Straßenkunde: Stüvestraße Erinnerung an die Bauernbefreiung in Hasbergen

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Ländlich geprägt ist die Stüvestraße in Hasbergen. Foto: Michael PohlLändlich geprägt ist die Stüvestraße in Hasbergen. Foto: Michael Pohl

Hasbergen. Bevor sich die heutige Wirtschaft in Hasbergen entwickelte, bestand diese vorwiegend aus unfreien landwirtschaftlichen Betrieben. Die Befreiung der Bauern erfolgte erst im 19. Jahrhundert durch das Engagement Johann Carl Bertram Stüves. Eine Straße in Hasbergen bewahrt ihm ein ehrendes Andenken.

An der westlichen Flanke des Hüggel gelegen, verläuft die Stüvestraße von Norden nach Süden zwischen der Eisenbahnlinie Osnabrück/ Münster und dem Roten Berg hindurch. Von Norden über den Eisenbahnweg kommend gelangt der Besucher an der Kreuzung Friedenshöhe in gerader Linie auf die Stüvestraße. Der Weg führt entlang einiger Wohnhäuser und Felder. Etwa auf halber Strecke gabelt sich der Weg in drei Abzweigungen, die den Namen fortführen. Nur wenige Meter weiter passiert der Reisende einen Weg, der rechter Hand zu den Ställen des Reit- und Fahrvereins Hasbergen führt. Im weiteren Verlauf überquert der Weg eine kleine Anhöhe nach dessen Besteigung sich dem Wanderer ein weiter Blick über die angrenzende Haslage erschließt. An ihrem Ende geht die Stüvestraße in Höhe des Turnierplatzes der Reiter in die Straße Haslage über.

Die 1962 nach Stüve benannte Straße ist mit Bedacht ausgewählt worden. Ihr hauptsächlich durch Landwirtschaft geprägter Charakter spiegelt das Anliegen ihres Namensgebers wider. Der am 4. März 1798 als Sohn des Osnabrücker Bürgermeisters Heinrich David Stüve geborene Rechtswissenschaftler, ließ sich aus Rücksichtnahme gegenüber seiner Mutter in Osnabrück als Advokat nieder. Bereits im Alter von 26 Jahren war er Mitglied der Hannoverschen Ständeversammlung.

Stüve hatte es sich zum Lebensziel gemacht, die unfreien Bauern aus ihrer Abhängigkeit gegenüber adeligen Landbesitzern zu befreien. Während die preußischen Gemeinden wie Tecklenburg, Oldenburg oder Minden sich bereits zwischen 1808 und 1820 erste Bauern freikaufen konnten, waren die Bauern im Land Hannover weiter unfrei. Durch Stüves Hartnäckigkeit wurde am 10. November 1833 das Hannoversche Ablösungsgesetz erlassen.

Dass Stüve bei seinem Bemühen auch von Bauern aus Hasbergen unterstützt wurde, beweist eine Petition vom 18. Januar 1831. Diese trägt zahlreiche Unterschriften von Landwirten aus der Region der Hüggelgemeinde. Angeführt wurden diese von einem selbstständigen Bauern, einem sogenannten Colon, Richter aus Gaste. Aus der Hasberger Chronik geht hervor, dass Richter ebenfalls für sein Bemühen um die Sache der Bauern bekannt ist.

Mit der erfolgreichen Durchsetzung ihrer Interessen konnten sich die Bauern mit der Zahlung einer Geldsumme in Höhe des 25-fachen einer Jahresabgabe freikaufen. Im Gegenzug erhielten sie die bewirtschafteten Liegenschaften im vollen Umfang als Eigentum. Um diese Geldmengen aufbringen zu können, wurde ihnen ebenfalls gestattet, Grundbesitz an Dritte zu veräußern.

Neben seinen Verdiensten um die Befreiung der Bauern gilt Johann Carl Bertram Stüve als Gründer des Landwirtschaftlichen Vereins von Hasbergen und Umgebung. In zahlreichen Vorträgen warb Stüve zu Lebzeiten um den Fortschritt der Landwirtschaft und die Gründung weiterer Vereine.


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