Alleskönner Feldroboter Boni-Rob Die Zukunft der Landwirtschaft kommt aus Osnabrück-Hasbergen

Meine Nachrichten

Um das Thema Hasbergen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Boni-Rob hat die Felderprobung bestanden und soll produziert werden: Prof. Dr. Arno Ruckelshausen (links) und Axel Höh (wissenschaftlicher Mitarbeiter) sind von dem System überzeugt.Foto: Stefanie PreuinBoni-Rob hat die Felderprobung bestanden und soll produziert werden: Prof. Dr. Arno Ruckelshausen (links) und Axel Höh (wissenschaftlicher Mitarbeiter) sind von dem System überzeugt.Foto: Stefanie Preuin

hpr Osnabrück. Manch einer bespöttelt es als Spielerei, die anderen gehen ernsthaft ans Werk. Die Erbauer selbstfahrender Roboter für die Landwirtschaft sehen für die maschinellen Helfer viele Einsatzfelder. Boni-Rob heißt so ein multifunktionales Systemfahrzeug, das von den Amazonen-Werken (Hasbergen) und der Firma Bosch zusammen mit der Hochschule Osnabrück entwickelt wurde.

Prof. Dr. Arno Ruckelshausen zeichnet gerne das Bild von weltweit zurückgehenden Ernteerträgen bei gleichzeitigem Bevölkerungswachstum an die Wand, damit auch der unbedarfte Zuhörer seinen Einsatz zur Entwicklung innovativer Geräte für die Landwirtschaft versteht. Er ist einer der Väter von Boni-Rob, einem intelligenten Roboter auf vier Rädern. Dieses Basismodell dient als Plattform für Bearbeitungsaggregate (Applikationsmodule, auch Apps genannt), die je nach Einsatz mit wenigen Handgriffen eingesetzt werden können.

Dann rollt Boni-Rob mit fünf Stundenkilometer über das Feld, die Räder einzeln elektrisch angetrieben. Sensor- und Computertechnik steuern das Fahrzeug, das unterschiedliche Apps aufnehmen kann, seien sie nun für die Bodenuntersuchung, die Pflanzenbeurteilung, den Düngerbedarf, die Pflanzenschutzgabe oder für das Unkraut jäten konzipiert.

Von der Idee einer solchen selbstfahrenden Maschinenplattform bis zum Bau eines Prototypen vergingen drei Jahre, in denen Sensoren in unzähligen Laborversuchen entwickelt wurden, die dem Feldroboter erst die Feinfühligkeit vermitteln. Es wird nun von den Industriepartnern auch über eine Produktentwicklung und Markteinführung dieser Technologien nachgedacht, während weitere Forschungs- und Entwicklungsarbeiten intensiv an der Hochschule Osnabrück mit Partnern durchgeführt werden.

Ein Applikationsmodul für Boni-Rob soll zur chemischen Unkrautregulierung eingesetzt werden. Er arbeitet nicht mit der Chemiekeule, sondern gibt das Spritzmittel dosiert über feine Düsen ab. Damit die Schadkräuter gezielt bekämpft werden können, ist die App mit einem Kamerasystem bestückt, das Bilder der Unkräuter, Ruckelshausen spricht gern von Beikräutern, in einer Datenbank abgleicht.

Erst danach wird virtuell auf den roten Knopf für die Herbizid-Abgabe gedrückt. Boni-Rob bietet auch die Basis für die „robotergestützte Beikrautregulierung in Gemüse“. In diesem Hochschulprojekt „Remote-Farming.1“ geht es um die Zukunft im Pflanzenbau.

Für diese chemiefreie Beikräuter-Bekämpfung wird Boni-Rob eine andere App implantiert, die ebenfalls mit einer bildgebenden Unkraut-Erkennung arbeitet. Diese Bilder werden per Internet auf einen Bildschirm irgendwo in Deutschland gesendet, wo ein menschlicher Bildverarbeiter den Wildwuchs identifiziert und markiert. Die Rückmeldung löst dann den Einsatz eines der Aktoren in der Boni-Rob-App aus. Ein solcher „Beikrautregulierungsaktor“ ist ein mechanischer Hülsenstempel, der sich über das Wildkraut schiebt. Der innen arbeitende Stempel drückt das Beikraut in den Boden. Und zwar so tief, dass dem wilden Wachstum ein Ende bereitet ist. In dem Projekt arbeiten die Wissenschaftler der Fakultäten Ingenieurwissenschaften/Informatik und Agrarwissenschaften/Landschaftsarchitektur interdisziplinär zusammen.

Boni-Rob ist mit seinen ca. 700 Kilogramm ein Leichtgewicht im Vergleich zu herkömmlichen landwirtschaftlichen Geräten. Er vermag auch die Bodenverdichtung, Feuchtigkeit und Temperatur im Erdreich zu messen. Dazu wird eine sogenannte Sondierstange bis 80 Zentimeter in den Boden gepresst, der den Eindringwiderstand erfasst.

Die zunehmende Bodenverdichtung auf den Ackerflächen ist seit Jahren bekannt. Immer größere Erntemaschinen sorgen für eine Komprimierung der Bodenschichten bis in 80 bis 100 Zentimeter Tiefe, die von einer Pflugschar nicht mehr aufgelockert werden können. Diese Schichten wirken wie ein Sperrriegel für Oberflächenwasser und tief wurzelnden Feldfrüchten, hatte „Spektrum der Wissenschaft“ bereits 2006 berichtet. Mit der Konsequenz, dass große Regenmengen nicht schnell genug versickern und damit den Pflanzen schaden – Ernteausfälle sind die Folge.

Erntemaschinen wiegen heute zwischen 30 und 60 Tonnen. Möglicherweise können diese Schwergewichte irgendwann einmal erleichtert werden. Die Ergebnisse aus der Boni-Rob-Forschung an der HS Osnabrück können möglicherweise einen Weg dazu aufweisen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN