Immerhin ein Tropfen Hasbergerin berichtet über Hilfsprojekte in Indien

Von Danica Pieper


Hasbergen. Es ist ein Land, in dem unvorstellbarer Reichtum und eine noch unvorstellbarere Armut oft direkt nebeneinanderliegen: Indien. Die Osnabrücker Domschule engagiert sich bereits seit 30 Jahren für soziale Projekte in dem asiatischen Land. In der Hasberger Christusgemeinde stellte die stellvertretende Schulleiterin Sabine Müller jetzt einige dieser Projekte vor, die sie im vergangenen Oktober besuchte.

„Wir freuen uns, dass die Glaubenssachen so interessant sind“, schmunzelte Pastor Guido Schwegmann-Beisel, denn es waren mit rund 40 Gästen so viele Besucher wie noch nie zu der monatlichen Veranstaltung im evangelischen Gemeindezentrum gekommen. Der Grund: der Vortrag „Bildung gegen Armut“ von Sabine Müller über soziale Projekte in Indien.

Hilfe seit 30 Jahren

Seit 30 Jahren unterstützt die Osnabrücker Domschule die Arbeit des indischen Paters Franklin Rodrigues, der sich besonders für bedürftige Kinder einsetzt. Im vergangenen Oktober reiste Müller, die auch Mitglied der Hasberger Christusgemeinde ist, mit zwei Kollegen von der Domschule sowie zwei Lehrern des Gymnasiums in der Wüste erstmals nach Indien, um sich die verschiedenen Projekte vor Ort anzusehen.

Erste Station für die Gruppe war Kalkutta. Dort organisieren Pater Franklin und sein Orden der „Pilar Fathers“ die Aktion „One Meal a Day“. Jeden Tag verteilen sie eine Mahlzeit an 150 bis 200 Obdachlose und führen Gespräche mit ihnen. Angesichts einer geschätzten Einwohnerzahl Kalkuttas von rund 14 Millionen ist das nur „ein Tropfen auf den heißen Stein, aber immerhin ein Tropfen“, erklärte Müller.

Ziegenprojekt

Danach ging es für die Reisenden in das ländlich geprägte Ranchi. Hier findet zurzeit das „Ziegenprojekt“ statt, in dessen Rahmen eine Familie zwei Ziegen bekommt. Das erste Zicklein, das daraus entsteht, muss sie wieder abgeben, aber die anderen Ziegen kann die Familie für Milch nutzen oder verkaufen. „Durch Ziegenpärchen kommen diese Familien zu Wohlstand“, erklärte Müller.

Ausgangspunkt Bhopal

Schwerpunkt der Arbeit von Pater Franklin ist Bhopal. Nach der verheerenden Chemiekatastrophe vor gut 30 Jahren kaufte der Geistliche dort ein Stück Land, auf dem mittlerweile Heime für Waisen sowie Kindergärten und Schulen entstanden sind. Etwa 1500 Kinder, die sonst wohl keine Überlebenschance hätten, leben dort. Sie lernen aber nicht nur, sondern werden auch auf das Leben nach der Schule vorbereitet, damit sie für sich selbst sorgen können.

Nähschule

Eine der neuesten Einrichtungen ist die Nähschule, in der junge Frauen eine Ausbildung zur Näherin machen können und zum Abschluss eine Nähmaschine erhalten – der erste Schritt in die Selbstständigkeit. Auch Kolonien für Leprakranke und ehemalige Leibeigene hat Pater Franklin aufgebaut.

Nach ihrem Aufenthalt in Bhopal reisten Müller und ihre Kollegen zum Abschluss nach Mumbai, wo sie sahen, dass Slums oft direkt neben den Vierteln der reichen Inder liegen.

Großes Engagement

Besonders beeindruckt zeigte sich Müller vom leidenschaftlichen Engagement der Geistlichen vor Ort und von der großen Gastfreundschaft. Gleichzeitig sei ihr aber auch klar geworden, wie wichtig die Spenden aus Deutschland sind: „Wenn die auf einmal wegbrechen würden, hätten die Kinder in Bhopal nichts zu essen“, erklärte sie.

Unterstützt werden die Projekte auch vom Verein „Indienhilfe Deutschland“, der fast hundert Prozent seiner Einnahmen an Pater Franklin weiterleitet. Trotz der großen Not würde Müller sofort wieder nach Indien reisen: „Es gibt viel Ernstes, aber man sieht auch, dass das Geld ankommt.“


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