Rettungsweste am Kirchturm als Solidaritätssignal Evangelische Gemeinde Hasbergen für sichere Fluchtwege

Um ein Zeichen mit im Mittelmeer ertrunkenen Flüchtlingen zu senden, befestigten am Sonntag, Gerd Schuirmann und Andreas Günther eine Rettungsweste am Kirchturm der Christuskirche. Foto: Michael SuchyUm ein Zeichen mit im Mittelmeer ertrunkenen Flüchtlingen zu senden, befestigten am Sonntag, Gerd Schuirmann und Andreas Günther eine Rettungsweste am Kirchturm der Christuskirche. Foto: Michael Suchy

Hasbergen. Seit vergangenen Sonntag hängt am Turm der Christuskirche eine orangene Rettungsweste. Damit möchte der Kirchenvorstand ein Zeichen der Solidarität mit den im Mittelmeer ertrunkenen Flüchtlingen senden.

Am Montag erläuterte, gemeinsam mit Mitgliedern des Kirchenvorstands, Pastor Guido Schwegmann-Beisel in einem Pressegespräch die ungewöhnliche Aktion. Diese gehe laut den Verantwortlichen zurück auf einen Aufruf der evangelischen Landeskirche Hannover. Als das Thema vor einer Woche, im Rahmen einer regulären Sitzung des Vorstandes, zur Sprache kam, habe schnell Konsens geherrscht, dass man sofort etwas unternehmen müsse, so Schwegmann-Beisel.

Daher habe der sonntägliche Gottesdienst am Wochenende direkten Bezug zur Aktion gehabt, so der Geistliche weiter. „Wir können nicht Ostern feiern und die Menschen auf dem Mittelmeer in ihrer Not allein lassen.“ Deshalb habe Schwegmann-Beisel auch den Gläubigen diesen Widerspruch in seiner Predigt vor Augen geführt. 

Mit der Rettungsweste zum Gottesdienst

Spontan hätten nach Angaben des Vorstandes auch einige Gläubige mit angelegter Rettungsweste am Gottesdienst teilgenommen. Die anschließende Kollekte war an diesem Tag zur Unterstützung der Aktion „Seebrücke“ in Osnabrück gedacht.

Wie der Vorsitzende des Kirchenvorstandes Andreas Günther weiter ausführte, bestehe eine sehr gute Zusammenarbeit mit dem örtlichen Flüchtlingsforum. Dadurch seien die persönlichen Geschichten der Flüchtlinge bekannt geworden, Diese haben mutmaßlich dazu beigetragen, dass innerhalb der Kirchengemeinde das Problem mit den Bootsflüchtlingen so präsent sei.

Wie lange die Rettungsweste als leuchtendes Signal am Kirchturm hängen soll ist noch nicht bekannt. Foto: Michael Pohl


In diesem Zusammenhang erinnerte sich Schwegmann-Beisel an einen Flüchtling, dem er vor zwei Jahren Kirchenasyl gewährt habe. Dieser sei ebenfalls in einem Boot über das Mittelmeer gereist. „Wenn man seine Geschichte gehört hat, kann man nicht mehr wegsehen.“ 

In einer gemeinsam von den Geistlichen und dem Kirchenvorstand unterzeichneten Presseerklärung kritisieren die Urheber die aktuelle Entwicklung im Umgang mit Flüchtlingen und deren Helfern. Laut Angaben der Unterzeichner seien im Jahr 2018 mehr als 2200 Menschen ertrunken. Auch in diesem Jahr sei kein Ende abzusehen.

Weitere Aktionen sind in Vorbereitung

Daneben würde die Arbeit der Seenotretter durch Festnahmen und Prozesse kriminalisiert. Mit der Aktion der Rettungsweste am Kirchturm wollen die Verantwortlichen deutlich machen, das sie das Engagement der Aktion „Seebrücke“ für sichere Fluchtwege nach Europa unterstützen.

Da das Motto des Kirchenjahres laute: „Suche den Frieden und jage ihm nach“, solle es laut Günther nicht bei dieser einen Aktion bleiben. Allerdings müsse sich der Vorstand noch überlegen, welche Aktionen in Zukunft stattfinden sollen. Auch sei bisher noch nicht geplant, wie lange die Weste den Kirchturm zieren solle.


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