Flüchtlingsbaracke in Hasbergen Flüchtlingsrat: Asylbewerber in Wohnungen unterbringen

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Hasbergen. Der Geschäftsführer des niedersächsischen Flüchtlingsrats, Kai Weber, hat die Gemeinde Hasbergen aufgefordert, seine Flüchtlinge „dezentral“, also in Wohnungen unterzubringen. „Gemeinschaftsunterkünfte haben schon historisch die Funktion der Abschreckung von Asylbewerbern“, sagte Weber im Gespräch mit unserer Redaktion. „Das erklärt unsere nachhaltige Gegnerschaft.“ Er rügte auch, dass die Intimsphäre nicht gewahrt wird, wenn die Zimmer doppelt belegt werden.

Weber forderte die Hüggelgemeinde auf, den Flüchtlingen „ein Konzept für eine nachhaltige Integration“ zu präsentieren. Eine befristete Unterbringung in einer Gemeinschaftsunterkunft sei allenfalls kurzfristig zu akzeptieren, wenn die Perspektive zur Integration in der Gemeinde klar ist. Dabei sei die dezentrale Unterbringung entscheidend. Für die Gemeinde gebe es dazu zwei Optionen: „Entweder die Kommune mietet selbst Wohnraum an und vermietet ihn an Flüchtlinge oder sie bietet ein Auszugsmanagement an, um die Flüchtlinge zu unterstützen, privat eine Wohnung in Hasbergen anzumieten.“ Für eine erfolgreiche Integration müsste zudem die professionelle Sprachvermittlung in Hasbergen vorangebracht werden. Um sich ein Bild von dem von Flüchtling Bali Ahmed und Sozialdemokrat Ubbo Weerts beschriebenen desolaten Zustand (wir berichteten) der Flüchtlingsbaracke zu machen, stellte Weber in Aussicht, dass er selbst oder ein regionaler Vertreter des Flüchtlingsrats die Unterkunft bei nächster Gelegenheit in Augenschein nehmen.

Derweil gab der Leiter des Ordnungsamts, Martin Tillner, auf Anfrage bekannt, dass die Gemeinde pro Zimmer in der Flüchtlingsbaracke oder auch in dem neuen Container am Eisenbahnweg eine „Nutzungsentschädigung von 250 Euro“ inklusive der Nebenkosten bekomme.

Der designierte FDP-Chef im Landkreis Osnabrück Matthias Seestern-Pauly kritisierte: „Wenn diese Baracke seit mehr als 20 Jahren als Flüchtlingsunterkunft dient, dann ist das haarsträubend.“ Als Notlösung für einen kurzen Zeitraum sei diese Unterbringung vielleicht nachvollziehbar, doch nicht als langfristige Lösung für Asylbewerber über Jahrzehnte. „Das ist menschenunwürdig. Man muss bedenken, dass diese Menschen viel Schlimmes in ihrem Leben erlebt haben und traumatisiert sind.“

Seestern-Pauly ist es auch unverständlich, wie der Innenminister Boris Pistorius das Hasberger Flüchtlingskonzept für seine Unterkünfte im Zentrum noch vor wenigen Monaten loben konnte, ohne auf den unwürdigen Zustand der Baracke einzugehen. „Sicherlich hat er ohne Kenntnis der Zustände vor Ort aus vorauseilender Parteiräson einen Altparteisoldaten gelobt. Wenn er sich aber sogar zuvor ein Bild von der Lage gemacht hat, dann kann er dieses Lob nicht ernst meinen.“ Schließlich müssten diese Menschen, die in Syrien oder anderen Krisengebieten der Welt sehr viel Schlimmes erlebt haben, mit sehr viel Feingefühl behandeln und alles tun, um ihnen die Situation vor Ort menschenwürdig zu gestalten. „Dazu gehören bereits Kleinigkeiten. Man kann zum Beispiel das Schild ,Hier keinen Schutt abladen‘ vor der Baracke wegnehmen“. Schließlich bedürfe so eine Selbstverständlichkeit nicht eines solchen Hinweises. Seestern-Pauly zeigte sich aber überzeugt, dass Elixmann bei der Suche nach einer dezentralen Unterbringung nun auf die Unterstützung des Hasberger Rates bauen könne.

Der Sprecher von Innenminister Pistorius, Philipp Wedelich, bestätigte, dass Pistorius keine Kenntnis vom Zustand der Flüchtlingsbaracke hatte: „Der Innenminister kennt die Flüchtlingsunterkunft selbst nicht und hat sich zu dieser dementsprechend weder im Rahmen des genannten Termins noch an anderer Stelle explizit geäußert“, kommentierte Wedelich eine Anfrage unserer Redaktion, ob Pistorius bei seiner Rede im Januar bei der Jahreshauptversammlung der Hasberger SPD um den desolaten Zustand der Flüchtlingsbaracke wusste.

Der Chef der Grünen-Kreistagsfraktion, Rainer Kavermann, kündigte an, den Zustand der Flüchtlingsbaracke in Hasbergen im Rahmen der Tour „Zuflucht und Nachbarschaft“ mit der Landtagskandidatin der Grünen, Filiz Polat, zu besuchen.


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