Zeitreise in der Töpferei ZDF dreht für Magazin „Landgut“ in Hasbergen

Von Claudia Sarrazin


Hasbergen. Ungewöhnlichen Besuch erhielt Bernd Niehenke kürzlich in seiner Töpferei: Im Auftrag des ZDF kam die „Good Times“-Fernsehproduktion aus Köln nach Hasbergen, um bei ihm Teile des neuen Landgut-Magazins und Szenen für das ZDF-Mittagsmagazin zu drehen.

„Das ist ein wahnsinnig altes Traditionshandwerk. Und es ist schon bemerkenswert, mit welcher Leidenschaft Herr Niehenke das hier ausübt“, schwärmte Heiko Weiler, Redakteur bei „Good Times“, in einer Drehpause. Außerdem sähen Niehenkes Produkte auch noch toll aus. Gemeinsam mit Kameramann Ole Kegeler und Tonmann Sebastian Stahl filmte Weiler den gesamten Töpferprozess – von der Grube bis zum Produkt. „So können die Zuschauer nachvollziehen, wie viel Handarbeit in den Produkten steckt“, berichtete Weiler.

Sozusagen stellvertretend für die Zuschauer erklärte Niehenke seine Arbeit sechs Jungen aus Hagen. Einer von ihnen, der neunjährige Matthias, hatte seinen Kindergeburtstag in der Töpferei gefeiert, als die Fernsehleute den Drehtermin mit Niehenke verabredeten. Deshalb fragte der Töpfer die Kinder direkt nach dem Telefonat, ob sie für die ZDF-Dreharbeiten noch einmal wiederkommen wollten. „Ich dachte erst, er will uns veräppeln“, gab Matthias’ Mutter, Monika Schürmann, zu und erklärte: „Wenn man so was erleben kann, ist das schon klasse.“

Am frühen Nachmittag, als Niehenke den Kindern seinen alten Brennofen zeigte, stellte sich Kameramann Kegeler in den Ofen hinein. Denn von dort aus ließ sich die Szenerie am besten einfangen: „Ganz schön staubig und dunkel ist das hier“, bemerkte er, während Tonmann Stahl derweil vor dem Ofen das Mikrofon hielt.

Schon seit mindestens sieben Generationen töpfern die Niehenkes in der Region. Bernd Niehenke erzählte den Jungen, dass sich sein Familienbetrieb zeitweise auf Blumentöpfe spezialisiert hatte und in der Werkstatt damals täglich bis zu 15000 Töpfe gepresst worden seien. Diese hätten anschließend „drei Tage brennen und drei Tage trocknen“ müssen – bei komplett geschlossenem Ofen. Und der Töpfer hätte „nach Gefühl“ heizen müssen, da es damals keine Innenthermometer oder Temperaturregler für den gemauerten Ofen gegeben habe. „Wenn es im Ofen zu heiß wurde, schmolzen die Töpfe zusammen“, so der Töpfermeister, und die ganze Arbeit war umsonst.

Zusammen mit den Töpfen brannte schon Niehenkes Großonkel die von ihm entworfenen Hüggelzwerge. Weiler fand die Zwerge, die den alten, überlieferten Erzählungen ein Gesicht geben, „natürlich auch echt toll“. Überhaupt sei der Aufenthalt in der Töpferei wie eine kleine Zeitreise.

100 Minuten Material

Apropos Zeit. Das Fernsehteam war insgesamt rund sechs Stunden bei Niehenke vor Ort und drehte etwa 100 Minuten Filmmaterial. Daraus werden für die Sendungen nur die besten Sequenzen ausgewählt.

„Viele fragen uns: Wie, dafür braucht ihr so lange?“, berichtete Weiler. Doch es dauere halt so lange, an verschiedenen Orten immer wieder alles neu aufzubauen, das Licht einzustellen und zu besprechen, was konkret wie aufgenommen werden soll.

Das Arbeitsergebnis des Kölner TV-Teams strahlt das ZDF in der ersten Folge seines neuen Magazins „Landgut“ aus. Im Mittelpunkt der Folge aus dem Osnabrücker Land steht die Ippenburg. Außerdem können die Zuschauer lernen, wie man Holundersirup selbst macht und dass Hunde nicht nur Schafe, sondern auch Gänse dressieren können.

Generell wollen sich die Macher des Magazins der „Ursprünglichkeit und Ruhe des Landlebens“ widmen. Laut Pressemitteilung sei Landgut jedoch „kein landwirtschaftliches Magazin mit Birkenstock- und Schafwollsocken-Ambiente“. Die Sendung will ein „schickes Landflair“ vermitteln. Schwerpunkte der Sendung sind Themen wie Country-Lifestyle, Tradition und kultiviertes Landleben. Das ZDF hat zunächst sechs Folgen produziert, die jeweils knapp eine Dreiviertelstunde lang sind und immer sonntags um 14 Uhr ausgestrahlt werden.

Das Landgut-Magazin präsentiert am Sonntag, 4. August, um 14 Uhr unter anderem Aufnahmen aus der Töpferei Niehenke und von der Ippenburg.