Thema: Freiheit Polnische Theologin gestaltet Reformationsfest in Hasbergen

Gemeinsam gestalteten Diakoniepastorin Doris Schmidtke (links) und Theologin Agnieszka Godfrejow-Tarnogorksa den Reformationsgottesdienst in der Christuskirche. Foto: Mareike KaterkampGemeinsam gestalteten Diakoniepastorin Doris Schmidtke (links) und Theologin Agnieszka Godfrejow-Tarnogorksa den Reformationsgottesdienst in der Christuskirche. Foto: Mareike Katerkamp

mka Hasbergen. Dass Frauen in der katholischen Kirche nicht zum Priester geweiht werden können, ist hinlänglich bekannt. Dass es aber auch in der evangelisch-lutherischen Kirche noch Länder gibt, in denen Frauen das Pfarrerinnenamt verwehrt bleibt, dürfte auch einigen Besuchern des diesmal zweisprachigen Gottesdienstes zum Reformationstag am Freitag in der Christuskirche Hasbergen neu gewesen sein.

Zu Gast war die 41-jährige polnische Theologin Agnieszka Godfrejow-Tarnogorksa. Gemeinsam mit Diakoniepastorin Doris Schmidtke gestaltete sie den Abend zum Reformationsfest auf Deutsch und auf Polnisch. „Frau Godfrejow-Tarnogorksa ist ein gutes Beispiel für Frauen, die immer noch um ihre Rechte kämpfen müssen“, betonte Diakoniepastorin Schmidke. Denn während es in Deutschland in evangelisch-lutherischen Kirchengemeinden bereits gang und gäbe ist, dass Frauen das Pfarrerinnenamt bekleiden, ordiniert die lutherische Kirche in Polen bis heute keine Frauen. Godfrejow-Tarnogorska: „Wir sind dort in einer Minderheit, über 90 Prozent in Polen sind Katholiken.“ Umso aktiver ist die Theologin in ihrem Heimatland. Sie arbeitet als Katechetin, ist als Koordinatorin für den Lutherischen Weltbund engagiert und gründete 2008 das Diakonie-Büro in Krakau.

Das Thema für ihre Predigt in der Christuskirche stand für Godfrejow-Tarnogorska dann auch schnell fest. „Ich möchte über Freiheit sprechen“, begann die Polin und unterstrich: „Es gibt so viele Ansichten von Freiheit. Für mich ist es die Möglichkeit, ohne Probleme reisen zu können. Für andere ist es schlicht, denken zu dürfen, was sie wollen.“ Die Theologin verknüpfte diese Aspekte mit Luthers Suche nach Freiheit und machte abschließend deutlich: „Allein die Bibel öffnete ihm den Weg des Verstehens. Jesus ist der Befreier, er gibt uns die Erkenntnis über Gott und leitet uns zur geistigen Reife.“

Bei einem anschließenden Imbiss im Gemeindezentrum berichtete Godfrejow-Tarnogorska noch einmal tiefgründiger von ihrer Situation in Polen, bevor ihre Reise weiter nach Hannover zur Tagung „50 Jahre Frauenordination in der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover“ ging. Einige Eindrücke aus Osnabrück und Umgebung sind aber bereits jetzt bei ihr hängen geblieben. Godfrejow-Tarnogorska: „Ich bin überwältigt von den Diakonieeinrichtungen hier und der Arbeit, die die Menschen dort leisten. Es zeigt, welch wichtige Rolle die Kirche für die Gesellschaft spielt.“