Aus Frust Feuer gelegt 19-Jähriger wegen Brandstiftung in seiner Zelle verurteilt

Urteil am Osnabrücker Amtsgericht. Foto: Swaantje HehmannUrteil am Osnabrücker Amtsgericht. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück . Aus Frust über seine Verurteilung zu drei Jahren Haft hatte ein heute 19-Jähriger im November Teile seiner Zelle in der JVA Osnabrück in Brand gesetzt. Nur mit Glück hatten Beamte sein Leben retten können. Das Amtsgericht sprach jetzt gegen ihn unter Einbeziehung des früher gefallenen Urteils eine Haftstrafe von drei Jahren und neun Monaten aus.

Der Angeklagte war im Jahr 2016 aus seinem Heimatland Afghanistan geflüchtet, als dort sein Vater, ein hoher Polizeibeamter, vor seinen Augen von Aufständischen getötet worden war. 2017 fand er Aufnahme bei einer Familie in Hasbergen. Nach einer Weile hatte er sich in die 17-jährige Tochter verliebt, die seine Gefühle jedoch nicht erwiderte.

Flucht durchs Badezimmerfenster

Eines Abends im Juni 2018 hatte sich das Mädchen allein mit ihm im Haus befunden, als er sich ihr genähert und sie auf das Sofa geworfen haben soll. Dann soll er sie im Genitalbereich berührt haben. Bevor noch Schlimmeres geschehen konnte, war ihr die Flucht durch das Fenster im Badezimmer gelungen. 

Jugendstrafe wegen Bedrohung und sexueller Nötigung

Der Angeklagte hatte daraufhin das Haus verlassen, war aber einige Tage später zurückgekehrt und hatte Todesdrohungen gegen die Familienmitglieder ausgestoßen. Das Amtsgericht verurteilte ihn deshalb wegen Bedrohung und sexueller Nötigung zu drei Jahren Jugendstrafe.

Matratze und Decke in Brand gesteckt

Am Abend nach dem Urteilsspruch hatte er die Matratze und Bettdecke seines Haftraums in der JVA in Brand gesteckt. Seinen eigenen Angaben nach habe er sich selbst töten wollen. Als es lichterloh brannte, hatte er aber über die Notsprechanlage um Hilfe gerufen. Zwei der Diensthabenden hatten sofort reagiert und waren zu der Zelle gelaufen. „Als wir die Tür geöffnet haben, war uns eine Stichflamme entgegen geschlagen. Der Innenraum war komplett schwarz von Rauch und Ruß“, beschrieb die als Zeugin geladene Beamtin.

Rauchvergiftungen 

Geistesgegenwärtig habe sie sich auf den Boden gelegt und war durch den Zellenraum gerobbt, bis sie auf den in einer Ecke liegenden, bereits besinnungslosen Mann gestoßen war. Zusammen mit ihrem Kollegen war es ihr dann gelungen, diesen aus der Zelle zu ziehen. Die Beamten wie auch der Verursacher trugen Rauchvergiftungen davon.

Bei den Rettern entschuldigt

Im Verfahren wegen der Brandstiftung erklärte der Angeklagte, er habe seinem Leben wegen der seiner Meinung nach unberechtigten Verurteilung ein Ende setzen wollen. Dass er damit auch die beiden Beamten, die ihn gerettet hatten, in Gefahr gebracht habe, tue ihm sehr leid. „Das habe ich nicht gewollt und ich entschuldige mich dafür“, erklärte er in Richtung der Zeugin.

Bei dem Brand war ein Schaden von etwa 5000 Euro entstanden. Zwischenzeitlich hatten 15 Streifenwagen vor dem Gefängnis gestanden, um bei einer Ausbreitung des Feuers die anderen Strafgefangenen evakuieren zu können. Das war letztendlich aber nicht nötig geworden, weil Justizvollzugsbeamte mit Hilfe der Feuerwehr den Brand löschen konnten.

Impulsive Handlungen

Wie ein sachverständiger Jugendpsychologe dem Gericht darlegte, handelt der heute 19-Jährige häufig impulsiv und ist dann in seiner Steuerungsfähigkeit erheblich gemindert. Davon hatten sich Besucher zu Beginn des Verfahrens, zumindest indirekt, überzeugen können. Nicht weniger als fünf Vollzugsbeamte führten den Angeklagten in den Saal, an Händen, Füßen und um die Brust gefesselt. Wie die Vorsitzende des Jugendschöffengerichts erklärte, habe er auf dem Transport aus der JVA Hameln „Terror geschoben“.

Nach dreistündigem Verfahren wurde der Angeklagte wegen versuchter schwerer Brandstiftung, Sachbeschädigung und Körperverletzung unter Einbeziehung des früheren Urteils zu drei Jahren und neun Monaten Jugendstrafe verurteilt.

Abschiebung ins Heimatland

Wie erläutert wurde, ist die rechtliche Duldung seines Aufenthaltes in der Bundesrepublik seit Januar abgelaufen. Seine Abschiebung in sein Heimatland ist beabsichtigt. Ob diese vor oder nach Verbüßung der Strafe verfügt wird, wird noch geklärt werden müssen.


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