfD in den Kommunalparlamenten!“) bis hin zu den „Krisen dieser Welt“ – und kommt schließlich wieder auf Russland und den Ukraine-Konflikt zu sprechen. Vor allem bittet er um Geduld: Diplomatische Lösungen bräuchten nun mal Zeit.

„Sechs-Sterne-Plus-Ortsverein“

Bevor auch die vielen SPD-Mitglieder Fotos mit dem Außenminister machen können, verleiht Steinmeier noch Urkunden mit dem Titel „Sechs-Sterne-Plus-Ortsverein 2016“. Mit dieser Auszeichnung ehrt die SPD im Landkreis Osnabrück Ortsvereine für deren Engagement, erklärt der Kreisverbandsvorsitzende Werner Lager, außerdem gibt es ein paar Hundert Euro für die Vereinskassen. Steinmeier ist kurz abgelenkt, winkt lachend den Anwohnern, die dem Spektakel vom Balkon aus zuschauen. Dann verteilt er grinsend Urkunden und Schecks („So, Geld ist alle. Gibt‘s noch mehr?“), nimmt ein kleines Bad in der Menge – und fährt weiter zum nächsten Termin.


Sommerlager am Augustaschacht

Seit mehreren Jahren unterstützen die jungen Teilnehmer der ASF-Sommerlager unter dem Titel „Graben verbindet!“ die Ausgrabungsarbeiten auf dem Gelände der Gedenkstätte und begeben sich auf historische Spurensuche. (Weiterlesen: 10. Sommercamp am Augustaschacht in Hasbergen) In diesem Jahr begann die Aktion am 10. Juli und dauert noch bis 23. Juli. Die Teilnehmer kommen aus Argentinien, Weißrussland, Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Russland und Spanien.

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