Bundespolitiker in Hasbergen "Amazone" als Beispiel für deutsche Entwicklungspolitik

Freude über den gegenseitigen Austausch: Christian Dreyer, der aktuelle Chef von Amazone, Senior Chef Klaus Dreyer, Staatssekretärin Maria Flachbarth, Susanne Breiwe, CDU-Vorsitzende Hasbergen, und Bundestagsabgeordneter Mathias Middelberg. Foto: Franziska SpeckerFreude über den gegenseitigen Austausch: Christian Dreyer, der aktuelle Chef von Amazone, Senior Chef Klaus Dreyer, Staatssekretärin Maria Flachbarth, Susanne Breiwe, CDU-Vorsitzende Hasbergen, und Bundestagsabgeordneter Mathias Middelberg. Foto: Franziska Specker

Hasbergen. Vergangenen Montag konnte das Unternehmen "Amazone" in Hasbergen gleich zwei Mitglieder des Bundestags bei sich begrüßen: Dr. Maria Flachsbarth, parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, und Dr. Mathias Middelberg, der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundesfraktion. Gesprächsthema war die bundespolitische und unternehmerische Entwicklungsarbeit.

Seit mehr als 60 Jahren ist die Bundesrepublik entwicklungspolitisch aktiv. Dabei wird versucht in strukturschwachen Ländern durch Projekte langfristige Strukturen aufzubauen, um die politische, wirtschaftliche und soziale Situation in Entwicklungsländern nachhaltig zu verbessern. Doch gerade an der Nachhaltigkeit scheitere es häufig, so Maria Flachsbarth. "Häufig zerfallen die aufgebauten Strukturen nach Projektende", erklärt sie. Um Projekte mit Zukunftsfähigkeit zu schaffen, setze das Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung deshalb nun zunehmend auf private Investoren.

Einer davon ist das Unternehmen "Amazone". Vor 137 Jahren gegründet, hat das Unternehmen heute international rund 1850 Mitarbeiter und konzentriert sich vor allem auf den Export, welcher rund 80 % des 481 Millionen Umsatzes ausmacht. Dabei agiert das Unternehmen in über 70 Ländern. Dort verkaufe es aber nicht nur, sondern Schule auch Mitarbeiter, erzählt der Geschäftsführer Christian Dreyer. So hat das Unternehmen internationale Versuchsstationen und Versuchsstrecken für ihre Produkte, die auch von Bundesseite gefördert werden.

Engagement in Indien und Afrika

Seit 2014 unterstützt das Unternehmen das Welthungerhilfe-Projekt „Nachhaltige integrierte Landwirtschaft in Indien“. Aufgrund fehlender Kenntnisse bestellen die indischen Bauern ihre Felder nicht effektiv und leiden aufgrund der geringen Ernte oft unter Armut und Hunger. Das Projekt vermittelt den Bauern vor Ort landwirtschaftliches Wissen, wodurch sie ihre Arbeit verbessern. So wurden bereits bereits 4500 Familien aus den ostindischen Staaten Jharkhand und Westbengalen eine "neue Ernährungssicherheit" geboten, so Christian Dreyer. Zudem besuchten 2017 vier Auszubildende des Unternehmens den Nordosten Indiens und erlebten das Welthungerhilfe-Projekt vor Ort. Sie nahmen dadurch neue Ideen für Geräte in dieser Region mit, wie beispielsweise eine manuelle Pflanzmaschine und einen Kompostverteiler. Christian Dreyer erzählt: "Dadurch wird dort nicht mehr alles von Hand gemacht. Die Arbeit wird erleichter und rationalisiert." Sein Vater Klaus Dreyer, der Senior Chef des Unternehmens, zeigte sich vor allem begeistert von der Idee der manuellen Pflanzmaschine, "weil die vor 100 Jahren hier auch verwendet wurde unter dem Namen 'Pflanzholz'".

Auch in Äthiopien hilft das Unternehmen durch den Bau einer simplen Sämaschine, die recht günstig ist, damit sie sich auch kleinere und mittlere Betriebe leisten können. "Die Maschine wird auch vor Ort hergestellt, damit es günstig bleibt", erzählt Christian Dreyer. Hochtechnisierte Sämaschinen seien zu teuer und zu kompliziert für die dort lebenden Landwirte, die vergleichsweise wenig Wissen über die dortigen Böden, Klima- und Pflanzenverhältnisse besäßen.

Verflechtung von Politik und Wirtschaft

Susanne Breiwe, CDU-Vorsitzende in Hasbergen, freute sich die hochrangigen CDU-Politiker in dem Hasberger Unternehmen zu begrüßen und betonte noch einmal das Engagement der Familie Dreyer sowohl im Entwicklungsbereich, als auch in der Gemeinde Hasbergen.

Flachsbarth versucht gerade solche Unternehmen als Investoren in Entwicklungsländern zu gewinnen. Dafür bräuchten sie aber sowohl Investitionsmöglichkeiten, als auch Sicherheiten. Investitionsbedingungen müssten verbessert und Strukturen für ein investitionsfreundliches Klima aufgebaut werden. Flachsbarth macht deutlich: "Wir haben Verantwortung zur Entwicklung unserer gemeinsamen Welt." Insbesondere mit Blick auf das Bevölkerungswachstum in Afrika sei es nötig, vor allem den jungen Menschen Ausbildungsmöglichkeiten und damit Zukunftsperspektiven zu ermöglichen. Mathias Middeberg sieht durch die Verbesserung der Ernährungssituation und der wirtschaftlichen Situation auch eine Möglichkeit mögliche Fluchtursachen zu bekämpfen: "Viele Migranten sind Menschen aus Nigeria, die aus Perspektivlosigkeit kommen." So hat laut Flachsbarth auch Bundeskanzlerin Merkel beim Afrika-Gipfel letzten Oktober einen Fond von einer Milliarde Euro auf den Weg gebracht, der vor allem mittelständischen Unternehmen eine Markterschließung in Afrika ermöglichen.


Zum Schluss der Veranstaltung wurde den Gästen eine Sämaschine der Firma vorgeführt, die zur Bearbeitung von Großflächen genutzt wird. Foto: Franziska Specker


Einen Willen zur Markterschließung betont auch Christian Dreyer bei der Vorführung einer seiner Landmaschinen: "Wir wollen vor allem in Afrika Kontakte und Schulungsstationen aufbauen." Die Entwicklungspolitik seitens Flachsbarth begrüßt er, denn "die politischen und organisatorischen Strukturen müssen schon stimmen."


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