Konzert in Hasbergen „Dr. Rattle & Mr. Jive“ : Kleines Jubiläum auf noch kleinerer Bühne

Publikumsliebling: Martin Spoerel am E-Piano erntete immer wieder spontanen Applaus, Nils Bloch hielt sich bis zu seinem Drummersolo wohltuend zurück und Ansgar Niemöller spielte virtuos auf Saxophon, diversen Mundharmonikas oder mit dem Publikum.Publikumsliebling: Martin Spoerel am E-Piano erntete immer wieder spontanen Applaus, Nils Bloch hielt sich bis zu seinem Drummersolo wohltuend zurück und Ansgar Niemöller spielte virtuos auf Saxophon, diversen Mundharmonikas oder mit dem Publikum.

Hasbergen. Selbst Schneeschauer haben die treue Fangemeinde von „Dr. Rattle & Mr. Jive“ nicht davon abhalten können, am Samstagabend in die Töpferei Niehenke zu kommen.

Das Publikum, überwiegend gereifte Damen und Herren, schnippte mit den Fingern, trommelte mit Händen auf Knien oder wog den Kopf im Takt von Blues bis Boogie Woogie. Dazwischen immer wieder spontaner Applaus, mal für Martin Spoerel als Dr. Rattle am E-Piano oder für Ansgar Niemöller als Mr. Jive mit Saxophon oder Mundharmonika. 

Während Spoerel völlig unprätentiös die Tasten in schier unglaublichem Tempo mit höchster Präzision bearbeitete, überzeugte Niemöller nicht nur am Saxophon, sondern setzte vor allem seine Batterie an Mundharmonikas eindrucksvoll ins Szene. Denen entlockte er Tonfolgen, die der Quetsche vermutlich nur wenige zugetraut hätten und bewies dabei komödiantisches Talent. Bei „Don´t start me talking“ kaute er zur Hälfte auf seiner Mundharmonika und spielte trotzdem unverändert präzise auf der anderen Hälfte weiter. Auch wenn Niemöllers Stimme anfangs bei „Last Night“ noch ein wenig angegriffen anmutete, sollte sich dieser Eindruck schnell verflüchtigen. 

Während „Dr. Rattle & Mr. Jive“ bereits das zehnte Mal bei Pottbäcker Niehenke gastierten, war Nils Bloch als Schlagzeug zum ersten Mal mit von der Partie. Der hielt sich angenehm beherrscht zurück. Erst am Schluss erhielt er in „I want you to bei my Baby“ mit einem Solo Gelegenheit, seinen Drums freien Lauf zu lassen und erntete verdient ebenso spontanen Beifall wie Niemöller und Spoerel. Ein glänzendes Finale, bei dem jeder Musiker noch einmal alles zu geben schien. Begeisterte Zugabe-Rufe waren die beabsichtigte Konsequenz und der Wunsch ging selbstverständlich in Erfüllung. 


Ob Mundharmonika halb verschluckt oder Saxophon mit einer Hand. Ansgar Niemöller überraschte die Gäste auch mit komödiantischen Einlagen.


Kaum weniger furios, das Ende der ersten Konzerthälfte. Bei „29 ways“ ging Niemöller mit seiner Mundharmonika schließlich vor Spoerel am E-Piano in die Knie, wobei beide ihr Tempo unaufhaltsam steigerten und ihr Publikum aufgeputscht in die Pause entließen. Etwas weniger theatralisch aber ebenso überzeugend, das zunächst melancholisch anmutende „Harlem Nocturne“, das schließlich in einem wunderbaren Dialog zwischen Piano und Saxophon mündete.

Niemöller, abwechselnd mit Instrumenten und Gesang mehr als ausgelastet, spielte zudem mit den Gästen, ließ es Wort für Wort bis hin zum Halbsatz mitsingen oder erzählte mal beiläufig, mal pointiert kleine Anekdoten und moderierte mit Humor die Titel an. So etwa bei Jackie Brenstons Song über die legendäre Oldsmobile-Ikone „Rocket 88“. Das Auto sei deshalb so begehrt gewesen, weil alle jungen Mädchen einsteigen und mitfahren wollten, „ähnlich wie bei meinem Fiat Punto“. Höhnische Lachen bei den Herren. Die musikalische Hommage an den Oldtimer rief bei Männern und Frauen jedoch gleichermaßen Jugenderinnerungen wach und verzauberte das Publikum in Höchststimmung.


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