Ein Name, drei Wege Jahnstraße in Gaste mit kurioser Streckenführung

Von Michael Pohl

Wenn man so will, gibt es sie dreimal im Hasberger Ortsteil Gaste: die Jahnstraße. Foto: Michael PohlWenn man so will, gibt es sie dreimal im Hasberger Ortsteil Gaste: die Jahnstraße. Foto: Michael Pohl

Hasbergen. Im Hasberger Ortsteil Gaste ist der Sport zuhause. Deutlich wird dies durch die Ansiedlung der Spielvereinigung Gaste-Hasbergen. Aber auch vor der Benennung der Straßen macht der Sport nicht halt. Mit der Jahnstraße hat Gaste einen bedeutenden Vordenker des Sports als Paten.

Aus Richtung Osnabrück über die Hauptstraße (K306) kommend biegt der Besucher nach links in die Jahnstraße ein. Weiter geht der Weg vorbei an Wohngebäuden, Wiesen und Feldern. Gesäumt wird die Straße von vielen hoch gewachsenen Bäumen. Ebenfalls nach links biegt von der Hauptstraße die Straße „Am Sportplatz“ ab. Diese unterbricht etwa auf halber Strecke den Verlauf der Jahnstraße. Ab dieser Kreuzung führt der Weg zunächst den Namen „Am Sportplatz“ fort, ehe er wieder zur Jahnstraße zurückkehrt. Zudem zweigt etwa auf halber Höhe des angrenzenden Fußballplatzes von der Straße „Am Sportplatz“ ebenfalls ein Weg ab, der den Namen Jahnstraße führt. Damit bezieht sich dieser Straßenname auf drei Wege, die nicht direkt zusammenhängen.

Wenn auch die Benennung dieser Straßen auf eine rege Sportbegeisterung hindeutet, muss man jedoch feststellen, dass Freizeitgestaltung und Sport nach unserem heutigen Verständnis in Hasbergen bis zur Wende des 20. Jahrhunderts nicht bekannt waren. Da die Bewohner vorwiegend schwere körperliche Arbeit verrichteten, wäre es schwer verständlich gewesen, wenn junge Menschen ihre Kräfte anders als zur Arbeit eingesetzt hätten. Obwohl bereits 1810 Sport als Volksbewegung durch Friedrich Ludwig Jahn bekannt gemacht wurde, setzte sich diese Idee erst 1843 in Deutschland durch.

Allerdings war die Idee der körperlichen Ertüchtigung nicht von Anfang an rein friedlicher Natur. Der im Jahr 1778 in Brandenburg geborene Pädagoge war ein Gegner der Kleinstaaterei. So gelangte Jahn zu der Überzeugung, dass eine Vereinigung aller deutscher Staaten angestrebt werden müsse. Für den dafür notwendigen Kampf gründete Jahn 1810 mit elf Freunden in der Hasenheide bei Berlin den geheimen „Bund zur Befreiung und Einigung Deutschlands“. Waren die Hauptbeschäftigungen des Vereins zunächst ausgedehnte Wanderungen, entwickelte sich daraus allmählich regelmäßiges Turnen. Die Bezeichnung „Turnvater“ steht im Zusammenhang Jahns mit den ersten öffentlichen Treffen der Turnfreunde am 19. Juni 1811 auf der Hasenheide, die damit Deutschlands erster Turnplatz wurde. Neben Geräteturnen am Barren und Reck, übten sich die Sportler auch im Schwimmen und Fechten. So vorbereitet folgten einige Anhänger Jahn zum Beitritt ins Lützowsche Freikorps. Dieses Korps nahm 1813 an der Völkerschlacht bei Leipzig teil und half die Niederlage Napoléons herbeizuführen.

In Hasbergen bestand der erste Turnverein von 1920 bis 1930. Diesem gehörten nur Männer an, die sich zu Übungsabenden in der Gaststätte Schierke trafen. Vorturner war der damalige Lehrer Friedel Kuhle. Leider wurde dieser Verein aufgelöst und dessen Geräte nach Georgsmarienhütte gebracht. Parallel erstand 1922 der „Arbeiter-Radfahrverein Solidarität – Frischauf“. Seine Gründung ging auf Mitglieder der Sozialdemokraten um den späteren Bürgermeister Temme zurück. Während das Schulzentrum Hasbergen erst 1969 mit dem Außensportbereich und einer modernen Turnhalle eine Sportanlage erhielt, die internationalen Maßen gerecht wurde, gelang es in Gaste, eine seit bereits 1932 bestehende Fußballwiese umzugestalten. Über die Jahre entwickelte sich hier eine gute Sporteinrichtung, die 1976 durch eine Turnhalle abgerundet wurde. Auch der Ortsteil Ohrbeck verfügt über eine Fußballanlage, die aufgrund finanzieller Schwierigkeiten erst 1968 in Betrieb genommen wurde.