Von Hasbergen nach Curaçao Delfine helfen dem schwerbehinderten Edward


Hasbergen. Zwei Wochen schwimmen mit Delfinen, planschen im warmen Wasser und unter karibischer Sonne, tat dem kleinen Edward aus Hasbergen sehr gut. Dank einer Spendensumme von über 17000 Euro, die durch die Aktion „Wir für Edward – Hasbergen hilft“ gesammelt wurde, konnte der sechsjährige, mehrfach schwerstbehinderte Junge zusammen mit seiner Familie an einer Delfintherapie auf Curaçao teilnehmen.

Nun ist Edward wieder zurück in Hasbergen, und die Erfolge der Therapie erfreuen nicht nur seine Familie, sondern auch die Mitarbeiter der Kita Kunterbunt, die Edward besucht, und den Vorstand der evangelisch-lutherischen Christuskirche, der das Spendenprojekt im April ins Leben gerufen hatte . „Edward war vor der Delfintherapie wie ein eingefrorenes Kind. Jetzt blüht er auf wie eine Blume“, versuchte Mutter Irena Weit-Wagner ihre enorme Erleichterung am Mittwoch in der Kita Kunterbunt in Worten auszudrücken. Der Junge habe vorher starke Konzentrationsschwierigkeiten gehabt, konnte Blickkontakt nicht halten und bewegte sich auf seinen Knien fort. Auch das Essen fiel schwer. Edward bekam Flüssignahrung aus der Flasche.

Als der kleine Hasberger aber Delfindame Chabelita auf Curaçao kennenlernte, fingen sich seine Handicaps an zu vermindern. Vom 28. September bis 13. Oktober war er jeweils zwei Stunden pro Tag in die Delfintherapie der Organisation „ dolphin aid “ eingebunden. Nach Übungen im Therapieraum zusammen mit einem deutschen Psychologen und einer deutschen Physiotherapeutin ging es 25 Minuten zu Chabelita ins Wasser. Dort spielten Edward und der Therapie-Delfin mit Bällen und Ringen. Besonders viel Spaß habe es ihm gemacht, sich von dem liebenswürdigen und intelligenten Tier durch das Wasser ziehen zu lassen. „Edward musste immer lachen, wenn Chabelita ihn küsste oder ihm ins Ohr schnatterte“, erinnert sich Irena Weit-Wagner mit einem Lächeln im Gesicht. Auf den Schwimmspaß folgte stets ein Therapieteil, bei dem der Junge kognitive Aufgaben lösen musste, wie zum Beispiel Tiere auf Karten wiederzuerkennen. Dabei saß er auf einem Floß und die Familie konnte ihn, wie auch beim Delfin-Schwimmen, beobachten. „Es war bewegend, seine Fortschritte bei den Aufgaben zu sehen“, findet Dagmar Haverkamp, Edwards betreuende Heilpädagogin aus der Kita Kunterbunt , die ihn neben seiner Familie in die Karibik begleitete. „Edward hat einen großen passiven Wortschatz. Er scheint viel wahrzunehmen, kann es aber sprachlich nicht wiedergeben.“ So waren die Erwachsenen überrascht, als Edward ohne Probleme einen Seestern zuordnen konnte. „Ich weiß gar nicht, woher er weiß, was das ist“, wunderte sich seine Mutter.

Bei den Rückmeldungen jeweils nach den Therapiestunden profitierte dann die Familie. Edwards Eltern mussten lernen, ihrem Sohn zukünftig etwas mehr zuzutrauen. Überhaupt habe die ganze Familie eine große Rolle in der Therapie gespielt. Darauf würde bei „dolpin aid“ Wert gelegt, da Familien mit behinderten Kindern besonderen Belastungen ausgesetzt sind und Geschwisterkinder oftmals zurückstecken müssen. Für Edwards Schwester Caroline (13) war Curaçao ein beeindruckendes Erlebnis. Jeden Tag durfte sie Delfine füttern und im glasklaren Wasser schnorcheln.

Dank der großen Spendenbereitschaft der Hasberger konnte Familie Weit schon jetzt und nicht wie angenommen im Frühjahr 2014 zur Delfintherapie fahren. „Das ist toll. So kann Edward nun noch bis Juli in der Kita von seiner Heilpädagogin begleitet werden, die alles auf Curaçao miterlebt hat“, sagte Pastor Guido Schwegmann-Beisel von der Christuskirche, Träger der Kita Kunterbunt. „Danach wartet die Schulzeit auf ihn.“

Edwards Fortschritte sind sowohl zu Hause als auch im Kita-Alltag zu sehen. „Er reagiert und nimmt Blickkontakt auf, wenn man ihn ruft. Die Anfänge einer Kommunikation sind nun möglich“, wissen Dagmar Haverkamp und Kita-Leiterin Karin Landeck. Zu Hause fange er an, sich an Möbeln hochzuziehen, um auf seinen Füßen zu stehen. „Gestern hat er das erste mal richtig gegessen, Kartoffeln, Fleisch und Kraut“, freut sich Irena Weit-Wagner.

Legt sie nun zu Hause den auf Curaçao gedrehten Film in den DVD-Spieler, komme Edward sofort angelaufen und klatscht in die Hände, wenn er den Delfin sieht. „Damit drückt er seine Freude aus“, sagt seine Mutter – überglücklich.


0 Kommentare