Die Hasberger Pommesschlacht In Heidis Bude haben die Damen vom Grill viel Erfahrung

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Ein Imbiss aus Überzeugung: Heidis Bude in Hasbergen. Foto: Gert WestdörpEin Imbiss aus Überzeugung: Heidis Bude in Hasbergen. Foto: Gert Westdörp

Hasbergen. Heidis Bude in Hasbergen ist kein normaler Imbiss. Dort gibt es zur Pommes, zur Brat- oder Currywurst ein spezielles Budengefühl oben drauf. Außerdem bieten die Damen vom Grill viel Erfahrung: Sie arbeiten seit vielen Jahren in der Gastronomie.

An einem Freitagmittag herrscht Kommen und Gehen in Heidis Bude. Das Telefon klingelt unentwegt. Sandra Vogt und Christiane Rahe nehmen Bestellungen auf, machen sie fertig, geben sie raus und finden immer ein freundliches Wort für diejenigen, die die eingepackten Speisen abholen oder sich in der Bude niederlassen. Es kommt ein wenig Hektik auf, aber das beeindruckt die beiden Frauen nicht. „Wenn richtig was los ist, werde ich zur Krake mit acht Armen“, sagt Sandra Vogt. Für den Fotografen will sie ihre Verwandlung jedoch nicht demonstrieren.

Der Begriff Bude passt hier ausdrücklich. Vor neun Jahren wurde Heidis Bude als Supermarkt-Imbiss von der gebürtigen Schwäbin Heidi Schmidt eröffnet. Damals gab es noch den Jibi-Markt an der Osnabrücker Straße in Hasbergen. Der Markt ist weg, die Bude ist geblieben. Und sie bleibt natürlich auch im Winter geöffnet, auch wenn vom 23. Dezember bis 10. Januar geschlossen ist. Hinter den dicken Plastikplanen ist es einigermaßen warm. Wer nicht gerade eine Frostbeule ist, kann auch im Winter seine Pommes in Heidis Bude essen. "Ich trinke Tee", verrät Sandra Vogt ihr Rezept gegen Kälte. Im Sommer braucht sie dagegen eher Kühlungsmittel. In der "Heißzeit" des Sommers 2018 hat sie 75 Grad hinter ihrer Theke gemessen, erzählt sie. Da durften ihre Gäste die Pommes in einer Sauna genießen.

Heidis Bude bleibt auch im Winter geöffnet. Foto: Gert Westdörp

Im Laufe der vergangenen neun Jahre hat der Imbiss einigen Widrigkeiten getrotzt. Die langwierige Baustelle vor vier Jahren oder die Auseinandersetzungen mit den Behörden haben nicht nur Nerven gekostet, sondern seien beinahe an die Existenz gegangen, sagt Heidi Schmidt. Deswegen hat sie in Lotte ein Restaurant eröffnet: Die Bratpfanne. „Ich habe hier einen Ort für den Fall der Fälle geschaffen. Irgendwo müssten die Leute ja arbeiten können.“ Zögernd sagt sie, über ihrer Bude in Hasbergen hänge ein Damoklesschwert – nicht, weil die Gäste ausblieben. Im Gegenteil. Vielmehr werden ihr von Seite der Behörden immer wieder mal Steine in den Weg gelegt.

Arbeit am Limit

Bislang konnte Heidi Schmidt die Hürden meistern. Die energische und energiereiche Frau übernimmt Verantwortung für ihr Personal, auch wenn sie schwer an Mitarbeiter kommt. Deswegen übernimmt sie viele Aufgaben selbst. „Leute wie ich arbeiten am Limit“, sagt sie. In dem Satz schwingen keine Klagen, keine Vorwürfe und kein Jammern mit. Es ist eine Aussage. Punkt.

