Flüchtlinge in Hagen und Hasbergen Hasbergen hat acht Mal mehr Flüchtlinge als Ende 2015

Von Jean-Charles Fays und Wolfgang Elbers

Hasbergen hat aktuell acht Mal mehr Flüchtlinge als noch im November 2015. Bis Mitte April hat sich die Flüchtlingszahl in der Gemeinde auf 85 erhöht. Das Bild zeigt den syrischen Flüchtling Scherwan Ahmed in einer Flüchtlingsunterkunft am Eisenbahnweg in Hasbergen. Archivfoto: Gert WestdörpHasbergen hat aktuell acht Mal mehr Flüchtlinge als noch im November 2015. Bis Mitte April hat sich die Flüchtlingszahl in der Gemeinde auf 85 erhöht. Das Bild zeigt den syrischen Flüchtling Scherwan Ahmed in einer Flüchtlingsunterkunft am Eisenbahnweg in Hasbergen. Archivfoto: Gert Westdörp

jcf/we Hagen/Hasbergen. Hasbergen hat mit aktuell 85 Flüchtlingen achtmal mehr Asylbewerber als noch im November 2015. Und das obwohl die Zahl der Flüchtlinge in der Region seit Jahresbeginn deutlich langsamer zunimmt als erwartet. Hagen zählt zu den drei Kreiskommunen zählt, die bereits die Zuweisungsquote erfüllen. Hasbergen muss bis Ende Juli noch 19 Schutzsuchende aufnehmen.

Während vor einem halben Jahr nur zehn Schutzsuchende in Hasbergen waren, sodass Ratsmitglieder bereits scherzten, dass es mehr Ehrenamtliche als Flüchtlinge gibt, hat sich die Situation nun grundlegend verändert: Mitte April hat die Gemeinde bereits 85 Asylbewerber.

Damit stehen die Zuweisungszahlen in Hasbergen in diametralem Widerspruch zum bundesweiten Flüchtlingszustrom. In Deutschland kamen in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres so viele Asylbewerber an wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Im ersten Quartal dieses Jahres blieben die Zahlen bundesweit wie landkreisweit deutlich hinter den Erwartungen zurück. In der Landesaufnahmebehörde Bramsche-Hesepe sank die Zahl gegenüber September 2015 sogar um 95 Prozent, im Landkreis Osnabrück kamen bis Ende März nur die Hälfte und in der Stadt Osnabrück nur ein Drittel der Asylbewerber an, die noch im Dezember prognostiziert wurden.

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Anders die Situation in der Hüggelgemeinde: Von 74 Flüchtlingen, die nach der Dezember-Quote ursprünglich im ersten Quartal nach Hasbergen kommen sollten, kamen immerhin 55. Zum Vergleich: Von Januar bis Anfang November 2015 kamen nur insgesamt vier Flüchtlinge nach Hasbergen. Da die Quote zur Verteilung der Asylbewerber auf die Kommunen wegen der bundesweit rückläufigen Flüchtlingszahlen aber verlängert wurde, muss Hasbergen bis Ende Juli nur noch 19 Flüchtlinge aufnehmen. Die Außenstelle Oldenburg der LAB Braunschweig, die für die Verteilung der Flüchtlinge auf die Kommunen innerhalb Niedersachsens zuständig ist, erklärte die unterschiedliche Verteilung der Flüchtlinge auf die Gemeinden im vergangenen Jahr damit, dass manche Gemeinden im vergangenen Jahr mehr Wohnraum für Flüchtlinge hatten als die anderen.

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20 Plätze im Bauhof neben dem Rathaus geschaffen, 17 weitere in anderem Objekt vorgesehen

Inzwischen hat Hasbergen mehr als genug Wohnraum. Von den insgesamt 85 Flüchtlingen in Hasbergen sind 38 in den Sammelunterkünften am Eisenbahnweg, 19 sind in der Rothenburg und die anderen sind in Wohnungen untergebracht. Bürgermeister Holger Elixmann kommentiert: „Hätte uns die Zahl von alleine im ersten Quartal aufzunehmenden 74 Personen bis zum 31. März noch vor Herausforderungen gestellt, die wir mit einigen Anstrengungen gerade noch hätten bewältigen können, so hat nun der Handlungsdruck deutlich nachgelassen.“ Neben einigen freien Plätzen in der „Rothenburg“ und am Eisenbahnweg habe die Gemeinde aktuell 20 Plätze im Bauhof neben dem Rathaus geschaffen. „In den renovierten Räumen könnten sofort Flüchtlinge untergebracht werden“, betont Elixmann. Zudem sei die Anmietung eines weiteren Objektes für maximal 17 Personen vorgesehen. Vollzug könne dort aber erst in Kürze nach dem Abschluss der Vertragsverhandlungen gemeldet werden.

„Wir können wieder agieren und müssen nicht mehr nur reagieren“

Zur Perspektive der Schutzsuchenden in seiner Gemeinde sagt Elixmann: „In Hasbergen erstellen wir bereits jetzt Pläne für eine nachhaltige und angemessene Unterbringung von zukünftigen Flüchtlingen.“ Die Verwaltung sei hier bereits im Gespräch mit der Politik. Derzeit sei Hasbergen diesbezüglich sehr gut aufgestellt. „In vertrauensvoller Zusammenarbeit mit der Politik haben wir sehr gute Lösungen gefunden“, resümiert Elixmann. „Nun können wir – bei veränderter Situation - wieder agieren und müssen nicht mehr nur reagieren.“

Hagen Vorbild in der Region

Die Nachbargemeinde Hagen ist bei den Flüchtlingszahlen schon einen Schritt weiter. Insgesamt 129 Schutzsuchende aus Kriegs- und Krisengebieten haben in der Kirschgemeinde ein neues Zuhause gefunden. Die bis Ende Juli zu erfüllende Aufnahmequote des Landes ist mit 70 Personen bereits komplett abgearbeitet.

Bürgermeister Peter Gausmann: „Unser Konzept, alle Flüchtlinge dezentral unterzubringen und durch lokale Paten auf ihrem Integrationsweg zu begleiten, hat sich bewährt.“ Die derzeitige Null-Situation bei der Aufnahmequote sei natürlich eine Momentaufnahme: „Niemand weiß derzeit, was in den kommenden Wochen und Monaten passiert.“

Die Gemeinde habe aktuell sogar noch einigen Wohnraum „in petto“. Hagens Bürgermeister: „Das ist eine Reserve für Fälle, in denen eventuell durch Familiennachzug weitere Flüchtlinge zu uns kommen.“ Hagen fordere aber nicht weitere Schutzsuchende an.

Die Konzentration gilt jetzt ganz der Integration der neuen Bürger durch Sprachkurse und Treffpunkt-Angebote sowie der Einbindung ins Arbeitsleben.