Knochenmarksspende Hasberger Leukämiepatientin erhält Hilfe aus Kasachstan

Um für seine Schwester Knochenmark zu spenden, kam Alexander Nepopusch aus Kasachstan angereist. Dafür gab es viele Behördengänge zu erledigen. Foto: Leonie PlaarUm für seine Schwester Knochenmark zu spenden, kam Alexander Nepopusch aus Kasachstan angereist. Dafür gab es viele Behördengänge zu erledigen. Foto: Leonie Plaar

Hasbergen. Als Sina Pik aus Hasbergen an Blutkrebs erkrankte, brauchte sie dringend einen Knochenmarkspender. Dafür ist ihr Bruder aus Kasachstan angereist.

Es beginnt an den letzten heißen Septembertagen des vergangenen Jahres. Sina Pik fühlt sich immer wieder schlapp und müde. Ihr Arzt hat sofort einen Verdacht. Eine Blutprobe bestätigt kurz darauf die Diagnose: Leukämie. Ein Schock nicht nur für sie, sondern auch für ihre Familie, sagt ihr Ehemann Alexander Pik. 

Wettlauf gegen die Zeit

Sina Pik ist dringend auf eine Knochenmarkspende angewiesen. Der behandelnde Arzt erklärt ihr, dass dafür am ehesten Geschwister in Frage kommen. Damit beginnt für die Familie der Erkrankten ein Wettlauf gegen die Zeit. Denn Sina Piks Geschwister leben allesamt in Kasachstan. Alleine die Papiere zu organisieren, um Blutproben von dort zur Untersuchung nach Deutschland schicken zu lassen, würde Wochen, vielleicht Monate, dauern. 

Alexander Pik schläft zu dieser Zeit wenig. Er sorgt sich um seine Frau, fragt sich, wie das alles funktionieren soll. Er selbst war 2018 bereits an Darmkrebs erkrankt. Das Glück scheint zu dieser Zeit nicht auf der Seite der Familie zu stehen. Pik plant, die drei Geschwister seiner Frau nacheinander nach Deutschland einfliegen zu lassen, um sie vor Ort testen zu lassen. Doch dann wendet sich das Blatt für die Familie, endlich gibt es einen Lichtblick.

Ein Plan entsteht

Valentina Dippel, Krankenschwester und eine Cousine der Familie, will Ende November selbst nach Kasachstan fliegen. Ohne großes Hin und Her entsteht ein Plan: Dippel soll an ihrem letzten Tag in Kasachstan zu Sina Piks Familie fahren, den Geschwistern Blutproben abnehmen und diese dann mit nach Deutschland bringen. Jetzt muss alles schnell gehen. 


Spender Alexander Nepopusch, Krankenschwester Valentina Dippel und Ehemann Alexander Pik (von links) arbeiteten zusammen, um Sina Piks Leben zu retten. Foto: Leonie Plaar


Dippel telefoniert mit Ärzten in Kasachstan und Deutschland. Gemeinsam mit Alexander Pik macht sie tagelang Behördengänge, organisiert die für den Transport nötigen Papiere. Außerdem bekommen sie von den Ärzten das nötige Equipment für Blutabnahme und Transport. Pik erzählt: "So einen Fall haben die behandelnden Ärzte auch noch nicht gesehen, aber das war unser Glück. Es gab keine Protokolle, die uns im Weg standen."

Die Patientin unterzieht sich gleichzeitig einer unterstützenden Chemotherapie, um die Zeit bis zur möglichen Spende zu überbrücken. Weder Familie Pik noch Valentina Dippel wissen zu diesem Zeitpunkt, ob der Transport gut gehen wird, oder überhaupt eines der Geschwister als Spender in Frage kommt.

Blut im Handgepäck

Dann geht es los. Im November fliegt Dippel nach Kasachstan, am 14. Dezember trifft sie die potenziellen Spender. Sie nimmt den Geschwistern Blut ab und nimmt es im Handgepäck mit zum Flughafen. "Es war schon ein komisches Gefühl bei der Sicherheitskontrolle", so die Krankenschwester. Aber es ging alles gut, der Transportbehälter wurde nicht mal kontrolliert. Im Flugzeug prüfte sie immer wieder die Temperatur der Blutproben.

Kurz nach ihrer Landung kommen die Proben ins Uniklinikum nach Münster und werden untersucht. Danach steht fest: Sina Piks Bruder Alexander Nepopusch kommt als Spender in Frage. Seine Spendenbereitschaft stand laut ihm nie zur Debatte: "Für mich war das selbstverständlich." Er verlor bereits zwei Brüder an den Krebs.

Knochenmarkspende

In Deutschland sind laut DKMS derzeit 5,9 Millionen Knochenmarkspender registriert. Im Landkreis Osnabrück gibt es über 53.000 Registrierungen (Stand: Dezember 2018).
Für neun von zehn Leukämiepatienten wird hierzulande ein Spender gefunden. Einige genetische Marker sind aber sehr selten. Auch wenn Deutschland im weltweiten Vergleich schon gut aufgestellt ist, sieht die DKMS deshalb bei der Zahl der Registrierungen noch Luft nach oben.

Da ein Spender gefunden ist, heißt es für Alexander Pik nun wieder Papierkram erledigen und Behörden abklappern. Mit den Ausländerbehörden in Deutschland und Kasachstan klärt die Familie alle Fragen rund um ein Visum für Nepopusch. Der legt in Kasachstan dafür über 400 Kilometer zur deutschen Botschaft zurück – in einem Schneesturm. Von Deutschland aus spricht Alexander Pik eine offizielle Einladung aus, Sina Piks behandelnde Ärzte bescheinigen die Dringlichkeit von Nepopuschs Einreise.

Am 25. Februar ist es endlich soweit. Der Spender kommt in Deutschland an. Gleich am nächsten Tag beginnen die Voruntersuchungen in Münster. Dann wird er mit speziellen Medikamenten auf die Spende vorbereitet. Trotz grippeähnlicher Nebenwirkungen geht alles gut und am 7. März erfolgt die Transplantation. 

Vereinte Geschwister: Alexander Nepopusch ist zur Knochenmarkspende für seine Schwester nach Deutschland gereist. Foto: Natalia Pik


"Dass das alles so geklappt hat und Valentina zur richtigen Zeit einen Flug nach Kasachstan hatte, war wie ein Sechser im Lotto", sagt Alexander Pik. Er wünscht sich, dass sich mehr Menschen typisieren lassen.

Wenn man selbst in die Situation kommt, hofft jeder, dass er einen Spender findet. Dann sollte aber auch jeder bereit sein, selbst zu spenden."Alexander Pik, Ehemann der Patientin

Sina Pik erholt sich derzeit von der Knochenmarktransplantation. Es sei noch ein langer Weg bis zu ihrer Genesung, besiegt sei der Krebs noch nicht, so ihr Mann. Aber dank der glücklichen Fügungen und der Mitarbeit von Ärzten, Behörden und natürlich Valentina Dippel habe sie nun eine Chance.


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