Berührendes Theater Stück zum NS-Terror: Premiere im Augustaschacht Hasbergen


cby Hasbergen. Schweigend sitzt der alte Mann im Rollstuhl und betrachtet gedankenversunken alte Fotoaufnahmen. Es ist eine der ersten Szenen des Theaterstücks „de Rozentuin – der Rosengarten“, das jetzt in der Hasberger Gedenkstätte Augustaschacht vor rund 120 Zuschauern seine deutschlandweite Premiere beging.

Anfang November wurde das Stück, ein niederländisch-deutsches Theaterprojekt, bereits in der niederländischen Gedenkstätte National Monument Kamp Amersfoort aufgeführt und traf dort dem Vernehmen nach auf großen Zuspruch. Nicht anders bei der Deutschlandpremiere. Von enormer schauspielerischer Intensität geprägt, boten die beteiligten Senioren und Jugendlichen ein eindrückliches Stück, dessen Inhalte die Themen der beiden Gedenkstätten aufgriff und zu einer beeindruckenden Geschichte verdichtete.

Voraus gingen intensive gemeinsame Recherchen. Insgesamt zehn Tage waren die deutschen Schauspieler in Amersfoort zu Gast, auch, um dort mit Zeitzeugen zu sprechen. Unterstützung leistete an diesem Premierenabend auch der Amersfoorter Videokünstler Theo van Delft mit Videoprojektionen. Von turbulenter Musik begleitet wurden Jahreszahlen an die Wand geworfen, die immer wieder auf Zeitsprünge hinwiesen.

Plötzlich ein Schrei

So wurden die Zuschauer in die frühen 40er-Jahre des von den Deutschen besetzten Amersfoort geleitet. Hier stellte sich das lebenslustige Mädchen Rosalie vor und kurz darauf füllten rund 20 fröhlich tanzende Menschen den Bühnenbereich. Als plötzlich ein markerschütternder Schrei ertönte, blickten die Anwesenden unsicher umher. „Aufmachen, Sicherheitsdienst“, dröhnte es grob durch den Raum. Flammen wurden an die Wand projiziert, die Menschen begannen zu schreien. Am Ende dieser bedrückenden Szene nahm ein Scherge des SS-Sicherheitsdienstes SD einer Mutter ihren Sohn, um ihn zur Zwangsarbeit nach Deutschland zu verschleppen. Kurz darauf standen drei Frauen frierend am Bahnsteig, in der Hoffnung, ihren verschleppten Männern dort vor der Abfahrt noch einige Habseligkeiten mit auf den Weg geben zu können. Als die Männer, von SS-Männern bewacht, plötzlich am Gleis erschienen, machten die Frauen durch verzweifelte Rufe auf sich aufmerksam. Doch all ihre Versuche blieben wirkungslos.

Es waren intensive Szenen wie diese, die dem Theaterstück immense Glaubwürdigkeit verliehen und förmlich unter die Haut gingen. Dabei wirkten die Emotionen so echt, die Szenerie so ergreifend, dass manchem Betrachter gelegentlich nur noch schwer möglich war, zwischen Realität und fiktivem Spiel zu unterscheiden. Unterstützt wurde dies auch durch gelegentliche Erklärungen oder Reflexionen, mit denen sich die Schauspieler in Richtung Publikum wandten.

Die Wucht der präsentierten Alltagszenen, in denen sich die Unmenschlichkeit der Besatzung spiegelte, aber zugleich auch der Widerstandwillen der betroffenen Menschen Ausdruck fand, fesselte und machte zugleich betroffen. Dies war auch ein Verdienst der Choreografin Lenna Schouten und der Regisseure Katrin Orth und Ralf Siebenand vom Osnabrücker Musiktheater Lupe. Der karge, ehemalige Schlafsaal der Zwangsarbeiter im Augustaschachtgebäude bot dabei eine Kulisse, die mit dem Inhalt des Stücks eng korrespondierte.

Sting zum Abschluss

Immer wieder entwickelten sich deutsch-niederländische Dialoge, beispielsweise als sich der junge Hank und Rosalie annäherten und doch erleben mussten, wie die Umstände ihrer Zeit ihnen keinen Raum für Zweisamkeit ließen. „Erzählen sie ihre Geschichte, immer und immer wieder und fangen sie am besten gleich damit an“, lauteten die letzten Sätze des Stücks, bevor schließlich alle beteiligten Schauspieler nach vorne traten, um Stings „Tears from the Stars“ vorzutragen.

Die Gedenkstätte im Netz: www.gedenkstaetten-augustaschacht-osnabrueck.de