Fußballtreff mit Flüchtlingen Wegducken kommt für Guido Thösink nicht in Frage

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Die integrative Kraft des gemeinsamen Sporttreibens haben Guido Thösink (Dritter kniend von rechts), Colin Mullen (links daneben) und Emin Ahmed (links neben Mullen), Bufdi bei der Gemeinde Hasbergen, zusammen mit den Flüchtlingen und deutschen Freunden erkannt. Foto: Horst TroizaDie integrative Kraft des gemeinsamen Sporttreibens haben Guido Thösink (Dritter kniend von rechts), Colin Mullen (links daneben) und Emin Ahmed (links neben Mullen), Bufdi bei der Gemeinde Hasbergen, zusammen mit den Flüchtlingen und deutschen Freunden erkannt. Foto: Horst Troiza

Hasbergen. Als ihn im vergangenen Jahr seine Jogging-Route an der Flüchtlingsbaracke vorüberführte, kam der Guido Thösink auf die Idee, gemeinsam mit den dort Untergebrachten Sport treiben zu können. Ein Lauftreff erwies sich als nicht durchführbar, weil die Herzen der jungen Männer aus dem Orient für den Fußball schlagen. Der Hasberger hat es mit der Hilfe des Flüchtlingsforums geschafft, eine regelmäßige Fußballrunde zu etablieren.

Mehr als 20 junge Männer und Frauen bevölkern an diesem Sonntagnachmittag das Parkett der Sporthalle am Schulzentrum. Die meisten von ihnen sind Flüchtlinge, stammen aus Syrien oder gehören dem kurdischen Volk an. An jedem zweiten Sonntag treffen sie sich mit ihren deutschen Freunden hier zum Fußballspielen. Sie alle vereint der Spaß am Fußball. Grenzen, die durch unterschiedliche Nationalitäten oder Religionen gezogen werden, gibt es bei ihnen nicht.

Langeweile

„Es waren die Berichte, die ich über die Medien wahrnahm, die mich auf diese Idee gebracht haben“, erklärt der 40-jährige Hasberger. Nach der Flucht aus der Heimat waren die jungen Männer über Monate unterwegs gewesen, um dann in der Unterkunft am Bahnhof in Hasbergen zu landen. Er hatte sich das Ausmaß der Langeweile unter den Bewohnern vorstellen können, die dort darauf warteten, dass es irgendwie mit ihnen weiterginge, sie Arbeit erhielten oder ihre Ausbildung weiterführen könnten.

Thösink war zur Gemeindeverwaltung gegangen, wo er seine Absicht dargelegt hatte. Dort war ihm den Kontakt mit der Flüchtlingshilfe vermittelt worden, bei der er seine Idee während einer Sitzung vorgestellt hatte. Zusammen hatten sie einen Lauftreff nicht als praktikabel gesehen, „aber Fußball, das würde gehen, waren wir uns sicher“.

Zuerst 5, jetzt 20

Und so begannen Thösink und Colin Mullen von der Flüchtlingshilfe mit fünf jungen Flüchtlingen Fußball zu spielen. Bis heute hat sich die Sache auf mehr als 20 Teilnehmer ausgewachsen, die regelmäßig zum Fußballtreff kommen. „Es gibt doch kaum ein besseres Instrument zur Integration als den Sport“, sagt Thösink. Als junger Mann hatte er während seines Zivildienstes mit ausländischen Jugendlichen zusammengearbeitet, diese Erfahrung konnte er nun gut gebrauchen.

„Es ist toll, dass unsere Sache auch von außen unterstützt wird“, freut er sich. Vor einer Weile erhielt die Gruppe von einem großen Osnabrücker Sporthaus Kleidung und Schuhe, vom DFB gab es 500 Euro für weitere Ausrüstung. Inzwischen treffen sich die Teilnehmer nicht nur zum gemeinsamen Kicken, sondern unternehmen auch andere Aktivitäten wie den Besuch eines Spiels des VfL Osnabrück oder eines Klettergartens.„In einer Situation wie der Ankunft vieler Flüchtlinge darf man sich nicht wegducken, man muss etwas anpacken“, ist der im Hauptberuf als Elektroingenieur tätige Hasberger überzeugt. Auch wenn dann manchmal nicht mehr ganz so viel Zeit für die Ehefrau und die zwei Kinder bleibt.


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