„Und alle, alle kamen“ Text-Collage im Augustaschacht geht unter die Haut

Beeindruckend und gleichzeitig beklemmend war die Aufführung der Text- und Bild-Collage der Gymnasiasten im Vortragssaal des Augustaschachts. Foto: Horst TroizaBeeindruckend und gleichzeitig beklemmend war die Aufführung der Text- und Bild-Collage der Gymnasiasten im Vortragssaal des Augustaschachts. Foto: Horst Troiza

Hasbergen. „Der Kaiser rief und alle, alle kamen!“ ist eine Textrevue, die den Ersten Weltkrieg vom Hurra-Geschrei bis zum Grauen des Frontalltags schildert. Acht Schüler des Gymnasiums in der Wüste lieferten bei der Lesung der von Burkhard und Marlies Imeyer konzipierten Collage im Augustaschacht eine beeindruckende und gleichzeitig bedrückende Leistung ab.

Das ging tief unter die Haut. Acht Schüler, frisch gebackene Abiturienten, hatten unter der Beamer-Leinwand Platz genommen und schickten sich an, den Ersten Weltkrieg in seiner nackten Wahrheit aus Originaltexten, Tagebucheintragungen, Reden und Romane sowie Fotos und Zeichnungen näherzubringen.

Hoch sensibilisiert

„Vor 100 Jahren hätten sie zu denen gehört, die als Rekruten oder Krankenschwestern an die Front geschickt worden wären. Zwei, drei von diesen jungen Menschen wären zurückgekehrt“. Allein schon diese Einführung Burkhard Imeyers , eines pensionierten Geschichtslehrers, hatte ausgereicht, alles Weitere an diesem Abend hoch sensibilisiert zu verfolgen.

Hoch konzentriert

Was sich da eineinhalb Stunden lang im Vortragssaal des Augustaschacht-Gebäudes abspielte, kann nicht hoch genug bewertet werden. Die acht jungen Menschen gingen konzentriert zu Werke, lösten einander im Vortrag aus Textpassagen aus Remarques „Im Westen nichts Neues“, den Tagebüchern der zu Kriegsbeginn erst zwölf Jahre alten Elfriede Kuhrs, des Anfang der 30er Jahre erschienenen Buches „Gespenster am Toten Mann“ von Paul Coelestin Ettighofer sowie Auszügen aus Reden Wilhelms II. und anderer Protagonisten der „Urkatastrophe des Zwanzigsten Jahrhunderts“ ab, wie Bürgermeister Holger Elixmann in seiner Begrüßung zitierte.

Höchst beklemmend

Es war mehr als eine bloße Lesung, die das Publikum im Saal erreichte. Die Vortragenden ließen durch ihre sorgsam ausgefeilte Sprechtechnik, die aufrichtige Interpretation der Vorlagen, das Grauen auferstehen, das vier bittere Jahre lang geherrscht hatte und Millionen Leben gekostet hat.

Höchst beklemmend wurde deutlich, wie sich der Horror damals in den Alltag der Menschen schlich, wie Verstümmelung und Tod, Hunger und Wahnsinn allmählich als natürlich gegeben betrachtet wurden. Die junge, inzwischen 16-jährige Elfriede Kuhr nimmt seltsam teilnahmslos hin, wie „ihr Leutnant“ Opfer des Krieges wird, und die Kameraden eines Frontgefreiten dessen Tod durch „Gehirnkrämpfe“.

Höchst beeindruckend

Im Zuschauerraum wurde es immer stiller, kaum Räuspern, kaum Hüsteln. Niemand konnte sich aus dem Bann der acht jungen Menschen befreien, die schonungslos zitierten und im Chor eine Klage erhoben, die auch nach 100 Jahren nicht verklungen ist. Mit ihrer beeindruckenden Leistung haben sie geschafft, jenen Altersgenossen ein Denkmal zu setzen, die sinnlos und ohne Skrupel der Maschinerie eines alles zerstörenden Krieges ausgeliefert worden sind.


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