Packende Songs, lockere Sprüche An Rinn begeistern in der Hasberger Töpferei

Matthias Malcher macht Tempo am Banjo und sinniert über technische Lösungen, um rückenschonend im Liegen spielen zu können. Foto: Markus StrothmannMatthias Malcher macht Tempo am Banjo und sinniert über technische Lösungen, um rückenschonend im Liegen spielen zu können. Foto: Markus Strothmann

Hasbergen. Wenn die Osnabrücker Folk-Band An Rinn in der Töpferei Niehenke spielt, ist die Hütte voll. Am Samstag zauberten die Musiker wieder eine Auswahl glänzender Song-Perlen aus dem Hut. Aber trotz vieler schöner Melodien glitt das Konzert nie ins Sentimentale ab. Dafür erzählt die Band einfach zu gerne Blödsinn.

Fans von An Rinn merkten gleich, dass hier etwas anders war als gewohnt: Sängerin Anke Morhaus fehlte wegen einer Erkrankung, wie Bassist Helmut Henke-Tiede erklärte. Aber da die Bandmitglieder sämtlich stark am Mikrofon sind, musste wegen einer fehlenden Stimme glücklicherweise kein Gig ausfallen. Mit dem astreinen Country-Tune "Home" von US-Songwriter Joe Diffie, gesungen von Martin Czech, starteten An Rinn in ihr Set. Überraschend früh, nämlich als dritter Song, kam Dougie MacLeans Schottland-Hymne "Caledonia". 

Zwei schrille Rückkopplungen ertönten zum Glück erst, als das ergreifende Stück vorbei war. "Sch...technik", fluchte Brian McSheffrey von seinem Stuhl im Zentrum des Geschehens aus. Doch Bassist Henke-Tiede brachte die Sache mit wenigen Handgriffen in Ordnung und bei den folgenden, flotten Nummern gab es keine Schwierigkeiten mehr. 

Am nächsten Morgen auf hoher See

"Wer nachts besoffen aus der Kneipe kam, wachte am nächsten Morgen auf und war auf hoher See", erklärte McSheffrey die Tätigkeit der sogenannten "Press Gang": So nannte man im 17. und 18. Jahrhundert die Männer, die unfreiwillige Verstärkung für die britische Royal Navy rekrutierten. Nicht die feine Art, aber Inspiration für viele packende Songs, und einer davon macht sich hervorragend im Repertoire von An Rinn.

Besondere Momente bei Konzerten der Band sind die wenigen, eingestreuten A-capella-Stücke, mit denen An Rinn zeigen, dass sie keine Hilfsmittel benötigen, um einen vollen Klang zu produzieren. Aber natürlich sind die zahlreichen Instrumente auf der Bühne mehr als nur Blickfang. Matthias Malcher scherzte ausgedehnt über die Northumbrian Smallpipes, bedient von Alexander Maßbaum, fasste Funktion und Bedienung des Teils dann zuhörerfreundlich, aber derb zusammen: "Ein Sack, der von einem Sack gespielt werden muss." 

Souveräne Multi-Instrumentalisten

Maßbaum spielte neben den Smallpipes noch Button- und Pianoakkordeon, Bodhran, Low- und Tin-whistle, Flute und Mandoline. Und auch Martin Czech ist ein reiner Multi-Instrumentalist: Geige, Gitarre, Mandoline, Five-String und English Concertina sowie Hammer Dulcimer spielte er souverän, verfügte dazu über eine markante Stimme. Da konnte er Sprüche von Banjo-Raser Malcher locker nehmen, der nach "Red Is The Rose" stichelte: "Unter Martins rauher Oberfläche schlummert ein sentimentales Herz." 

Aber das gilt wohl für alle Bandmitglieder, wenn man sich ansah und -hörte, wie sie die Herzschmerz-Balladen mit derselben Hingabe zelebrierten wie die flotteren Stücke mit ironischem Unterton, bei denen man immer an alkoholisierte Schlägereien unter Freunden denken musste. 

Natürlich blieb es beim Gedanken. In der Wirklichkeit hakte man sich bei den Nebenleuten ein und schunkelte zu "Black Velvet Band": Irisches Lebensgefühl ja, aber bitte ohne Blutergüsse. Und blaue Augen nur im Zusammenhang mit rothaarigen Frauen, denn wie Brian McSheffrey vor "Galway Girl" augenzwinkernd chauvi-mäßig warnte: "Schwarze Haare und blaue Augen bedeutet: mieser Charakter."


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