Heidi Schmidt arbeitet seit ihrem 14. Lebensjahr in der Gastronomie. Mit 15 Jahren hat sie eine Ausbildung zur Hotelfachfrau begonnen. Irgendwann hatte sie die Nase voll von der Branche und hat eine Umschulung zur Mediengestalterin absolviert. Aber das war nichts für sie. „Vorm PC sitzen, völlig kommunikationslos – ey, das geht nicht“, sagt sie vehement. Erst habe sie die freien Wochenenden genossen. Aber dann hat sie gemerkt, dass sie die Arbeit in der Gastronomie besser kann als alles andere. „Ich habe aber auch gemerkt, dass ich das Herzblut dafür habe. Ich mag das.“

Chefin: Heidi Schmidt führt Heidis Bude in Hasbergen seit neun Jahren. Foto: Thomas Wübker

Auch Sandra Vogts Herz schlägt für die Gastronomie. Sie hat als 16-Jährige in einem Imbiss in Nordhorn angefangen zu arbeiten und ist dabei geblieben. Erst hat sie es gemacht, um ihr Taschengeld aufzubessern, später wurde sie zur Köchin ausgebildet. Ab und zu arbeitet sie auch in der Bratpfanne in Lotte, aber in der Hasberger „Pommesschlacht“, wie sie es sagt, ist sie lieber. „Wenn man die Leute hier kennt, sind sie richtig lieb. Hier habe ich mehr Kontakt zu ihnen.“

So ähnlich sieht es auch ihre Kollegin Christiane Rahe. Sie war Drogistin, hatte Ende der Siebzigerjahre ein Restaurant und war Wirtin in der kleinsten Kneipe Osnabrücks, dem Mylord. Seit Anfang an, also seit neun Jahren, arbeitet sie in Heidis Bude. Jetzt ist sie Rentnerin. „Ich kann mir nicht vorstellen, den ganzen Tag zu Hause zu sein.“

Die Mitarbeiterinnen in Heidis Bude sind mit Herzblut bei der Sache. Foto: Gert Westdörp

Dass Heidis Bude kein Edelrestaurant ist, macht Sandra Vogt und Christiane Ruhe nichts aus. Vogt erzählt von einem Geschwisterpaar, das immer einen Steakteller isst. Die müssen gar nicht mehr bestellen, sie bekommen ihr Essen auch so. Wenn die Teller leer sind, seien sie glücklich, sagt Sandra Vogt. „Und das macht mich glücklich.“

Auch Heidi Schmidt kann damit leben, dass sie kein extravagantes Etablissement führt. Sie wehrt sich aber dagegen, dass die Leute denken, in Pommesbuden gebe es generell ungesunde Nahrung. „Wenn Frauen zu mir kommen, sagen sie häufig, sie sündigen, wenn sie eine Pommes essen.“ Bei Männern sei das anders, berichtet sie. „Die freuen sich, dass sie hier Steckrübeneintopf bekommen.“ Und der komme bei ihr nicht aus der Dose, sondern werde frisch zubereitet, sagt sie mit Nachdruck.

Am Hamburger kommt eine Imbissbude nicht vorbei - doch in Heidis Bude wird unter anderem auch Steckrübeneintopf serviert. Foto: Gert Westdörp

Aber nicht jeder Mann freut sich über die Angebote der Damen vom Grill. Sandra Vogt erzählt, sie habe mal einem sehr jungen Exemplar dieser Gattung einen Lutscher nach dem Essen mit der Mahnung angeboten, er müsse sich nach dem Verzehr die Zähne putzen. Lachend erzählt sie: „Da wollte der Kleine nicht mehr.“

Currywurst-Pommes-Mayo-Check

In Heidis Bude gibt es übrigens auch eine Currywurst mit Tsatsiki. Aber wir bleiben bei der herkömmlichen Wurst, die von einem Fleischer aus Hasbergen kommt. Sie schmeckt saftig und griffig. Auf der leicht scharfen Sauce ist neben Curry- auch Paprikapulver. Die Pommes sind knusprig. Die Mayonnaise bildet ein Korrektiv zur Currysauce, schmeckt nicht fettig, sondern locker.


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