Vergünstigungen für Mitarbeiter Wie das Haus am Berg in Hasbergen um Pflegekräfte wirbt

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Hasbergen. Auf 100 offene Stellen fallen im Bundesschnitt 21 Bewerber: In kaum einer Branche wird derart heftig um Fachkräfte gebuhlt wie in der Pflege. Das Haus am Berg in Hasbergen ist trotz dieser Umstände bislang von einem Mitarbeitermangel verschont geblieben. Wie kann das sein?

130 Pflegeplätze bietet das Haus am Berg in Hasbergen. Damit es den Bewohnern im Alltag an nichts fehlt, ziehen im Hintergrund etwa 125 Mitarbeiter die Fäden. Das Pflegezentrum gehört damit zu den größten in der Region Osnabrück. 2005 wurde es eröffnet, 2013 um einen zusätzlichen Flügel erweitert.

Alle offenen Stellen besetzt 

Die Einrichtungsleitung liegt seit sechs Jahren in den Händen von Andreas Pinke. Er sagt: "Wir haben gegenwärtig alle offenen Stellen besetzt." In Zeiten, in denen Pflegekräfte an allen Ecken und Enden fehlen, ist das überraschend: Noch im April dieses Jahres teilte die Bundesregierung mit, dass der Branche rund 36.000 Fachkräfte fehlen. Dennoch scheint die Situation in Hasbergen vergleichsweise entspannt.

Gute Kräfte können sich Job aussuchen

"Wer Pflegefachkräfte von seiner Einrichtung überzeugen will, braucht gute Argumente", sagt Andreas Pinke. Der Markt an potenziellen Arbeitnehmern ist derart rar, dass die Branche mittlerweile an einem Punkt angelangt ist, an dem für Pflegefachkräfte sogar Handgelder bezahlt werden müssen. "Jede fähige Pflegekraft kann sich einen Job aussuchen", konstatiert Pinke. Für Einrichtungen werde es daher immer schwieriger, passendes Personal zu finden. 

Sonderleistungen für die Mitarbeiter

Das Haus am Berg hat im Haifischbecken Pflege allerdings einen Weg gefunden, sich von Konkurrenten abzusetzen: Der gängigen Praxis des Abwerbens wird mit Vergünstigungen und Sonderleistungen Einhalt geboten. Diese gelten für Fachkräfte, die mindestens eine dreijährige Ausbildung genossen haben. Langjährige Mitarbeiter soll so gehalten und neue Arbeitskräfte hinzugewonnen werden. 

Wie und in welchem Umfang einem Mitarbeiter die Leistungen zur Verfügung stehen, richtet sich nach der Betriebszugehörigkeit. 2017 hat es einen Trägerwechsel gegeben; das Haus am Berg wird seither von der Convivo-Gruppe aus Bremen betrieben. Die alten Verträge blieben mit dem Wechsel bestehen – und mit ihnen auch getroffene Vereinbarungen.

Firmenwagen oder Lohnerhöhung

"Ein Pflegefachkraft mit einem alten Vertrag hat nach fünf Jahren das Recht auf eine Lohnerhöhung oder einen Kleinwagen", berichtet Pinke. Letzteres Angebot nehmen in Hasbergen derzeit sechs Mitarbeiter in Anspruch. Die Kilometerleistung und Betriebskosten werden übernommen, ein Prozent des Listenbruttopreises (100 Euro) werden zusätzlich versteuert. Für jüngere Verträge gelten andere Modalitäten, in der Regel erfolgt eine Lohnerhöhung. 

Ferienwochenende im Harz

Neben Firmenwagen oder Lohnerhöhung gibt es sowohl in den Alt- als auch den Neuverträgen eine Reihe von weiteren Sonderkonditionen: "Wir haben die Möglichkeit, verdiente Mitarbeiter für ein Ferienwochenende in den Harz zu schicken", so Pinke. Dort stehen sechs Appartements zur Verfügung. "Das Angebot wird sehr gut angenommen", sagt der Einrichtungsleiter. Das Gehalt kann auch aufgebessert werden, indem beispielsweise das eigene Auto beklebt wird. "Dadurch erhoffen wird uns auch eine größere Identifikation mit der Einrichtung", sagt Pinke.

Tagesmutter für Mitarbeiter-Kinder

Weil die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Fachkräfte ein zusätzliches Kriterium bei der Wahl des Arbeitgebers ist, beschäftigt das Haus am Berg auch eine Tagesmutter. Bis zu fünf Kinder können hier zeitgleich betreut werden. Auch können Pflegekräfte bei der Gestaltung des Dienstplans ein Wort mitreden. "Wir merken, dass sich unsere Angebote in der Zufriedenheit der Mitarbeiter widerspiegeln", berichtet Pinke. 

Höherer Eigenanteil in NRW

Allerdings sieht der Einrichtungsleiter auch eine Gefahr: In Niedersachsen zahlen pflegebedürftige Bewohner einen geringeren Eigenanteil für einen Platz im Pflegezentrum als in anderen Bundesländern. "In Lotte ist der Eigenanteil deutlich höher als in unserem Pflegezentrum", so Pinke. Die Einrichtungen in Nordrhein-Westfalen hätten mehr Geld zur Verfügung und könnten entsprechend höhere Gehälter zahlen. Die Diskrepanz könne in Hasbergen bislang kompensiert werden – die Frage ist, wie lange noch?


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