Neubau so teuer wie Sanierung Rathaus Hasbergen in katastrophalem Zustand

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Möglicherweise muss Bürgermeister Holger Elixmann wegen des katastrophalen Rathaus-Zustands bald umziehen. Foto: Elvira PartonMöglicherweise muss Bürgermeister Holger Elixmann wegen des katastrophalen Rathaus-Zustands bald umziehen. Foto: Elvira Parton

Hasbergen. Das Rathaus Hasbergen ist in einem so katastrophalen Zustand, dass ein Neubau genauso teuer wie eine Sanierung wäre. Ein mit der Voruntersuchung für die Sanierung beauftragter Experte bezifferte die Sanierungskosten im Bauausschuss am Donnerstagabend auf 2,6 Millionen Euro. Der SPD-Fraktionschef Hardy Fischer sprach von „einem ganz schönen Hammer“. Das Thema „Zentale Mitte“ wird erst im Bauausschuss im Februar besprochen.

Der Architekt und Stadtplaner Johannes Fricke zählte mehr als eine halbe Stunde nüchtern die Mängel auf. Die Bilder in einer Power-Point-Präsentation unterstrichen den stark sanierungsbedürftigen Gesamteindruck. „Die Sanierungskosten pro Quadratmeter betragen 2260 Euro. Damit kann man auch einen Neubau mittleren Standards erstellen“, beschloss er seinen Vortrag über das vor mehr als 70 Jahren erstellte Rathaus . Neben dem „abgewohnten Gesamteindruck“, wie Fricke sich ausdrückte, sind die mangelnde Barrierefreiheit, der mangelnde Brandschutz und die mangelnde Wärmedämmung die größten Probleme. Zudem beinhaltete die Kostenschätzung den Anbau eines 100 Quadratmeter großen Sitzungssaals.

Im gesamten Gebäude gibt es weder Treppenlift noch Aufzug oder Behindertentoilette. „Die aktuelle Türbreite von 88,5 Zentimeter ist nur eingeschränkt rollstuhlgerecht. Besser wären ein Meter Türbreite“, analysierte Fricke. Doch diese plante er bei seiner Sanierung aus Platzgründen gar nicht ein. Ein Aufzug sowie ein behindertengerechtes WC sei für ein öffentliches Gebäude aber unbedingt nötig.

Experte: „Die technische Ausstattung ist zu 100 Prozent zu erneuern, der Brandschutz nicht vorhanden“

Die Mängelliste führt er fort: „Das Gebäude erfüllt energetisch in keiner Weise den Wärmeschutz-Standard.“ Zudem geht er von Asbest „in geringem Maße“ aus, der aber nicht gesundheitsgefährdend sei. „Die technische Ausstattung ist zu 100 Prozent zu erneuern, der Brandschutz nicht vorhanden“, betonte er. Einer der wichtigsten Schritte sei die Abschottung der Holzbalken-Decke. Im Keller stellte er Feuchtigkeit fest. Deshalb müsse ringsum ausgeschachtet werden, um die Keller- und Außenwände abzudichten. Zudem müssten sämtliche Außenfenster erneuert werden. Die Hälfte der Innenwände muss laut Fricke zudem bis auf den Rohbaustandard abgeschält werden. Sämtliche Decken sowie die Bodenbeläge müssten erneuert werden. „Auch das Dach auf dem Altbau ist vollständig zu erneuern“, konstatierte der Architekt aus Hannover. Außerdem müsste während der Sanierung die Hälfte der Verwaltung für 18 Monate in ein Containerdorf ausgegliedert werden. So kam Fricke auf 1,7 Millionen Euro nur für die Sanierung und den Umbau des Bestands. Zuzüglich des Erweiterungsbaus für den neuen Ratssitzungssaal beziffert er die Brutto-Baukosten auf zwei Millionen Euro. Für die Planungs- und Nebenkosten würden einen Aufschlag von 30 Prozent fällig, sodass die Sanierung insgesamt 2,6 Millionen Euro kosten würde.

Architekt: „Die energetische Sanierung hätte dann immer noch nicht annähernd Neubau-Standard.“

Allerdings betonte er auch: „Die energetische Sanierung hätte dann immer noch nicht annähernd Neubau-Standard.“ Ein weiteres Problem wäre die barrierefreie Erschließung ohne durchgängige Rollstuhlgerechtigkeit. „Für dieselbe Summe würde man bei einem Neubau 100 Prozent Rollstuhlgerechtigkeit bekommen“, erklärte er. Ein weiteres Manko ist, dass der Erweiterungsbau sogar Parkfläche wegnehmen würde und das Parkplatzproblem noch gar nicht Bestandteil der Planung war.

Bürgermeister Elixmann: „Das Rathaus ist nur im Zusammenhang mit der Zentralen Mitte Hasbergen zu sehen“

Bürgermeister Holger Elixmann sagte nach dieser katastrophalen Bestandsaufnahme: „Das Rathaus ist nur im Zusammenhang mit der Zentralen Mitte Hasbergen zu sehen.“ Sie sei ein Baustein der weiteren Entwicklung. Über diese Entwicklung will Elixmann aber erst in der nächsten Bauausschusssitzung im Februar sprechen. „Ich denke, hier ist ein Moderationsprozess vonnöten. Zurzeit sind wir in Gesprächen mit verschiedenen Anbietern.“ In den zweieinhalb Wochen seit Amtsantritt bis zur Bauausschusssitzung hätte er diese Auswahl noch nicht abschließen können. Somit wird das wichtigste Hasberger Thema ins nächste Jahr verschoben. Dass die Lösung des Problems „Zentrale Mitte“ 2015 sein wichtigstes Projekt sein wird, hatte er bereits bei Amtsantritt im Gespräch mit unserer Zeitung versprochen .


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