Workshop in Hasbergen Wie Gospel aus den Sängern andere Menschen macht

Strahlen um die Wette: Chorleiter Micha Keding und Chorsänger Axel Denker beim Gospel-Workshop. Foto: Dominik LappStrahlen um die Wette: Chorleiter Micha Keding und Chorsänger Axel Denker beim Gospel-Workshop. Foto: Dominik Lapp

Hasbergen. Bis zum Jahr 2000 hat Axel Denker aus Belm nur zu Hause unter der Dusche gesungen. Doch dann besuchte seine Frau Heidi einen Gospel-Workshop bei Micha Keding in Lengerich und brauchte ihren Mann als Eintrittskarte, um in einen Gospelchor eintreten zu können. Es war die Initialzündung für den Belmer, der jetzt seit 19 Jahren Gospel singt und zum dritten Mal beim jährlichen Gospel-Workshop in Hasbergen dabei ist.

"Wie meistens bei Chören, gab es auch damals schon zu wenig Männer", erinnert sich Axel Denker. "Meine Frau war völlig euphorisch und sagte mir, dass sie sofort in den Gospelchor eintreten könne, wenn sie einen Mann mitbringt." Doch der Ehemann erbat sich Bedenkzeit. "Ein Vierteljahr habe ich überlegt", sagt Denker. "Wenn ich etwas mache, will ich es nämlich richtig machen." Dann fällte er eine Entscheidung und stieg ein in den Gospelgesang. "Es hat mir von Anfang an unheimlich viel Spaß gemacht, weil Gospel eine gute Botschaft transportiert, einen mitnimmt und trägt." 

Workshop und Musik tragen die Teilnehmer

Nun singt er bei den Jacob's Gospel Singers in Osnabrück und nimmt bereits zum dritten Mal am Hasberger Gospel-Workshop teil. "Axel war bei allen drei Workshops dabei", erklärt Workshop-Organisator Peter Schröder. Zum zweiten Mal findet dieser unter der Leitung des bekannten Jazz- und Kirchenmusikers Micha Keding statt, der sich als Chorleiter, Arrangeur und Komponist einen Namen gemacht hat. "Dieser Workshop trägt einen genauso wie die Musik", sagt Axel Denker. "Ich komme hierher, um die Menschen, die ich mag, und die Musik, die mir unheimlich viel gibt, zu erleben."

Eigenkompositionen von Micha Keding werden beim Gospel-Workshop in Hasbergen einstudiert und in einem Abschlusskonzert präsentiert. Foto: Dominik Lapp


Auch mal über den Tellerrand blicken

Weil er immer nur in einem Chor singt, findet es Denker ganz gut, zwischendurch auch mal über den Tellerrand zu blicken. "Das ist bei dem Workshop möglich. Außerdem ist Micha Keding jemand, der unheimlich viel rüberbringt." Ein Highlight war für ihn außerdem die Teilnahme mit insgesamt 1.200 Chorsängern beim Gospel-Musical "Martin Luther King" vor sechs Wochen in Essen. Aber auch beim Pop-Oratorium "Luther" in Berlin hat Axel Denker mitgesungen. "Das war ganz toll und wichtig, mal über den Tellerrand zu blicken und den eigenen Horizont zu erweitern." Mehr als 4.000 Chorsänger sangen im Jahr 2017 bei "Luther" in Berlin, die Aufführung wurde im ZDF ausgestrahlt.

Gospel hilft zu entspannen

Als Axel Denker, der als Jugendlicher in der Kirchenmusik zu Hause war und Trompete spielte, vor 19 Jahren mit dem Gospelgesang anfing, war er beruflich sehr eingespannt. "Ich war viel unterwegs", so Denker. "Das Singen hat mir geholfen, um mal runterzukommen. Gospel erdet total." Das kennen beim Hasberger Gospel-Workshop auch andere Teilnehmer, die zu Zweidrittel aus Osnabrück und dem Landkreis kommen, während die anderen Teilnehmer sogar aus weiteren Teilen Deutschlands anreisen.

Gospel gibt Kraft

"Einige Leute stehen beruflich richtig unter Dampf, kommen hierher, singen und kommen runter." Denker, der mittlerweile Rentner ist, sagt, dass das Singen von Gospelsongs viel Kraft gebe. "Es fordert auch, weil man sich nicht einfach hinsetzt und etwas runtersingt." Gospel sei sehr mitreißend. Die Musikrichtung hat sich Anfang des 20. Jahrhunderts aus dem "Negro Spiritual" sowie Elementen des Blues und Jazz entwickelt. Dass Micha Keding, der im ganzen Bundesgebiet Gospel-Workshops gibt, schon zum zweiten Mal mit seinem Pianisten Hilmar Kettwig in Hasbergen ist, hält Axel Denker für einen Gewinn. "Es ist großartig, von einem so erfahrenen Chorleiter und Komponisten zu lernen."


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