Westerkappelner geht auf Testfahrt Wie umweltfreundlich ist der Brennstoffzellenantrieb?

Meine Nachrichten

Um das Thema Hasbergen Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Frank Diederich tankt sein Brennstoffzellenauto in Gaste. Foto: Friedrich NiemeyerFrank Diederich tankt sein Brennstoffzellenauto in Gaste. Foto: Friedrich Niemeyer 

Westerkappeln/Hasbergen. Der Elektromotor ist auf dem Vormarsch, der Verbrennungsmotor auf dem Rückzug. Doch welcher Antrieb hat die beste CO2-Bilanz? Frank Diederich aus Westerkappeln testet ein Brennstoffzellenauto.

"CO2-Bilanz" lautet das Stichwort, das Frank Diederich immer wieder nennt. Der Ingenieur aus Westerkappeln ist auf der Suche nach einer umweltschonenden Antriebstechnologie. Er möchte den Fuhrpark seiner Firma erneuern. Doch für welchen Antrieb soll er sich entscheiden? 



Diesel oder Benziner kämen schon einmal nicht in Frage. Sie seien zu umweltschädlich, sagt Diederich im Hinblick auf die klassischen Verbrennungsmotoren. Doch auch die Elektrofahrzeuge mit Akku kritisiert er. "Sie sind für uns im Alltag nicht praktikabel. Das Aufladen dauert 2-3 Stunden". Das sei viel zu lang. 

Das Brennstoffzellenauto könnte eine Alternative sein. Also lieh sich Diederich einen Toyota Mirai mit Brennstoffzellenantrieb aus und fuhr ihn Probe. Damit war er ziemlich allein auf Osnabrücks Straßen. Derzeit ist nur ein "Wasserstoffauto" in Stadt und Landkreis Osnabrück zugelassen. 



Was unterscheidet Brennstoffzellenauto und klassisches Elektroauto?

Zur Zeit werden so gut wie alle Elektroautos von einem Akku angetrieben. Akkus müssen "Strom" aus dem Stromnetz tanken. Sie speichern ihn und geben ihn an den Elektromotor weiter. Brennstoffzellenautos werden auch von Elektromotoren betrieben. Allerdings tanken sie keinen Strom, sondern Wasserstoff. Die Brennstoffzelle braucht den Wasserstoff, um daraus Strom zu produzieren. Sie nutzt dafür das Verfahren der umgekehrten Elektrolyse. Hierbei reagieren Wasserstoff und der Sauerstoff aus der Luft miteinander. Dabei entsteht Strom, der den Elektromotor antreibt.

Der ADAC hat bislang zwei Brennstoffzellenautos auf ihre Umweltverträglichkeit getestet. Den Hyundai Nexo und den Toyota Mirai. Für den "Ecotest" misst der ADAC den Schadstoffausstoß sowie die CO2-Emissionen eines Fahrzeugs. Der Brennstoffzellenantrieb stößt keinerlei Schadstoffe aus – nur Wasser. Kein Stickstoffdioxid, kein Feinstaub. 

Wasser machte sich auch bei der Probefahrt bemerkbar. Als Frank Diederich den 79.000 Euro teuren Japaner abstellt, steigt weißer Wasserdampf auf und hüllt das Auto ein. Gefährlich könne dieser nur werden, wenn er auf der Straße kondensiere. "Dann wird es bei Minustemperaturen glatt", so Diederich.


Foto: Friedrich Niemeyer


Auch Kohlenstoffdioxid stößt der Brennstoffzellenantrieb nicht direkt aus. Indirekt allerdings schon, denn: Bei der Produktion des Wasserstoffs wird CO2 frei. Der ADAC berechnet diesen indirekten CO2-Ausstoß mit ein. Bei dem Akkuantrieb wird der Strommix mit einberechnet, aus dem sich der Strom in Deutschland zusammensetzt. Mehr Kohlestrom bedeutet mehr CO²-Ausstoß beim "Akkuauto".


Strom kann man im Zweifel an jeder Steckdose tanken. An Wasserstoff kommt man nicht so leicht. "Ohne die Wasserstofftankstelle in Gaste würde die Anschaffung eines Brennstoffzellenautos keinen Sinn ergeben", so Diederich. Das Tanken von Wasserstoff sei noch gewöhnungsbedürftig, sagt er. Als er den Zapfhahn an das Auto steckt, dauert es eine Weile, bis der Tankvorgang beginnt. "Der Zaphahn saugt sich erst fest, damit während des Tankens kein Wasserstoff entweicht", so der Ingenieur. Nach etwa fünf Minuten war der Tankvorgang beendet. Ein Kilogramm kostete 9,50 Euro. In den Tank passen fünf – macht 47,50 Euro.


Foto: Friedrich Niemeyer


Im Ecotest des ADAC schneiden die akkubetriebenen Elektrofahrzeuge besonders gut ab. Sie belegen die Plätze eins bis fünf. Doch ein entscheidender Faktor bei der Bewertung der Fahrzeuge fehlt: Der CO2-Ausstoß bei der Produktion. "Die Herstellung von Akkus ist sehr rohstoff- und energieintensiv", gibt Frank Diederich zu Bedenken. Die Herstellung von Wasserstoff ist allerdings auch sehr energieintensiv.

Elektrisch zu fahren bedeutet also nicht unbedingt, auch umweltfreundlich zu fahren. Doch das Fahrgefühl ist etwas besonderes. Genau wie akkubetriebene Elektroautos fährt das Brennstoffzellenauto von Toyota fast geräuschlos. Auch Gänge gibt es nicht. "Elektromotoren fehlen die Kupplung und das Getriebe", erklärt Diederich. 




Letztlich entscheide die Politik, wie die Mobilität in Zukunft aussehen werde, ist sich Diederich sicher. Dem Brennstoffzellenantrieb fehle momentan allerdings die Lobby, um sich durchzusetzen. 

Auch die Infrastruktur lässt zu Wünschen übrig. Erst 60 Wasserstoffzapfsäulen sind derzeit deutschlandweit im Betrieb. Zudem waren im November 2018 erst 475 Brennstoffzellenautos zugelassen. Blickt man auf die Preise, ist das auch kein Wunder: Sie liegen zwischen 69.000 und 79.000 Euro. Wie Diederich sich seinen Fuhrpark finanzieren werde, wisse er noch nicht. Noch sei er in der Entscheidungsphase. 


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN