Neuer Job für Tolksdorf-Krüwel Neue Flüchtlingssozialarbeiterin in Hasbergen

Marita Tolksdorf-Krüwel ist seit dem 1. April Flüchtlingssozialarbeiterin in Hasbergen. Voraussichtlich ab Juni wird die 58-Jährige ihre Stelle als Gleichstellungsbeauftragte in Hasbergen dann neu aufgeben, denn sie weiß: „Flüchtlingsarbeit braucht immer mehr Zeit als Gleichstellungsarbeit.“Foto: Jean-Charles FaysMarita Tolksdorf-Krüwel ist seit dem 1. April Flüchtlingssozialarbeiterin in Hasbergen. Voraussichtlich ab Juni wird die 58-Jährige ihre Stelle als Gleichstellungsbeauftragte in Hasbergen dann neu aufgeben, denn sie weiß: „Flüchtlingsarbeit braucht immer mehr Zeit als Gleichstellungsarbeit.“Foto: Jean-Charles Fays

Hasbergen. Von der Gleichstellungs- zur Flüchtlingsbeauftragten: Marita Tolksdorf-Krüwel ist seit dem 1. April Flüchtlingssozialarbeiterin in Hasbergen. Die Stelle der Gleichstellungsbeauftragten wird neu ausgeschrieben.

Formal wird die 58-Jährige noch bis zur nächsten Ratssitzung am 23. Juni parallel als Gleichstellungsbeauftragte arbeiten, doch bis dahin will sie nur noch das Nötigste in ihrer alten Funktion machen: „Eigentlich wollte ich halbtags als Flüchtlingssozialarbeiterin und halbtags als Gleichstellungsbeauftragte weiterarbeiten, aber das hätte nicht geklappt.“ Die Arbeit mit Flüchtlingen nehme deutlich mehr Zeit als die Gleichstellungsarbeit ein. „Daher habe ich mich für die Flüchtlinge entschieden, weil ich mich ohnehin schon vorher für die Flüchtlinge engagiert habe und bereits seit einem Jahr die Koordination zwischen Verwaltung und Flüchtlingsforum übernehme.“

Anruf um 4 Uhr nachts aus dem Kreißsaal

Im Prinzip habe sie schon seit Anfang des Jahres in Vollzeit gearbeitet, weil die Einrichtung der Rothenburg als Flüchtlingsunterkunft und die Einrichtung einer anderen Wohnung für eine Flüchtlingsfamilie sie sehr beanspruchten. Tolksdorf-Krüwel erzählt eine Anekdote, die veranschaulicht, wie spontan sie helfen muss: „Wie sich erst nach der Ankunft einer Flüchtlingsfamilie für uns herausgestellt hat, war eine syrische Frau hochschwanger. Ich habe mit ihr vor der Entbindung geübt, wie sie den Krankenwagen rufen kann, wenn das Kind kommt.“ Auch die Ärztin im Krankenhaus hatte ihre Nummer und rief sie dann um 4 Uhr nachts aus dem Kreißsaal an. „Sie bat mich, bei der Verständigung zu helfen. Daraufhin rief ich eine syrische Bekannte von ihr an, die sie daraufhin im Krankenhaus angerufen und beruhigt hat. Bei der Entbindung hat dann alles gut geklappt.“

„Eigentlich spiele ich immer nur Feuerwehr“

So spiele Tolksdorf-Krüwel seit dem 1. April „eigentlich immer nur Feuerwehr“, sagt sie in ihrem Büro im Rathaus und lacht herzlich. „Man muss immer sehr flexibel sein. Manchmal ist es zu spontan, um Ehrenamtliche zu kontaktieren. Als sich eine Zweijährige den Arm gebrochen hat, als sie von einem Stuhl auf den Ellenbogen gefallen war und ins Marienhospital musste, habe ich sie begleitet und war insgesamt vier Stunden mit der Familie unterwegs.“

„Herr Tillner fragt mich schon, wie eigentlich meine Arbeitszeiten sind“

Nach knapp zwei Wochen in ihrer neuen Aufgabe kam sie diese Woche zum ersten Mal dazu, einen ganzen Tag im Büro zu verbringen, weil sie zuvor soviel mit Flüchtlingen und Ehrenamtlichen unterwegs war. „Herr Tillner fragt mich schon, wie eigentlich meine Arbeitszeiten sind“, sagt sie augenzwinkernd zur Zusammenarbeit mit dem Ordnungsamtsleiter und schmunzelt.

Für Flüchtlinge als Ein-Euro-Jobber organisiert sie Arbeitskleidung

Zwei Männer, die seit dieser Woche als eine Art Ein-Euro-Jobber beim Hof Wiebusch arbeiten, begleitete sie an ihrem ersten Arbeitstag. Zudem organisierte sie, dass sie mit entsprechender Arbeitskleidung ausgestattet werden. So können die Flüchtlinge durch Streichen oder Mähen nun helfen, den Reit- und Fahrverein in Schuss zu bringen. Solche Maßnahmen in gemeinnützigen Einrichtungen werden mit 1,05 Euro pro Stunde entschädigt und sind eine im Asylbewerberleistungsgesetz ausdrücklich vorgesehene Arbeitsgelegenheit.

Termin mit achtköpfiger Flüchtlingsfamilie bei Ausländerbehörde im Kreishaus

Zudem macht die studierte Pädagogin Termine mit den neuen Flüchtlingen bei der Ausländerbehörde. „Eine Familie, die mit sechs Kindern in der Rothenburg lebt, habe ich dazu lieber selbst ins Kreishaus begleitet. Denn beim ersten Termin ist es wichtig, dass alle dabei sind und mit sechs Kindern ist das schon etwas aufwendiger“, berichtet sie.

WhatsApp-Gruppe mit Bufdi und Ehrenamtlichen

Zur Organisation der Termine hat sie auf ihrem Smartphone eine WhatsApp-Gruppe eingerichtet. In diese Gruppe hat sie den neuen Bundesfreiwilligendienstler (Bufdi) der Gemeinde, Emin Ahmed, eingeladen, der ins Arabische und Kurdische übersetzen kann, und vier Ehrenamtliche aus dem Flüchtlingsforum, die sich um die Fahrten ins Kreishaus kümmern.

Weiterlesen: Vom Flüchtling zum Bufdi: Emin Ahmed beginnt Freiwilligendienst bei Gemeinde Hasbergen

Flüchtlingsarbeit als Herzensangelegenheit

Die neue Aufgabe ist zwar stressiger, bereitet ihr aber sichtlichen Spaß, „weil sie so spannend und abwechslungsreich ist“. Zudem ist es ihr eine Herzensangelegenheit. Ehrenamtlich hat sie schon vor einem Jahr angefangen, einen Fahrdienst von den Hasberger Flüchtlingsunterkünften am Eisenbahnweg zur Tafel nach Georgsmarienhütte zu organisieren. Damals reichte ein Auto, jetzt brauchen die Ehrenamtlichen für den wöchentlichen Fahrdienst schon vier Autos. Diesen Fahrdienst zur Tafel baut sie jetzt auch von der Rothenburg zur Tafel auf. Sie betont: „Allerdings müssen die Fahrten dann die Ehrenamtlichen übernehmen, weil ich das mit meinem Arbeitspensum als Flüchtlingssozialarbeiterin jetzt nicht mehr vereinbaren kann.“


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